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Das Wassermarionettentheater

Nur in Vietnam gibt es sie: die Wassermarionettenspieler. Sie stehen bis zur Hüfte im Wasser und dirigieren mit langen Bambusstangen, die unter Wasser unsichtbar bleiben, und daran befestigten Schnüren die Bewegungen ihrer hölzernen, von innen hohlen Figuren. Mehrere Jahre Training sind nötig, bis die Spieler die Bedienung der Figuren beherrschen.

Szene aus einem Wassermarionettenspiel. (Rechte: Günter Giesenfeld)

Die Bühne steht im Wasser

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Eine vietnamesische Kunstform

Die Technik wird von den Vätern an die Söhne weitergegeben, auch schnitzen die Puppenspieler ihre Figuren selbst. Ob im staatlichen Marionettentheater von Hanoi oder beim Dorffest: Beim traditionellen Wassermarionettenspiel steht die Bühne im Wasser, während die Zuschauer im Trockenen sitzen. Die Marionettenspieler sind nicht zu sehen; sie stehen hinter einer Bühnenwand und bewegen von dort aus die 30 bis 70 Zentimeter hohen Holzfiguren. Wie sie das tun und welche Tricks sie dabei anwenden, bleibt den Zuschauern verborgen. Ein kleines Orchester mit vietnamesischen Musikinstrumenten begleitet die Vorstellung.

Wassermarionettenspieler stehen hinter der Bühnenwand bis zur Hüfte im Wasser. (Rechte: Günter Giesenfeld)

Aus Überschwemmungen eine Tugend gemacht

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Die Ursprünge

Die dörfliche Kunst des Wassermarionettentheaters entstand im 11. Jahrhundert im Delta des Roten Flusses. Die Tiefebene im Norden Vietnams war so häufig von Überschwemmungen heimgesucht, dass die Bauern auf die Idee kamen, im Wasser statt auf dem Land Marionettentheater zu spielen. Die Bühne wurde zu jeder Aufführung aufs Neue in den Reisfeldern, im Fluss oder in einem See aufgebaut. Die Vorstellungen waren die Attraktion bei den großen Dorffesten. Die Stücke orientierten sich am Alltagsleben der Landbevölkerung. Szenen aus Landwirtschaft und Fischfang wurden aufgegriffen. Doch auch an den Herrscherhöfen waren die Wassermarionetten beliebt. Besonders im 17. und 18. Jahrhundert erlebte diese Kunstform dort eine Blütezeit. Die Spieler nahmen Kriegs- und Heldengeschichten in ihr Repertoire auf, um dem Geschmack zu entsprechen.

Neben der ursprünglichen bäuerlichen Form des Theaters entwickelte sich auf diese Weise eine zweite, höfische Tradition, in der es vornehmer und märchenhafter zuging und in der das Heldentum eine wesentliche Rolle spielte. Legenden aus der Geschichte Vietnams und vor allem aus dem Widerstandskampf gegen die Chinesen tauchten auf. Während des Krieges gegen die Franzosen entstanden viele Stücke, die gegen die Kolonialherren gerichtet waren. Sie wurden von ihnen verboten, viele Theatertruppen wurden aufgelöst. Nach dem Krieg lebte die Kunst des Wasserpuppenspiels wieder auf. Der enge Zusammenhalt in den Dörfern machte es möglich, die Tradition des Wassermarionettentheaters vor allem im Norden des Landes fortzuführen.

Zuschauer stehen am Flussufer. (Rechte: Günter Giesenfeld)

Die Zuschauer kennen die Stücke meist ganz genau

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Die Inhalte

Das Repertoire des Wassermarionettenspiels besteht noch heute aus Alltags- und kurzen Theaterszenen. In den Alltagsszenen wird wie früher das bäuerliche Leben nachgespielt. Die Figuren fischen, pflügen, ernten und schöpfen Wasser wie die Landbevölkerung selbst. In den Theaterszenen werden Geschichten aus der klassischen Literatur erzählt oder Legenden aus der vietnamesischen Geschichte. Die Zuschauer kennen die Stücke meist ganz genau und begleiten sie mit Gelächter und Zurufen. Das besondere Geschick der Spieler und die Kunstfertigkeit, mit der sie agieren, werden mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.

Staatliche Subventionen

In früheren Jahrhunderten besaß fast jedes Dorf seine eigene Wassermarionettentruppe, die auch Tourneen in die Umgebung machte. Heute ist diese volkstümliche Tradition nur noch in wenigen Dörfern erhalten. Doch auf den Bühnen der großen Städte wird das Wassermarionettenspiel inzwischen professionell und mit staatlicher Subvention betrieben - eine Attraktion für Einheimische wie für Touristen. Das Thang-Long-Theater am Hoan-Kiem-See in Hanoi ist Vietnams bekannteste Spielstätte. Jeden Abend finden dort zwei Vorstellungen statt, zu denen Hunderte von Touristen strömen. Auf dem Long-Tri-See, 40 Kilometer westlich von Hanoi, kann man während des Pagodenfestes der Chùa Thây aber auch eine ursprünglichere Form des Bauerntheaters erleben. 1999 tourte das "Nationale Wassermarionettenheater Hanoi" sogar neun Wochen durch Deutschland.

Kirsten Praller, Stand vom 01.06.2009

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