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Berühmte Polen

Jede Nation hat berühmte Söhne und Töchter hervorgebracht. Denkt man an ein Land, ist dieses immer auch sofort mit einigen Namen verknüpft. Im Bereich Kunst und Kultur gibt es viele Persönlichkeiten, die man mit Polen in Verbindung bringt. In der Musik ist das in erster Linie Frédéric Chopin. In der Literatur Henryk Sienkiewicz, der mit dem Roman "Quo Vadis" bekannt wurde und als erster Pole den Literaturnobelpreis erhielt. Und der Regisseur Roman Polanski hat weltweite Berühmtheit erlangt, nicht nur wegen seiner Filme, sondern auch wegen seiner teils dramatischen Lebensgeschichte. Drei Porträts.

Ein farbiges Gemälde des Komponisten Frédéric Chopin. (Rechte: AKG)

Frédéric Chopin (1810-1849)

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Frédéric Chopin

Sein Geburtsname sagt wohl den wenigsten etwas: Fryderyk Franciszek Szopen. In der Sprache seines Vaters hingegen, eines französischen Emigranten, hat er einen der bekanntesten Namen, die man bis heute mit Polen verbindet: Frédéric Chopin. Wann genau Chopin in dem kleinen Ort Zelazowa Wola bei Warschau das Licht der Welt erblickte, ist nicht klar. Er selbst gab als seinen Geburtstag stets den 1. März 1810 an, auf seiner Geburts- und Taufurkunde ist aber der 22. Februar vermerkt. Unumstritten ist hingegen seine Stellung als Genius der Musik Polens und als einer der einflussreichsten Klavierkomponisten des 19. Jahrhunderts.

Im Alter von vier Jahren erlernt der kleine Frédéric das Klavierspiel. Als er sieben Jahre alt ist, erscheint mit großem Erfolg seine erste eigene Komposition, mit acht gibt er sein erstes Konzert. Mit 19 geht Chopin auf Konzertreise nach Wien. Die zwei folgenden Jahre verbringt er zwischen Wien, Warschau und Paris. Als 1831 die polnische Revolution scheitert, kehrt er nicht mehr nach Polen zurück und lässt sich endgültig in Paris nieder.

Von Anfang an waren Chopins Kompositionen stark von der Volksmusik seines Heimatlandes geprägt. Damit trug der junge Musiker entscheidend dazu bei, dass diese Musik gesellschaftsfähig wurde. In den Augen der Polen machte ihn diese Musiksprache zum besten Botschafter ihres Landes, das zu Lebzeiten des Komponisten von der politischen Landkarte Europas verschwunden war. Dabei war Chopin ein Meister aller Temperamente: Seine düsteren Nocturnes stehen beschwingten Walzern gegenüber. Die ersten Takte seiner berühmt gewordenen Revolutionsetüde wurden im Zweiten Weltkrieg zur Erkennungsmelodie polnischer Untergrundkämpfer. Wer die Etüde spielte, konnte dafür mit dem Tod bestraft werden. Immer wieder drängten seine Freunde, andere Emigranten, Chopin dazu, eine polnische Nationaloper zu schreiben. Doch dazu kam es nicht mehr: Jahrelang schon hatte eine Tuberkulose den Musiker gequält, am 17. Oktober 1849 starb er daran im Alter von nur 39 Jahren.

Eine schwarzweiße Fotografie des Literaten Henryk Sienkiewicz. (Rechte: dpa)

Henryk Sienkiewicz (1846-1916)

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Henryk Sienkiewicz

Mit einem einzigen Buch wurde er weltbekannt: "Quo Vadis". Für diesen Roman über die Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Nero sei Henryk Sienkiewicz im Jahr 1905 als erster Pole mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden, heißt es oft. Die Begründung des Nobelpreiskomitees lautete freilich anders: Sie ehrte den Literaten vielmehr "für seine außerordentlichen Verdienste als epischer Schriftsteller". Mit seinem historischen Epos über das alte Rom erlangte Sienkiewicz aber internationale Berühmtheit. Den Ruhm in seinem Heimatland begründeten seine Romane über die polnische Geschichte, in denen die Polen stets als Sieger dastehen. Dass der Verfasser dabei nicht immer genau mit den historischen Fakten umging, tat der Popularität seiner Werke keinen Abbruch.

Henryk Sienkiewiczs Kindheit ist geprägt vom Patriotismus seines Vaters, der sich am Kampf für die polnische Unabhängigkeit beteiligt hatte. Aber auch die Traditionen des Landlebens beeinflussen den jungen Sienkiewicz, der am 5. Mai 1846 als Sohn armer adliger Grundbesitzer in der Provinz Podlachien auf die Welt kommt. Später siedelt die Familie nach Warschau um. Henryk Sienkiewicz studiert Literatur und Geschichte und verdient sein Geld zunächst als Hauslehrer. Er arbeitet als Feuilletonist und Satiriker bei verschiedenen Zeitungen, geht dann als Korrespondent in die Vereinigten Staaten. 1878, gerade erst aus Amerika zurückgekehrt, begibt sich Sienkiewicz auf eine vierjährige Reise durch Europa. Seine Auslandsaufenthalte inspirieren ihn zu Texten, in denen immer wieder die polnische Identität thematisiert wird. Der Autor setzt seine Bekanntheit ein, um für die polnische Sache zu demonstrieren, in der Revolutionszeit um 1905 verlangt er etwa in Artikeln und Aufrufen Autonomie für das polnische Königreich. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, geht Sienkiewicz ins Exil in die Schweiz. Dort stirbt er am 15. November 1916 - zwei Tage vor der Wiedererrichtung des polnischen Staates. 1924 wird sein Leichnam in die Warschauer Johanneskathedrale umgebettet.

Eine Farbfotografie des Regisseurs Roman Polanski. (Rechte: dpa)

Roman Polanski (geboren 1933)

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Roman Polanski

Sein beruflicher Werdegang war eine Hollywood-reife Erfolgsstory. Sein Privatleben aber war gezeichnet von schweren Schicksalsschlägen und Skandalen. Roman Polanski kommt am 18. August 1933 als Roman Liebling in Paris auf die Welt. Sein Vater, ein polnischer Jude, kehrt 1937 aus Angst vor dem wachsenden Antisemitismus in Frankreich mit der Familie nach Polen zurück. Krakau hält er für den sichersten Ort für Juden in Europa. Ein Trugschluss, der sich als fatal erweist. Romans Mutter stirbt im Vernichtungslager Auschwitz, sein Vater überlebt nur knapp das Konzentrationslager Mauthausen. Roman wird im Kuhstall eines Bauern versteckt und entkommt so der Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Unmittelbar nach Kriegsende geht der junge Mann gegen den Willen seines Vaters an die Filmhochschule Lodz. Zunächst finanziert er sich eher schlecht mit kleinen Rollen, Ende der 1950er Jahre geht es endlich mit seiner Karriere als Regisseur voran. 1963 zieht Polanski nach England, wo er mehrere Filme dreht, der bekannteste: "Tanz der Vampire" (1967). In dem Grusel-Musical spielt er an der Seite von Sharon Tate, die ein Jahr später seine Ehefrau wird.

Ausgerechnet mit seinem bislang größten Erfolg nimmt Polanskis Leben eine tragische Wendung: Kurz nach der Premiere von "Rosemaries Baby" im Jahr 1969 bricht die radikale Sektengruppe "Manson Family" in sein Haus ein und ermordet die hochschwangere Sharon Tate und ihre Gäste. Mit dem Blut seiner Frau schreiben die Täter Polanski Botschaften an die Wände. Polanski wird von Schuldgefühlen geplagt, doch er setzt seine Arbeit fort, mit preisgekrönten Filmen wie "Chinatown". 1977 dann der Skandal: Polanski wird wegen sexueller Belästigung einer Minderjährigen angeklagt und verurteilt, nachdem er versucht hatte, die 13-jährige Samantha Gailey zu einem "oben ohne"-Fotoshooting zu überreden. Polanski flieht nach Europa, um der Haftstrafe zu entkommen. Er wird französischer Staatsbürger. In die USA ist er seither nicht mehr zurückgekehrt, auch nicht, als er 2003 mit dem Oskar für "Der Pianist" ausgezeichnet wird.

2009 dann die Überraschung: Als Polanski zu einem Filmfestival nach Zürich reisen will, wird er an der Schweizer Grenze festgenommen. Die US-amerikanischen Strafvefolgungsbehörden streben ein neues Verfahren gegen den Regisseur an und wollen Polanski von der Schweiz ausgeliefert bekommen. Schon im Vorfeld der Reise hatten sie die Schweiz um eine mögliche Auslieferung gebeten. Doch nach knapp neun Monaten Hausarrest in seinem Ferienhaus in Gstaad wird er wieder freigelassen. Die Schweiz lehnt nach ausgiebiger Prüfung aller Unterlagen den Auslieferungsantrag ab. Polanski kehrt noch am gleichen Tag in seine Wahlheimat Paris zurück.

Katrin Lankers, Tobias Aufmkolk, Stand vom 05.03.2012

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