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Galicien - keltisch oder nicht?

In Galicien gibt es einen ausgeprägten Kelten-Mythos. Man bezieht sich stark auf die Kelten als Vorfahren und deren Spuren in der Musik und in der Kultur. Auch das Spielen der Gaita, des galicischen Dudelsacks, in der Volksmusik wird mit dem keltischen Einfluss begründet. Aber stimmt das so?

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Die Gaità – der galicische Dudelsack

Mit einem Dudelsack verbinden die meisten Menschen vermutlich die schottische Variante, die "Great Highland Bagpipes", doch auch die Gaita gehört zu den Dudelsäcken. Das Instrument stammt aus Galicien und wird traditionell in ganz Spanien gespielt. Der Sack bestand früher aus Ziegen- oder Schaffell, heute wird er meist aus Stoff, beispielsweise Goretex, gefertigt und dann mit traditionellen Stoffen überzogen. Auch beim schottischen Dudelsack, dessen Sack früher aus Leder angefertigt wurde, kommt inzwischen Goretex zum Einsatz. Bei Klang, Lautstärke und Spielweise gibt es zwischen den Instrumenten jedoch erhebliche Unterschiede. Die traditionelle Gaita hat eine Bordunpfeife, auch Brummer genannt, und eine Melodiepfeife. Bordun ist der Halteton, der begleitend zur Melodie zu hören ist. Je nach Ausführung der Gaita hat das Instrument heute bis zu drei Bordunen. Die schottischen Great Highland Bagpipes haben grundsätzlich drei Bordunpfeifen und eine Melodiepfeife, bis zu sechs Bordunen sind aber möglich. Beide Instrumente sind sehr laut und sollten besser im Freien gehört werden. Highland Bagpipes erreichen durchschnittlich 122 Dezibel, eine Lautstärke, die in etwa einem Popkonzert entspricht und die früher genutzt wurde, um feindliche Truppen das Fürchten zu lehren. Heute ruft das schottische Instrument allenfalls die Europäische Union auf den Plan, die die Musiker vor allzu großer Lautstärke schützen will. Im Gegensatz zur schottischen Sackpfeife gilt die Gaita als Instrument, das einfach zu spielen und für Anfänger leicht zu erlernen ist.

Photographie eines älteren Mannes, der die Gaita spielt. (Rechte: mauritius images)

Der Dudelsack ist auch In Galicien Tradition

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Der Dudelsack wurde im Mittelalter in vielen Regionen Europas gespielt und war keineswegs nur auf Länder mit keltischen Wurzeln beschränkt. Insgesamt sind rund 180 verschiedene Arten von Sackpfeifen bekannt. In Galicien konnte sich dieses Instrument wegen der Abgeschiedenheit des Landstrichs erhalten. Im Zuge des "Rexurdimento", einer kulturellen Bewegung des 19. Jahrhunderts, wurde der keltische Mythos auch benutzt, um eine eigenständige Kultur Galiciens zu beleben. Damals entstand auch die ideelle Verbindung zu keltischen Ländern wie Irland und Schottland. In der Folkmusik orientierte man sich an irischen und schottischen Klängen. Heute spielen galicische Musiker wie der Gaita-Spieler Carlos Nuñez und die Gaita-Spielerinnen Cristina Pato und Susana Seivane umgekehrt in der Folkmusik Irlands und Schottlands eine wichtige Rolle.

Castros und ihre Rundhäuser – älter als die Kelten

Auch den Castros, den Siedlungen aus der Eisenzeit, wird häufig - auch in den Reiseführern - keltischer Ursprung nachgesagt. Doch das ist eine Legende: Die Castros gab es bereits lange bevor die Kelten nach Galicien kamen, und sie blieben lange, und zwar mindestens noch bis zur Bildung der römischen Provinz Gallaecia im Jahr 60 vor Christus, bewohnt.

 Die Castros waren Wehr- und Wohnanlagen auf Bergen und Hügeln an der Küste, wo sie vor allem strategisch günstig gelegen waren. Die Bewohner der Anlagen hatten je nach Standort einen guten Blick über die Küste und ins Inland. Baumaterial und Verpflegung in die entlegenen Castros zu bringen, dürfte allerdings eher beschwerlich gewesen sein. Die Castros sind etwa um das 7. Jahrhundert vor Christus entstanden. Sie wurden von den Menschen der sogenannten Castro-Kultur erbaut, einer eisenzeitlichen Kultur im Norden Spaniens. Die Grundmauern der leicht oval geformten Rundhäuser sind heute noch gut zu erkennen, ebenso die Wälle, mit denen die Siedlungen befestigt waren. Wie die Häuser wirklich ausgesehen haben, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Bei Rekonstruktionen im Castro de Santa Tegra wurden für die hüttenartigen Rundbauten Strohdächer verwendet.

 Das Castro de Santa Tegra an der Grenze zu Portugal ist eines der bedeutendsten und größten Castros Galiciens. 1913 wurde es zufällig von Waldarbeitern entdeckt, ein Jahr später begann bereits die Ausgrabung des wertvollen Funds. Über 1000 solcher Rundhäuser gab es in Galicien. Weitere bekannte Castros neben Santa Tegra sind Castro de Baroña, Castro de Troña bei Ponteares und Castro von Castromao.

Martina Frietsch, Stand vom 17.11.2010

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