Knochenerkrankungen

Röntgenbild einer Schulter

Knochenbau

Knochenerkrankungen

Knochen und Gelenke leisten Schwerstarbeit. Um sie gesund zu halten hilft viel Bewegung sowie Vitamin D und Kalzium. Es gibt jedoch auch Krankheiten, die die Knochen schädigen können. Da hilft vor allem die spezielle Behandlung durch einen Arzt.

Osteoporose (Knochenschwund)

In Deutschland sind nach Angaben der Bone Evaluation Study 2013 rund 6,3 Millionen Menschen an Osteoporose erkrankt. Osteoporose ist eine Erkrankung des gesamten Skelettsystems. Die Knochen werden dünner und brechen dadurch leichter. Oft sind eingebrochene Wirbelknochen und Oberschenkelhalsbrüche die Folge.

Nach Angeben des Bundeshilfeverbandes für Osteoporose e.V. sind rund 80 Prozent aller Osteoporose-Patienten Frauen nach den Wechseljahren, bei denen Knochenschwund durch den Mangel an Östrogenen entstanden ist.

Östrogen ist das wichtigste Hormon für den Erhalt der Knochenstruktur, weil es die Aktivität der Knochenabbauzellen kontrolliert und bremst.

Um Osteoporose möglichst bald zu erkennen, kann eine Knochendichtemessung durchgeführt werden, wobei der Kalziumgehalt des Knochens ermittelt wird. Körperliche Betätigung, Hormon- und Kalziumzugaben können den Verlauf der Krankheit verzögern.

Rachitis (Knochenerweichung)

Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts zog die Rachitis fast wie eine Seuche durch Europas Großstädte. In englischen Bergbaumetropolen waren teilweise 90 Prozent aller Kinder an Knochenerweichung erkrankt.

Nach langem Rätselraten fanden die Ärzte endlich den Grund: Die Lebensumstände hatten sich im Verlauf der Industrialisierung rasant verändert, Kinder spielten nicht mehr im Grünen, sondern in dunklen Gassen. Sie arbeiteten sogar in Fabriken oder untertage im Bergbau.

Mit Milchprodukten gegen Rachitis

Durch die fehlende UV-Strahlung konnte nicht mehr genügend Vitamin D hergestellt werden, das für den Kalziumstoffwechsel beim Knochenaufbau wichtig ist. Folge war die Mangelerkrankung Rachitis. Durch Ergänzung der Nahrung mit Milchprodukten, Fisch und Lebertran konnte man der Krankheit entgegenwirken.

Heute ist die Rachitis selten geworden, was auch ein Verdienst der Vitamin-D-Prophylaxe bei Säuglingen im ersten Lebensjahr ist. In den Wintermonaten, aber auch wenn Kleinkinder zu sehr vor der Sonne geschützt werden, kann es dennoch zu Mangelerscheinungen kommen

Knochenerweichung im Erwachsenenalter (Osteomalazie)

Als Osteomalazie wird die Knochenerweichung im Erwachsenenalter bezeichnet. Gestört ist bei dieser Krankheit die Mineralisation des Knochen. Meist führt eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung zur Knochenerweichung mit entsprechenden Skelettveränderungen.

Im Unterschied zur Osteoporose liegt nur eine Abnahme des Mineralgehaltes vor, nicht der gesamten Knochenstruktur. Tritt die Erkrankung während des Wachstums auf, spricht man von Rachitis.

Gelenkverschleiß (Arthrose)

Der Verschleiß von Körpergelenken ist weit verbreitet. Geschätzt wird, dass rund 40 Prozent aller Bundesbürger an Arthrose leiden. Zu Beginn bemerken die wenigsten ihre Krankheit. Erst im fortgeschrittenen Stadium treten Schmerzen auf, nämlich dann, wenn der Gelenkknorpel so stark abgerieben ist, dass sich das Gelenk bei Belastung aufreizt.

Colorierte Röntgenaufnahme eines menschlichen Knies mit Arthrose

Kniegelenk mit Arthrose

Arthrose kann an allen Gelenken auftreten, am häufigsten ist jedoch das Kniegelenk betroffen, gefolgt von Schulter-, Zehen- und Hüftgelenk.

Eine Heilung ist bisher nicht möglich, durch Krankengymnastik und Medikamente können die Beschwerden lediglich gelindert und das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt werden. In schweren Fällen wird oft ein künstliches Gelenk eingesetzt.

Große Fortschritte hat inzwischen die Biotechnologie gemacht, vor allem im Bereich der künstlichen Gewebezucht, dem sogenannten Tissue Engineering. Dabei kann aus Körperzellen des Patienten neues Knorpelgewebe gezüchtet und implantiert werden, wenn der Knochen bereits angegriffen ist oder sogar präventiv. Besonders am Kniegelenk könnte das in Zukunft eine gute Therapieform sein.

So hat beispielsweise die Klinik für Unfallchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover 2008 die ersten Patienten mit dem körpereigenen gezüchteten Material behandelt. 2013 – fünf Jahre später – konnten die Mediziner eine positive Bilanz ziehen. Das Gewebe wird anders als künstliche Materialien besser vom Körper angenommen.

Glasknochenkrankheit (Osteogenesis imperfecta)

Der französische Maler Henri de Toulouse-Lautrec litt unter dieser Krankheit, bei der Knochen so schnell brechen wie Glas. Der Defekt im Knochenbau wird durch die gestörte Bildung von Kollagen verursacht und ist genetisch bedingt.

Die Krankheit führt zu extrem brüchigen Knochen, schwachem Bindegewebe und geringem Wuchs, da Kollagen den Knochen Halt und Festigkeit verleiht, dem Bindegewebe Elastizität.

Je nach Art des Gen-Defektes verläuft die Erkrankung unterschiedlich. Bei der Frühform kann es bereits im Mutterleib zu mehrfachen Knochenbrüchen kommen. Die Lebenserwartung des Kindes beträgt in diesem Fall nur etwa zwei Jahre.

Bei der Spätform treten erste Knochenbrüche nach dem Säuglingsalter auf. In einigen Fällen kann es durch Umbauvorgänge im knöchernen Bereich des Ohres zu Schwerhörigkeit kommen.

Weitere Begleiterscheinungen sind Blutungsneigung, Überstreckbarkeit der Gelenke sowie Deformierungen durch fehlerhaftes Verheilen von Knochenbrüchen.

Eine Behandlung der Ursachen ist nicht möglich. Therapieversuche mit Aufbaupräparaten wie Anabolika wurden vorgenommen, brachten jedoch keine Besserung.

In letzter Zeit wurden bei der Behandlung mit Bisphosphonat beachtliche Erfolge beobachtet: Der Wirkstoff ist offensichtlich in der Lage, die Brüchigkeit der Knochen zu verringern.

Autorin: Claudia Heidenfelder

Stand: 14.10.2016, 15:00

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