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Die Karlsuniversität

Im Jahr 1348 gründete Karl IV. die bis heute nach ihm benannte Prager Universität. Er war damals deutsch-römischer und böhmischer König, später Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Daher wird die Karlsuniversität häufig als die älteste deutsche Universität bezeichnet. Sie entwickelte schnell internationale Bedeutung. Ein Ruf, der sich bis heute erhalten hat: Angelockt vom hohen Niveau der universitären Lehre, aber auch von den im internationalen Vergleich eher niedrigen Lebenshaltungskosten, kommen junge Leute aus der ganzen Welt nach Prag, um hier zu studieren.

Die Statue Kaiser Karls steht im Vordergrund, im Hintergrund ist ein historischer Kuppelbau zu sehen. (Rechte: Interfoto)

Kaiser Karl IV. gründete die Universität 1348

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Angenehme Studienatmosphäre

"Die Professoren sind sehr flexibel", erzählt beispielsweise Marie Gläss aus Wangen im Allgäu, die für ein Jahr an der Karlsuniversität Medizin studiert. Sie ist von den Studienbedingungen in Prag begeistert. Kleine Klassen, enger Kontakt zu Kommilitonen und Dozenten. "Man kann jederzeit fragen, ob sie noch einen weiteren Kurs anbieten, um ein Thema zu vertiefen", sagt die 26-Jährige. "Diese Hilfsbereitschaft kenne ich von der deutschen Uni nicht."

Man sieht ein fünfgeschossiges herrschaftliches Gebäude mit gelbem Anstrich, Säulen und Rundbögen, davor einen begrünten Platz. (Rechte: Mauritius)

Studieren in historischem Ambiente

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Gelehrt wird in tschechischer Sprache, aber auch in Englisch. Lediglich die englischen Kurse sind kostenpflichtig. "Die Atmosphäre empfinde ich als sehr angenehm und entspannt", berichtet Marie Gläss. Die meisten Lehrveranstaltungen finden auch heute noch in historischen Gebäuden statt. Insgesamt hatte die Karlsuniversität im Jahr 2010 17 verschiedene Fakultäten. Das Spektrum der Lehre ist breit gefächert: Von Medizin bis Theologie, von Jura bis Kunst und Sozialwissenschaften.

Die kolorierte Radierung zeigt links das Universitätsgebäude mit Erker, rechts das Ständetheater mit Säulen und Bogenfenstern. Auf dem Platz davor marschieren Soldaten. (Rechte: AKG)

So sah die Universität (links) im 18. Jahrhundert aus .

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Reformator und Jesuiten

Im Gründungsjahr der Universität gab es vier verschiedene Fakultäten: Theologie, freie Künste, Jura und Medizin. Prag war die erste Universitätsstadt nördlich der Alpen und östlich von Paris. Die Universität hatte dementsprechend ein weites Einzugsgebiet. Über die Jahrhunderte bezog die Universität immer wieder religiös und politisch deutlich Position. So war Reformator Jan Hus Anfang des 15. Jahrhunderts Rektor der Karlsuniversität. Unter seiner Führung entwickelte sich die kulturelle Bedeutung der Hochschule noch weiter, allerdings auch die deutliche Ausrichtung in Richtung der reformatorischen Hussiten.

Zwei Jahrhunderte später, zu Beginn des Dreißigährigen Krieges, wendete sich die Universität zunächst gegen den katholischen Herrscher Kaiser Ferdinand III. Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen übergab Ferdinand die Universität an den Jesuiten-Orden, der bereits zuvor eine katholische Hochschule in Prag aufgebaut hatte. Bis 1918 wurde die Hochschule anschließend als Karl-Ferdinand-Universität geführt. 1882 teilte sich die Einrichtung in eine tschechische und eine deutsche Universität.

Die Schwarzweiß-Fotografie zeigt den Hörsaal einer Universität bei einer feierlichen Rede. Im Hintergrund ist ein Hitler-Porträt zu sehen, an mehreren Stellen sind Fahnen mit Hakenkreuzen gehisst. (Rechte: Rechte: AKG)

Die deutsche Universität war fest in NS-Hand

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Studentenunruhen unter Hitler

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten beide Hochschulen ein hohes wissenschaftliches Niveau. An der deutschen Universität lehrte beispielsweise Albert Einstein, an der tschechischen unter anderem Thomáš G. Masaryk, der im Jahr 1918 der erste Präsident der Tschechoslowakischen Republik werden sollte. Nach der Besetzung des Landes durch die Nationalsozialisten wurde zunächst im Sommer 1939 die deutsche Universität in die Reichsverwaltung übernommen. In den Folgemonaten kam es zu erheblichen Studentenunruhen in Prag, denen sich zunehmend auch weitere Einwohner anschlossen. Daraufhin veranlasste Hitler die sogenannte "Sonderaktion Prag". Folgende Bekanntmachung wurde auf den Straßen ausgehängt:

"Trotz wiederholter ernster Warnungen versucht seit einiger Zeit eine Gruppe tschechischer Intellektueller in Zusammenarbeit mit Emigrantenkreisen im Ausland durch kleine oder größere Widerstandsakte die Ruhe und Ordnung im Protektorat Böhmen und Mähren zu stören. Es konnte dabei festgestellt werden, dass sich Rädelsführer dieser Widerstandsakte besonders auch in den tschechischen Hochschulen befinden. Da sich am 28. Oktober und 15. November diese Elemente hinreissen ließen, gegen einzelne Deutsche tätlich vorzugehen, wurden die tschechischen Hochschulen auf die Dauer von drei Jahren geschlossen, neun Täter erschossen und eine größere Anzahl in Haft genommen."

Die Schwarzweiß-Fotografie zeigt drei junge Frauen mit Kerzen in den Händen bei einer Demonstration. (Rechte: dpa)

Mit dem 17. November 1989 begann die "Samtene Revolution"

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Schicksalsdatum 17. November

1200 Studenten wurden in der Nacht zum 17. November 1939 von den Nationalsozialisten aus ihren Betten gezerrt, in ein Prager Gefängnis verschleppt und von dort aus in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Auch die Professoren und Dozenten wurden verfolgt. Die tschechischen Universitäten blieben bis 1945 geschlossen. Hitler drohte, bei weiteren antideutschen Aktionen Prag dem Erdboden gleichzumachen. Bis heute wird im Gedenken an die Ereignisse jenes Tages der 17. November als Weltstudententag begangen.

Für Prag und die Tschechoslowakei hatte das Datum im Jahr 1989 erneut eine besondere Bedeutung. Damals kamen rund 15.000 Menschen zu einer von Studenten organisierten Demonstration zusammen, die nicht nur der historischen Ereignisse gedachte, sondern auch deutlichen Protest gegen das kommunistische Regime äußerte. Diese Demonstration gilt als der Beginn der so genannten "Samtenen" Revolution, die innerhalb weniger Wochen weitgehend gewaltfrei zu einer Ablösung der kommunistischen Machtstrukturen führte.

Christina Lüdeke, Stand vom 04.10.2010

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