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Deutsch-amerikanische Beziehungen

Sie musste schon sehr viel aushalten, die deutsch-amerikanische Freundschaft - doch sie existiert noch immer und ist nach zwei gegeneinander geführten Kriegen und diversen grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten stabiler denn je. Auch heute sind sich Deutschland und die USA in vielen Sachen nicht einig - dafür sind die beiden Staaten in vielerlei Hinsicht schlicht zu verschieden. Aber das tut den guten partnerschaftlichen Beziehungen keinen Abbruch.

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Schüleraustausch in der US-Provinz (4'02'')
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Schwerfällige Pedanten - bigotte Heuchler

Zwei selbstbewusste Nationen standen sich Anfang des 20. Jahrhunderts gegenüber: das Deutsche Reich unter Kaiser Wilhelm II. und die Vereinigten Staaten mit Präsident Theodore Roosevelt an der Spitze. Die deutsche und amerikanische Bevölkerung begegnete sich zu dieser Zeit mit Misstrauen - und mit Vorurteilen: "Dem Amerikaner war der Deutsche (...) ein schwerfälliger und engherziger Pedant, der Freude nur an Pfeife, Bier und Skat hat, Parademarsch übt (...), mit seinem nächsten in Zank lebt und jeden Fortschritt haßt. Dem Deutschen aber war der Yankee ein flegelhafter Geselle, der im öffentlichen Leben die Korruption (...) gutheißt, dem Dollar und der Sensation nachjagt, ein Barbar in Wissenschaft und Kunst, ein bigotter Heuchler, der Tabak kaut und sein Hauptvergnügen an Lynchgerichten findet." So beschreibt der deutsch-amerikanische Psychologe Hugo Münsterberg in seinem Werk "Die Amerikaner" von 1904 - selbstverständlich mit einiger Übertreibung - die gegenseitige Wahrnehmung.

Schwarzweiß-Bild: deutsche Soldaten in einem Schützengraben während des Ersten Weltkriegs. (Rechte: dpa/picture-alliance)

Der Erste Weltkrieg: "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts"

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Deutschland nötigt die USA in den Ersten Weltkrieg

Grundsätzlich gingen das Deutsche Reich und die USA unter ähnlichen Voraussetzungen ins 20. Jahrhundert: Beide Staaten hatten zu dieser Zeit global gesehen politisch und wirtschaftlich großen Einfluss. Doch besonders die Ebenbürtigkeit der Länder im Bereich der Wirtschaft führte bald zu großer Rivalität.

Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, verhielten sich die Amerikaner unter Präsident Woodrow Wilson zunächst neutral. Als jedoch die Deutschen ihren U-Boot-Krieg gegen Handelsschiffe starteten und auch fünf amerikanische Schiffe versenkten, erklärte der US-Präsident Deutschland am 6. April 1917 den Krieg. Im Herbst 1918 verhandelte das militärisch am Boden liegende Deutschland auf der Grundlage eines 14-Punkte-Plans Wilsons mit den Alliierten; am 11. November 1918 wurde ein Waffenstillstand unterzeichnet.

Schwarzweiß-Aufnahme von US-Präsident Woodrow Wilson. (Rechte: AKG)

Woodrow Wilson konnte sich nicht durchsetzen

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Starke Bande in der Weimarer Republik

US-Präsident Wilson konnte sich mit seinen Vorstellungen nicht durchsetzen: Der Versailler Vertrag vom Juni 1919 schrieb dem Deutschen Reich die alleinige Kriegsschuld zu und verurteilte es zu immensen Reparationszahlungen. Zudem durfte es bis 1926 nicht dem 1920 gegründeten Völkerbund beitreten, der die internationale Kooperation fördern sollte. Auch in den USA selbst scheiterte Wilson: Der Senat lehnte den Beitritt der USA zum Völkerbund ab.

Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA verbesserten sich in den darauffolgenden Jahren dennoch; es entwickelten sich starke Bande zwischen den Vereinigten Staaten und der ersten deutschen Republik. Als diese 1933 scheiterte und die Nationalsozialisten an die Macht kamen, verschlechterten sich die Beziehungen wieder. Auch aus dem Zweiten Weltkrieg hielten sich die USA zunächst heraus, da man sich nicht vom nationalsozialistischen Deutschland gefährdet sah. Erst Ende 1942 kam es zu ersten Kämpfen zwischen den Deutschen und den Amerikanern, die im Dezember 1941 in den Krieg eingetreten waren.

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"Your job in Germany" (2'25'')
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Amerika wird Besatzungsmacht

Nach der Kapitulation Deutschlands am 7. Mai 1945 wurde schnell deutlich, dass es immens unterschiedliche Vorstellungen zwischen den USA und der Sowjetunion gab, wie das neue Deutschland politisch sowie wirtschaftlich aufgebaut und verwaltet werden sollte. Auf der Potsdamer Konferenz einigten sich dennoch drei der vier Siegermächte - die USA, Großbritannien und die Sowjetunion - darauf, Deutschland in vier Besatzungszonen aufzuteilen. Diese sollten von ihnen sowie dem vierten Alliierten Frankreich kontrolliert werden.

Verständlicherweise waren die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland nach Kriegsende angespannt. In den Vereinigten Staaten stand die Frage im Raum: Kann der zweite Anlauf der Deutschen zur Demokratie gelingen? So musste noch James Bryant Conant, der von 1953 bis 1955 Hoher Kommissar und von 1955 bis 1957 erster Botschafter der USA in Deutschland war, nach seiner Rückkehr in die Staaten bekräftigen, dass Deutschland mit größter Wahrscheinlichkeit stabil und demokratisch bleiben werde.

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Care-Pakete (2'18'')
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Deutscher Aufschwung dank US-Hilfe

Ein wichtiger Grundstein für die positive Entwicklung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg war das "European Recovery Program" ("Marshall-Plan") - ein breit angelegtes Wiederaufbauprogramm der USA für die Wirtschaft des kriegsgeschädigten Westeuropas. Das Programm, das aus Krediten, Rohstoffen, Lebensmitteln und Waren bestand und etwa 13 Milliarden Dollar umfasste, wurde am 3. April 1948 vom US-Kongress verabschiedet. Das deutsche Wirtschaftspotenzial sollte nicht länger brachliegen, sondern dem industriellen Wiederaufbau Westeuropas dienen. Neben der Förderung der deutschen Industrie war die amerikanische Besatzungspolitik davon geprägt, Entnazifizierungsprogramme einzurichten und demokratische Institutionen wieder einzuführen.

Dass den USA viel an der Genesung Deutschlands gelegen war, zeigt auch die Berliner Luftbrücke von Juni 1948 bis Mai 1949. Die Sowjetunion hatte sämtliche Wege nach West-Berlin blockiert, um die gesamte Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Amerikaner und Briten versorgten daraufhin die Bevölkerung mit Lebensmitteln und anderen Gütern. Im Mai 1949 wurde schließlich aus den Zonen der Westalliierten die Bundesrepublik Deutschland gegründet.

George Bush senior und Helmut Kohl geben sich die Hände. (Rechte: dpa/picture-alliance)

Auf dem Weg zur Einheit: US-Präsident Bush und Kanzler Kohl

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Schlüsselrolle nach der Wiedervereinigung

In den 1950er und 1960er Jahren gab es zwar zum Teil grundlegende Unterschiede zwischen den deutschen und amerikanischen Vorstellungen, doch zu ernsthaften Krisen kam es nie. Auf den Bau der Berliner Mauer 1961 reagierten die USA unter Präsident John F. Kennedy kaum und ließen die DDR gewähren - wohl um keine Eskalation mit der Sowjetunion zu riskieren. Die 1970er Jahre waren davon geprägt, dass sich die USA ihre wirtschaftliche Vormachtstellung nun mit Westeuropa inklusive einer nach den Wirtschaftswunder-Jahren erstarkten BRD teilen mussten.

Nach dem Mauerfall am 9. November 1989 kam den USA erneut eine Schlüsselrolle zu: Präsident George Bush verzichtete auf Gesten des Triumphes ("Ich will nicht auf der Mauer tanzen.") und zeigte sich entgegenkommend gegenüber der UdSSR. Er machte den Briten und Franzosen klar, dass er die Vereinigung befürworte und auf einer NATO-Mitgliedschaft (North Atlantic Treaty Organization) des vereinigten Deutschlands bestehen werde.

Das Bild zeigt einen Bundeswehrsoldaten, der US-Marines sein Maschinengewehr erklärt. (Rechte: dpa/picture-alliance)

Afghanistan: Bundeswehr und US-Army kämpfen Seite an Seite

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Afghanistan: ja - Irak: nein

Heute bemühen sich Berlin und Washington, ihre Beziehungen als Handels- und Bündnispartner zu festigen. Besonders in der NATO arbeiten die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Seite an Seite, um den Frieden zu wahren. Nach den New Yorker Anschlägen vom 11. September 2001 haben die beiden Staaten bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus eng zusammengearbeitet.

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Der Irakkrieg (2'43'')
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Darüber hinaus beteiligt sich Deutschland an der Operation "Enduring Freedom" in Afghanistan. Den Angriff auf den Irak 2003 unterstützte Deutschland unter Bundeskanzler Gerhard Schröder dagegen nicht - was die Beziehungen zu den USA deutlich abkühlen ließ. In der deutschen Bevölkerung verbreitete sich die Ansicht, dass die Vereinigten Staaten nur im eigenen Interesse und ohne Rücksicht auf völkerrechtliche Abkommen gehandelt hätten. Erst seit Barack Obama 2009 US-Präsident wurde, sind die Deutschen den USA gegenüber wieder positiver eingestellt.

Alexandra Stober, Stand vom 07.02.2011
Sendung: Großer Bruder Amerika - Die Geschichte der deutsch-amerikanischen Beziehungen, 07.02.2011

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