Till Nassif
Und da führte sie mich, nach der Schulzeit in Oberbayern, auch hin: Studium in München und Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule, daneben Arbeit beim Radio. Nach dem Studium landete ich beim Bayerischen Rundfunk, erst beim Radio und später beim Fernsehen. Den Schritt vor die Kamera ermöglichte mir der WDR, der für eine neue Sendung Moderatoren mit ausländischem oder gemischt-kulturellem Hintergrund suchte. Das kam mir als syrisch-deutsche Mischung gerade recht: Seit Anfang 2004 moderiere ich alle zwei Wochen "Cosmo TV". Die "arabische" Nase aber – soviel sei verraten – habe ich kurioserweise von meiner deutschen Mutter geerbt...
Fünf Fragen an Till Nassif
Worauf warst Du schon als Kind neugierig?
Als Kind war ich neugierig auf Dinosaurier in allen Variationen: Fleischfresser, Pflanzenfresser, zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Mein Traum war, einmal beim Buddeln im Garten ein versteinertes Dinosaurierskelett zu finden. Dazu muss man wissen, dass ich in einer Gegend aufgewachsen bin, in der man zumindest gelegentlich auf Muscheln oder Pflanzen stieß, die ihren Abdruck in Kalksteinen hinterlassen hatten. Ein Saurier war nie dabei. Nicht einmal ein Zahn.
Und dann wollte ich noch unbedingt wissen, ob meine Familie eine Kundennummer bei einem Versandhauskonzern besaß. In den Bestellformularen dieses Versandhauses wurde die nämlich erfragt. Ohne Kundennummer also keine Bestellung, und im Alter von acht Jahren war ich der Meinung, dass wir dringend etwas bestellen müssten, neues Spielzeug zum Beispiel. Meine Mutter blieb standhaft und verschwiegen, trotz meiner im Minutentakt vorgetragenen Frage: "Wie heißt unsere Kundennummer?". Der erste Erfolg als Forscher oder zumindest als investigativer Interviewer blieb mir ihretwegen verwehrt.
Wen hättest Du gern als Gast bei Planet Wissen?
Darauf lassen sich herrlich politisch korrekte Antworten geben: Nelson Mandela, Michael Gorbatschow, der Papst... Die wären sicher alle spannend, kommen in nächster Zeit aber wahrscheinlich nicht in die Sendung. Ich habe Gäste gern, die die Zuschauer und mich für einen Augenblick an ihrem Leben teilhaben lassen und die spannende Geschichten erzählen. Das müssen keine großen Namen sein. Der Taxifahrer oder die Obstverkäuferin sind manchmal viel interessanter.
Von der Arbeit zur Freizeit: Wie sieht für Dich das perfekte Wochenende aus?
Puh... das ist eine Frage, die so tun, als ob es eine DIN-Norm fürs Leben geben würde. Es gibt diese wunderbaren "Ich-bin-mit-dem-Bett-verwachsen-und-es-bräuchte-einen- Chirurgen-um-uns-zu-trennen"-Ausschlaf-Gammel-Wochenenden. Es gibt "Ich-muss-mich-dringend-beim-Sport-austoben"-Wochenenden. Es gibt "O-Gott-wie-sieht-die-Wohnung-aus-ich-muss-unbedingt-mal-wieder-aufräumen"-Wochenenden. Es gibt Wochenenden zum Lesen, zum Einkaufen, zum Arbeiten, zum Wegfahren. Die Mischung aus allen macht sie übers Jahr gesehen perfekt.
Du darfst einen Tag lang jemand anderer sein. Wer wärst Du gern?
Als Kind wollte ich immer Mr. Spock aus "Raumschiff Enterprise" sein. Das wäre mir jetzt zu eindimensional, immer nur die Augenbrauen hochziehen und "Faszinierend, Captain!" sagen. Und überhaupt: Warum nur einen Tag? Am Ende gefällt es mir so sehr in der anderen Person, dass ich nicht mehr zurücktauschen möchte. Und dann kommt mir mein eigenes Leben plötzlich belanglos und langweilig vor. Ich will niemand anderer sein müssen, bitte!
Du darfst ein Museum zusammenstellen. Was würde man darin finden?
Ich gebe zu, dass mir eines fehlt, das für die Gründung eines Museums essentiell ist: Sammelleidenschaft. Das Museum, das ich gerne besuchen würde, wäre ein Film- und Fernsehmuseum, in dem alle Filme und Fernsehserien der Welt jederzeit für jeden zugänglich sind. Und wer Lust auf seinen Lieblingsfilm hat, geht einfach ins Museum und findet Leute, die den gleichen Filmgeschmack haben.
