Bhumibol Adulyadej (Rama IX.)
König der Herzen
In Thailand ist der König überall im alltäglichen Leben präsent. Sein Gesicht ziert Briefmarken und Geldscheine, sein Porträt hängt in jedem öffentlichen Gebäude und in fast jeder Wohnung. Trotz seiner Volksnähe herrschen am thailändischen Hofe alte Sitten. Bei einer Audienz beim König müssen selbst der Premierminister und die Militärkommandanten zu seinen Füssen sitzen. Nähert man sich Bhumibol, muss der Besucher den Kopf einziehen, damit das Haupt des Königs über dem eigenen steht.
Wenn der König einen runden Geburtstag feiert, verwandelt sich die Hauptstadt Bangkok in die größte Partymeile der Welt: Zu seinem 60. Geburtstag reisten drei Millionen Menschen an, um ihren König zu feiern. Dem war der große Aufwand um seine Person eher unangenehm.
Ein Leben für Thailand
Als Bhumibol im Jahre 1927 in den USA geboren wurde, standen seine Chancen, jemals den Thron zu besteigen, schlecht. Von 1935 bis 1946 war sein ältester Bruder Ananda Mahidol als Rama VIII. König von Thailand. Ananda starb 1946 unter mysteriösen Umständen. Daraufhin änderte sich das Leben des jungen Bhumibol schlagartig. Er brach sein Medizinstudium ab und studierte Politologie und Jura. Fünf Jahre hatte er Zeit, um sich auf seine Rolle als König vorzubereiten, bevor er 1950 inthronisiert wurde. In dieser Zeit entwickelte er seine legendäre Disziplin und Ausdauer. 17 Stunden soll Bhumibol noch heute täglich arbeiten.
Zeit für Sirikit
In den wenigen verbleibenden freien Stunden fand er aber durchaus noch die Zeit für die schönen Dinge des Lebens. 1948 lernte er in einem Schweizer Krankenhaus die schöne Sirikit kennen, die Tochter des thailändischen Botschafters in Frankreich. Sieben Tage vor seiner Krönung heirateten die beiden und wurden zum Traumpaar der europäischen Klatschblätter. Modejournalisten und Couturiers bezeichneten die Königin als "die eleganteste Frau der Welt". Im In- und Ausland hat sie während zahlreicher Staatsbesuche durch ihr natürliches Auftreten große Sympathien erworben. Für seine Frau verzichtete Bhumibol auf den alten Brauch der Könige, mehrere Frauen zu ehelichen. Der bis dahin populärste König Mongkut hatte beispielsweise 39 Frauen und über 40 Kinder.
Thailands wichtigster Entwicklungshelfer
Seine Nähe zum Volk hat er die Thais spüren lassen. Während seiner Amtszeit hat er jede der 76 Provinzen des Landes, auch die im Norden, wo in vielen Teilen noch bittere Armut herrscht, mindestens einmal besucht. Dabei waren die Reisen für Bhumibol mehr als bloße PR-Veranstaltungen: Er wollte sich mit eigenen Augen und im Gespräch mit den Menschen vor Ort über die Probleme im Land informieren. Und Probleme hat Thailand genug - trotz des vorbildlichen wirtschaftlichen Aufstiegs in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts: Laut Zahlen von 2003 arbeiten gut 25 Prozent der Bevölkerung im industriellen Sektor, der aber 44 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Über 40 Prozent der erwerbstätigen Thais sind Landwirte und erwirtschaften nur zehn Prozent des Bruttoinlandproduktes, da in der Landwirtschaft Kleinbetriebe überwiegen, die vor allem für die Selbstversorgung, maximal für regionale Märkte produzieren.
Der Kampf gegen dieses Ungleichgewicht und die damit verbundene Armut in den ländlichen Regionen ist eines von Bhumibols Hauptanliegen. Der König fördert überall im Land regionale Wachstumszentren und den Ausbau der Infrastruktur. Sein bedeutendstes Projekt ist ein neuer Tiefseehafen in Laem Chabang am Golf von Thailand. Dort sind in den letzten Jahren gigantische petrochemische Werke entstanden. Neben den staatlichen Schulen sind durch Bhumibols Initiative landesweit hunderte von Schulen, besonders in den entlegenen Bergdörfern im Norden, entstanden. Die Analphabetenrate liegt bei circa sieben Prozent und damit deutlich niedriger als in den Nachbarländern.
In unmittelbarer Nähe zu einem seiner Paläste hat Bhumibol Plantagen errichten lassen und forscht dort nach neuen Anbaumethoden. Die Ergebnisse seiner Arbeit, beispielsweise besonders ertragreiches Saatgut verschiedener Reissorten, verteilt er an die Landwirte.
Bhumibols Kinder
Von Bhumibols und Sirikits vier Kindern hat Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn die größten Chance, die Nachfolge ihres Vaters anzutreten. Sirindhorn, geboren 1955, ist unverheiratet und steht ihrem Vater an Arbeitseifer nicht nach: Sie hat mehrere universitäre Abschlüsse, ist Expertin für Entwicklungshilfe, spricht acht Sprachen und ist im Vorstand zahlreicher thailändischer Entwicklungshilfe-Organisationen. Viele Thais gehen davon aus, dass Sirindhorn das Land eines Tages regieren wird und nicht ihr drei Jahre älterer Bruder Vajiralongkorn, der sich im Militär engagiert.
Götz Bolten, Stand vom 01.06.2009










