Interview: Freiwilliger Parkhelfer
Planet Wissen (PW): In welchen Parks haben Sie gearbeitet und was haben Sie dort genau gemacht?
Christian Zimmerer (C.Z.): Ich war am Grand Canyon und im Zion Canyon National Park. Im Wesentlichen habe ich Trail Work gemacht, das bedeutet zum Beispiel Wege instand halten und Treppen bauen.
PW: Wie waren Arbeit und Aufenthalt organisiert?
C.Z.: Wir mussten immer acht Tage in einem Projekt arbeiten und hatten dann sechs Tage Pause. In einem Projekt waren wir dann sechs bis zwölf Leute aus ganz unterschiedlichen Ländern, die meisten waren zwischen 18 und 25 Jahren alt. Es gab Amerikaner, aber auch viele Leute aus Europa oder aus Japan und Korea. Von unserer Unterkunft in Flagstaff aus - das ist nicht allzu weit weg vom Grand Canyon - wurden wir dann in den jeweiligen Park gebracht, wo das Projekt stattfand. Dort haben wir für die acht Tage in Zelten übernachtet. In den sechs Tagen zwischen den Projekten konnten wir Touren machen. Ich war zum Beispiel noch im Bryce Canyon und im Yosemite National Park, aber auch in San Francisco und Las Vegas.
PW: War die Arbeit denn anstrengend?
C.Z.: Das schon, vor allem durch die Höhe von meistens über 2000 Metern in den Projekten, in denen ich gearbeitet habe. Außerdem ist dort ja Wüste, und es hatte durchaus 30 oder 40 Grad im Schatten. Aber von uns wurde nicht erwartet, dass wir pro Tag eine vorher bestimmte Arbeitsleistung erbringen. Bei mir waren zum Beispiel in einem Projekt 1,50 Meter große Koreanerinnen, die haben das gleiche gemacht wie ich, konnten aber natürlich viel weniger schleppen. Das war aber völlig egal, wichtig war nur, dass man mit Begeisterung dabei war und Einsatz gezeigt hat. Die Touristen am Grand Canyon haben zu uns gesagt: Ihr habt wirklich das schönste Büro der Welt. Und es war auch so. Wenn man zwischendurch mal eine Pause gemacht und um sich herum die Landschaft gesehen hat - das war einfach Wahnsinn.
PW: Inwiefern haben Sie die Parks anders erlebt als der normale Tourist?
C.Z.: Viele Touristen verbringen beispielsweise am Grand Canyon nur sehr wenig Zeit. Sie fahren mit dem Auto zu den Aussichtspunkten, steigen kurz aus und machen ein Foto, um zeigen zu können, dass sie da waren. So etwas wäre mir zu wenig gewesen. Ich bin gern in der Natur, zu Hause gehe ich regelmäßig spazieren oder auch mal wandern. Und für die Projektarbeit war man ja immer viel zu Fuß in den Parks unterwegs. So erlebt man die Landschaft ganz anders, viel intensiver. Auch bei den Touren, die ich gemacht habe, habe ich immer geschaut, dass zumindest eine kleine Wanderung dabei war.
PW: Wo hat es Ihnen am besten gefallen?
C.Z.: Im Zion National Park gibt es einen Gipfel namens Angel's Landing. Von dort hat man eine Aussicht, das ist einfach der Hammer. Ich bin an einem Tag nach Feierabend mit einem Kollegen zusammen nach oben. Man muss etwa anderthalb Stunden einen steilen und ziemlich gefährlichen Weg hinaufsteigen. Zum Teil gibt es nur Ketten zum Festhalten und es geht links und rechts 40 oder 50 Meter in die Tiefe. Aber irgendwann hatten wir es geschafft. Und da sitzt man dann, und um einen herum ist die absolute Stille. Das kann man einfach nur genießen. Man kommt sich ganz klein vor. Und man fängt schon an zu grübeln über die Welt und wie das alles überhaupt entstanden ist. Am Grand Canyon ging mir das auch so.
PW: Und was war Ihr aufregendstes Erlebnis?
C.Z.: Auf einer Tour im Yosemite fing es plötzlich an zu schneien, obwohl es Sommer war. Das endete dann damit, dass wir irgendwann zu fünft im Auto übernachten mussten. Das war schon aufregend. Ein anderes Mal waren wir auf dem Highway in der Wüste und hatten fast kein Benzin mehr. Da habe ich auch ganz schön geschwitzt.
PW: Würden Sie die Freiwilligenarbeit weiterempfehlen?
C.Z.: Auf jeden Fall. Es ist eine tolle Möglichkeit, einigermaßen preisgünstig in kurzer Zeit sehr viel zu sehen. Unterkunft und Essen bekamen wir ja gestellt, ich musste nur den Flug, die Vermittlungsgebühr für die Agentur und natürlich die Ausflüge bezahlen. Auch für mein Englisch habe ich sehr profitiert: In Alltagssituationen bei der Arbeit lernt man ganz anders als zu Hause.
PW: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um Freiwilliger in einem Nationalpark zu werden?
C.Z.: Eine gewisse Abenteuerlust auf jeden Fall, und man sollte weltoffen sein und auf Leute zugehen können. Es darf einem nichts ausmachen, dass man immer wieder acht Tage im Zelt schläft und so lange nicht duschen kann. Die Projekte laufen das ganze Jahr, das heißt, es kann einem auch passieren, dass man bei zehn Grad minus im Zelt schlafen muss. Das allein ist nicht jedermanns Sache. Außerdem mussten wir uns verpflichten, in dem Haus, wo wir untergebracht waren, keinen Alkohol zu trinken und keine Drogen zu nehmen. Wer gegen diese Regeln verstoßen hat, wurde nach Hause geschickt. Leute, die nur Party machen wollen, sind hier fehl am Platz.
Interview: Christina Lüdeke, Stand vom 03.11.2009







