Wie Urin entsteht

Niere

Wie Urin entsteht

Wasser, Tee, Säfte und alle anderen Flüssigkeiten, die wir zu uns nehmen, scheiden wir auch wieder aus, unter anderem in Form von Urin, auch Harn genannt. Gebildet wird Urin in der Niere, von dort gelangt er in die Harnblase. Am Urin kann man außerdem erkennen, ob die Nieren gut funktionieren. Blut im Urin deutet zum Beispiel auf Entzündungen hin. Außerdem gibt es Menschen, die meinen, dass das Trinken des eigenen Urins bestimmte Krankheiten heilen kann.

Ein besonderer Saft

Mit dem Urin werden die Abfall- und Schadstoffe ausgeschieden. Dazu wird das Blutplasma in den feinen Verästelungen der Niere gefiltert. Übrig bleibt der sogenannte Primärharn, eine Vorstufe des Urins. Darin enthalten sind zum einen Stoffe wie Harnstoff, Kreatinin und Harnsäure. Das sind – zum Teil giftige – Abfallprodukte des Stoffwechsels. Zum anderen enthält der Primärharn wertvolle Stoffe wie Traubenzucker, Aminosäuren und Elektrolyte. Sie werden wieder in den Organismus zurückgeführt.

WC-Schild in Form eines Jungen während ein Mann im Hintergrund die Toilette benutzt

Flüssige Abfallentsorgung

Deshalb bleiben von den mehr als 150 Litern Primärharn, die die Niere am Tag bildet, rund zwei Liter übrig. Wie viel Harn über die Harnleiter in die Blase geleitet und ausgeschieden wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Einer davon ist die Flüssigkeitsmenge, die aufgenommen wurde. Aber auch die Art der Ernährung, der Blutdruck und die Körpertemperatur spielen eine Rolle. Außerdem haben bestimmte Medikamente, zum Beispiel Wasser ausleitende Mittel, Einfluss auf die Urinmenge, die ausgeschieden wird.

Heilung durch eigenen Urin?

Es gibt Menschen, die der Meinung sind, dass der eigene Urin, wenn man ihn trinkt, bestimmte Krankheiten, darunter auch Multiple Sklerose, Rheuma oder sogar Krebs heilen kann. Die Befürworter der Therapie berufen sich dabei vor allem auf Traditionen und Lehren wie die indische Ayurveda-Lehre oder naturheilkundliiche Quellen. Belegt ist allerdings weder die Wirkung noch die Herkunft der angeblich uralten Therapieform.

Ein Mann macht einen Umschlag, getränkt mit eigenem Urin.

Urin soll gegen Hautkrankheiten helfen

Die Kollegen der WDR-Wissenschaftssendung "Quarks und Co" haben trotz intensiver Recherche keinen Anhaltspunkt dafür gefunden, dass die Eigenurin-Therapie eine Jahrtausende alte Tradition habe. Sowohl in der ayurvedischen Medizin als auch in der Naturheilkunde und der europäischen Klostermedizin gibt es keinen einzigen schriftlichen oder mündlich überlieferten Beleg dafür, dass Menschen zu irgendeiner Zeit ihren eigenen Urin getrunken haben.

Vielmehr gehen alle modernen Ratgeber auf ein Buch des selbst ernannten englischen Urinheilers John W. Armstrong aus dem Jahr 1940 zurück. Armstrong behauptet darin, dass das Trinken des eigenen Urins nahezu alle Krankheiten heilen könne. Schulmediziner hingegen warnen ausdrücklich davor, zu große Mengen des eigenen Urins zu sich zu nehmen. Dies könne im schlimmsten Fall zu einer schleichenden Vergiftung des Körpers führen.

Autoren: Christiane Tovar/Tobias Aufmkolk

Stand: 18.03.2014, 12:00