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Welche bedeutende Zeremonie macht junge Balinesen symbolisch zu einem zivilisierten Menschen?

Auf balinesisch heißt sie "Metatah". Gemeint ist eine der wichtigsten Zeremonien im Leben eines jungen Balinesen: die Zahnfeil-Zeremonie, ein Muss für jeden balinesischen Hindu. Junge Männer unterziehen sich diesem Ritual, bevor sie heiraten; bei jungen Mädchen findet sie kurz nach der ersten Menstruation statt. Die Bezeichnung Zahnfeil-Zeremonie ist wörtlich zu nehmen: Tatsächlich werden die sechs oberen Vorderzähne abgefeilt. Im balinesischen Hinduismus symbolisieren diese Zähne unzivilisiertes, ja sogar bösartiges Verhalten. Durch die abgeschliffenen, gleichlangen und stumpfen Vorderzähne dagegen unterscheidet sich der Mensch vom Tier - nur so kann auch seine Seele nach dem Tod wieder in den Zyklus der Wiedergeburten eintreten. Nur so kann sich der Mensch der sechs Feinde der menschlichen Seele entledigen: Lust, Geiz, Ärger, Rausch, Verwirrung und Eifersucht. Der Glaube an die absolute Notwendigkeit dieser Zeremonie geht so weit, dass sogar bestimmte Tempel auf Bali von Menschen mit ungefeilten Zähnen nicht betreten werden dürfen.

Ein balinesischer Priester nimmt Opfergaben von einer Frau entgegen. (Rechte: dpa)

Bei Zeremonien sind Priester und Teilnehmer festlich gekleidet

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Die Metatah-Zeremonie findet in einem aufs üppigste geschmücktem Haus statt. Alles ist festlich dekoriert, überall hängen die für balinesische Zeremonien so typischen goldenen Stoffe, überall befinden sich kleine Opferschälchen für die Götter. Das ganze Dorf nimmt an diesem besonderen Ereignis teil. Die männlichen oder weiblichen Kandidaten tragen ihre kostbarsten zeremoniellen Gewänder. Durchgeführt wird die Zeremonie üblicherweise von einem Priester der höchsten Kaste, einem Brahmanen. Die jungen Männer oder Frauen liegen dabei auf einer Bastmatte. Gebete werden speziell für sie ausgesprochen, sie werden mit heiligem Wasser besprenkelt, es werden Mantren rezitiert. Die Prozedur selbst dauert nur wenige Minuten und ist vorbei, wenn der anfallende Zahnstaub von den jungen Kandidaten in einen eigens dafür vorgesehenen Behälter gespuckt wird - eine gelbe Kokosnuss-Hälfte - und im wichtigsten Schrein des Familientempels aufbewahrt wird. Aus balinesischer Sicht enthält nämlich jedes Zahnstaub-Partikelchen ein klein wenig Seele (auf Sanskrit: "Atman") und muss daher in der Nähe des Individuums "bestattet" werden.

Birgit Thater, Stand vom 01.06.2009

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Bildcollage zum Thema Südostasien. (Rechte: WDR)

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