Die Väter des Central Parks
Besinnung auf die menschlichen Wurzeln
Vielleicht haben die beiden ungleichen Männer gerade wegen ihrer unbedarften Art 1857 den Zuschlag bei jenem Wettbewerb um den Entwurf eines großflächigen Parks für New York bekommen. Zwar war keiner von ihnen ein ausgewiesener Landschaftsgärtner, aber beide hatten ein sicheres Gespür für die Bedürfnisse nach Entspannung und Zerstreuung ihrer Mitmenschen in dem Industrie-Moloch New York. Letztendlich zählte bei diesem Projekt weder der grüne Daumen noch die architektonische Reputation, sondern die Vision, die den Bau des Parks vorantrieb. Frederick Law Olmsted und Calvert Vaux wollten einen Park für alle Menschen schaffen. New Yorker aller Klassen sollten ihre Standesunterschiede vergessen und sich auf ihre gemeinsamen menschlichen Wurzeln besinnen. "Wir brauchen Plätze und Gelegenheiten zur Wiedervereinigung, wo die Blicke der Reichen und Armen, Gebildeten und Ungebildeten sich begegnen und wo jene vielleicht wieder zueinander finden", sagte Frederick Law Olmsted.
Olmsteds Wanderjahre
Seit dem Central Park-Projekt gilt Frederick Law Olmsted als der Begründer der amerikanischen Landschaftsarchitektur. Doch bevor er seinen Partner Calvert Vaux traf, hatte der 1822 in Hartford, Connecticut, geborene Sohn wohlhabender Eltern kaum einen Gedanken an Grünanlagen verschwendet. Als Gentleman erzogen, genoss Olmsted eine gute Bildung. Zu einem Collegeabschluss reichte es allerdings nicht. Weitere unvollendete Karrierebemühungen sollten folgen. Mit 18 Jahren zog Olmsted nach New York, um Agrarwissenschaft zu studieren. Der Plan schlug fehl, und er reiste mit seinem Bruder nach Europa. Dort verdingte er sich mit geringem Erfolg als Handelsreisender für Überseewaren. Später reiste er als Zeitungskorrespondent durch den Süden Amerikas und veröffentlichte in der Folge mehrere Bücher. Über Beziehungen kam Olmsted an die Stelle als Kolumnist bei der Zeitung "The New Yorker".
Vaux - der Mann im Hintergrund
Schließlich lernte er über seine journalistische Arbeit den Architekten Calvert Vaux kennen, der gerade mit Andrew Jackson Downing an einem Entwurf für einen Park in New York arbeitete. Downing war einer der bedeutendsten Landschaftsgärtner Amerikas und vertrat vehement die Forderung nach einer großen Grünfläche für die New Yorker. Der 1824 in London geborene Calvert Vaux war 1850 - in England bereits ein angesehener Architekt - zu Downing in die Lehre gegangen. 1851 hatte der Gartenarchitekt ihm die Partnerschaft angeboten, Vaux willigte ein. Schon ein Jahr später starb Andrew Jackson Downing bei einem ungeklärten Dampfschiffunfall, und Vaux bot Olmsted die Partnerschaft im Park-Projekt an.
Mit ihrem Entwurf namens "Greensward Plan" ("Grünbezirk") bekam das ungleiche Gespann 1857 den Zuschlag für den Bau des Central Parks. Und obwohl Olmsted architektonisch über weniger Vorbildung als Vaux verfügte, nahm er die komplette Leitung des Parkbaus an sich und drängte seinen Partner in den Hintergrund. Dem bescheidenen, unauffälligen Calvert Vaux blieb nichts anderes übrig, als sich auf die Betreuung sämtlicher Bauten im Park wie Terrassen, Brücken, Torbögen und vieles mehr zu konzentrieren. Während Olmsted fortan in der Öffentlichkeit als der Chef-Architekt des Central Parks galt, musste sich Vaux zu seinem Leidwesen mit der Beraterrolle begnügen. Doch auch Vaux prägte Standards in der Architektur. 1857 veröffentlichte er sein Werk "Villas und Cottages" und wird für die Zeichnungen in diesem Buch als Begründer der Viktorianischen Gotik geachtet.
Getrennte Wege
Die "Olmsted, Vaux and Company"-Partnerschaft bestand bis zur Vollendung und offiziellen Einweihung des Central Parks 1873. Während dieser Zeit arbeiteten beide auch an weiteren Parkprojekten, unter anderem für Brooklyn, Chicago, Riverside und Illinois. Danach trennten sich die zwei. Einige Jahre später zog Frederick Law Olmsted nach Brookline, Massachusetts, und eröffnete dort eine Firma für Landschaftsarchitektur. 1897 übernahm Frederick Law Olmsted jr. die Firma von seinem schwer kranken und senilen Vater. Nach Olmsteds Tod am 28. August 1903 existierte die Firma noch bis 1980.
Auch Calvert Vaux gründete eine neue Firma, die sich aber mehr auf die klassische Architektur als auf Landschaftsbau konzentrierte. Am 19. November 1895 ertrank Calvert Vaux während eines Besuches bei seinem Sohn in Brooklyn.
Beatrix von Kalben, Stand vom 29.01.2010







