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Der Bosporus - Die Lebensader Istanbuls

Der Bosporus, rastlos wie die Stadt, durch die sich die Meerenge erstreckt, verbindet das Schwarze Meer im Nordosten mit dem Marmarameer im Südwesten von Istanbul. An seiner schmalsten Stelle ist er 660 Meter breit, an seiner breitesten 3,2 Kilometer. Auf 32 Kilometer Länge teilt er Istanbul in zwei Kontinente. Täglich überquert etwa ein Viertel der 12 bis 15 Millionen Einwohner Istanbuls den Bosporus und wechselt so die Kontinente.

Eine türkische Flagge weht am Heck eines Schiffes über dem Bosporus. Im Hintergrund ist die Kemal-Atatürk-Brücke zu sehen, die auch Bosporus-Brücke genannt wird. (Rechte: dpa)

Unterwegs zwischen den Kontinenten

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Frische Fische

Früh am Morgen, wenn die Stadt noch schläft, beherrschen die Fischerboote das Leben auf dem Bosporus. Meist haben sie sich in kleinen Gruppen zusammengefunden, um in den Fahrgebieten der großen Frachter nicht in Gefahr zu geraten. Erlaubt ist das zwar nicht, aber hier gibt es halt die meisten Fische. Kaum ist die Stadt erwacht, ziehen die Fischhändler an die Ufer des Bosporus, um ihren Fang an die ersten Hungrigen zu verkaufen, die sich auf den Weg zur Arbeit machen. Und auf der Galata-Brücke treffen die ersten Angler ein.

Zahlreiche Angler nebeneinander auf der Galata-Brücke vor der neuen Moschee in Istanbul. (Rechte: dpa)

Anglerparadies Galata-Brücke

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Die Galata-Brücke führt über einen Seitenarm des Bosporus, das Goldene Horn. Auf zwei Etagen findet man hier alles, was mit Fisch zu tun hat. Köder, Bleie, Blinker - die Geschäfte auf der Brücke haben ein umfassendes Angebot an Anglerzubehör jeglicher Art. Und wer auf der unteren Etage seinen Fisch in einem der zahlreichen Restaurants verspeist, dem kann es durchaus passieren, dass an seinem Fenster ein Fisch vorbeischwebt, den der Angler über ihm auf der Brücke gerade an Land zieht.

Menschenmassen verlassen eine Fähre am Kai - im Hintergrund der Bosporus. (Rechte: NDR)

Rushhour am Bosporus

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Vom Wechsel der Kontinente

Die Galata-Brücke ist nur eine von drei Brücken, die den Bosporus überqueren. Weiter hinten, in Richtung des Schwarzen Meeres, verbinden zwei weitere Brücken den asiatischen mit dem europäischen Teil Istanbuls, sechsspurig die eine, achtspurig die andere. Den ständig wachsenden Verkehr der Metropole können sie allerdings nur in Grenzen bewältigen. Seit Mitte 2005 läuft daher ein gigantisches Projekt, das die europäische und die kleinasiatische Seite ab 2009 unterirdisch durch einen Tunnel verbinden soll.
Bis das Projekt beendet ist, nehmen diejenigen, die dem Stau auf den Brücken entgehen wollen, die Fähren zum Überqueren. An den Kais von Eminönü warten Anbieter auf Touristen, um sie übersetzen zu können. Aber es gibt auch reguläre Linienschiffe, die zudem preiswerter sind. Früh am Morgen kommen die ersten Kunden, die meisten wollen vom Osten der Stadt, wo sie wohnen, in den Westen fahren, wo sich zahlreiche Büros und Firmen befinden. Seit einigen Jahren sieht man immer mehr Katamarane über den Bosporus jagen, die ihre Fahrgäste in Windeseile ans andere Ufer bringen, aber nach wie vor schätzen viele die langsamere Überfahrt mit einer der alten Dieselfähren. Wer hier einsteigt, kann in aller Ruhe bei einem Glas Tee noch die Morgenzeitung lesen, ein Schwätzchen halten oder einen Blick auf das Treiben am Bosporus genießen.

Hinter einem riesigen Frachtschiff kann man die Häuser am Ufer erkennen. (Rechte: NDR)

Maßarbeit der Kapitäne

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Gefährliches Wasser

55.000 Frachtschiffe durchfahren jedes Jahr die Meerenge, davon 10.000 mit einer Ladung, die als gefährlich eingestuft werden kann. Eine besondere Gefahr stellen die Öltransporter dar. 150 Millionen Tonnen Öl werden hier jährlich durchgeschleust. Und die Tanker sind nicht alleine unterwegs. Mehr als 2500 Schiffe befahren täglich die Wasserstraße: Barkassen, Yachten, Fähren, Tanker, Kreuzfahrt- und riesige Containerschiffe. Der Bosporus ist nicht nur eine der meistbefahrenen Meerengen der Welt, er ist auch besonders gefährlich. Starke Strömungen und Gegenströmungen machen die Fahrt auf dem Bosporus vor allem an Wintertagen zu einem schwierigen Unterfangen. Damit die großen Frachter die Durchfahrt problemlos überstehen, können sie sich ortskundige Lotsen nehmen, die sie durch das Nadelöhr führen. Doch die kosten Geld, so dass die Hälfte der Kapitäne auf sie verzichtet. In den 90er Jahren kam es zu 217 Unfällen auf dem Bosporus. Die meisten von ihnen endeten glücklicherweise glimpflich und Istanbul ist bislang an der ganz großen Katastrophe vorbeigekommen. Nahe dran war die Stadt aber schon einige Male. Wenn hier einmal ein Frachter außer Kontrolle gerät, kann er ohne weiteres mitten in eines der Wohnviertel rasen, die direkt am Ufer des Bosporus liegen.

Ufer mit Häusern am Bosporus. (Rechte: NDR)

Blick auf das Ufer

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Am Ufer des Bosporus

Kleine Dörfer, Parkanlagen, Villen und Paläste säumen das Ufer an beiden Seiten des Bosporus. Die ersten, die hier siedelten, waren Griechen. Im siebten Jahrhundert gründeten sie den Ort Chalcedon auf der asiatischen Seite am südlichen Teil der Wasserstrasse. Heute heißt Chalcedon Kadiköy und ist eines der beliebtesten Viertel der Stadt. Zwar sind hier nicht so viele historische Bauten zu finden wie auf der europäischen Seite, dem ehemaligen Byzanz. Diverse Cafés, Bars und Märkte locken aber viele Besucher auch in diesen eher studentisch geprägten Stadtteil. Weiter nördlich hinter dem Bahnhof Haydarpaşa schließen sich auf der asiatischen Seite vor allem Wohnviertel an.

Am Ufer des Bosporus zu leben, das war schon immer ein Wunsch der Istanbuler, leisten konnten es sich jedoch zu allen Zeiten vor allem diejenigen, die Geld hatten. Und so säumen heute prachtvolle Villen das Ufer des Bosporus. Die modernen Villen befinden sich vor allem auf der europäischen Seite, dafür haben sich auf der asiatischen Seite mehr der typischen Holzvillen, die Yalıs erhalten, die noch aus der Zeit der Osmanen stammen. Wer sich keine Villa und keinen Palast am Bosporus leisten kann, dem bietet das Ufer genügend Vergnügen anderer Art. Tagsüber kann man vor allem auf der europäischen Seite an den Uferpromenaden lange spazieren gehen und sobald es Abend wird in Istanbul, füllen sich die zahlreichen Fischrestaurants und Cafés mit Gästen. Wenn die Sonne untergeht über dem Bosporus, finden sich die Romantiker wieder auf der asiatischen Seite ein, wie zum Beispiel in den Teegärten in Kadiköy, um von hier aus in aller Ruhe das abendliche Schauspiel zu genießen.

Sine Maier-Bode, Stand vom 01.06.2009

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