Schilddrüse

Anatomische Darstellung der Schilddrüse im Körper

Anatomie des Menschen

Schilddrüse

Ohne die Schilddrüse würde es im menschlichen Körper drunter und drüber gehen. Denn das walnussgroße Organ beeinflusst unseren gesamten Organismus: Herz-Kreislauf-System, Verdauung, Knochenaufbau und sogar die Psyche. Grund dafür sind die verschiedenen Hormone, die von der Schilddrüse jeden Tag ausgeschüttet werden.

Multitalent Schilddrüse

Wir achten auf unser Herz, unsere Leber und den Magen. Doch selbst gesundheitsbewusste Menschen denken kaum darüber nach, dass auch die Schilddrüse enorm wichtig für unsere Gesundheit ist. Dieses kleine Organ ist ein wahres Multitalent. In etwa 1,5 Stunden fließt das gesamte Blut eines Menschen einmal durch die Schilddrüse. Damit ist sie etwa vier- bis fünfmal stärker durchblutet als zum Beispiel die Niere – und das nicht ohne Grund.

Die Schilddrüse liegt im Hals, kurz unter dem Kehlkopf vor der Luftröhre. In gesundem Zustand ist sie so klein, dass man sie von außen weder sehen noch ertasten kann. Bei einer Frau wiegt sie etwa 18 Gramm, bei Männern bis zu 25 Gramm. Sie besteht aus zwei Seitenlappen und einem Verbindungssteg (Isthmus) in der Mitte. Durch ihre Position erhielt sie ihren Namen: Wie ein Schild liegt sie, umgeben von Halsmuskeln, vor der Luftröhre. Beide Seitenlappen bestehen aus kleinen Drüsenläppchen, den Lobuli. Diese wiederum teilen sich in winzige Bläschen (Follikel). Genau hier entstehen die Stoffe, die unseren ganzen Körper beeinflussen.

Geregelter Hormonausgleich

Grafische Darstellung der Hormonkette vom Gehirn zur Schilddrüse.

Der Arbeitsauftrag kommt vom Gehirn

Jeden Tag produziert die Schilddrüse die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Der Befehl dazu kommt aus dem Gehirn. Dort wird im Hypothalamus das Hormon TRH (Thyreotropin Releasing Hormon) freigesetzt und zur Hirnanhangdrüse (Hypophyse) weitergeleitet. Hier regt das TRH die Ausschüttung des Stoffes TSH (Thyreotropin) an. Steigt der TSH-Spiegel, so wird dies von der Schilddrüse wahrgenommen und sie produziert als Antwort T4 und T3. Dies wiederum erkennt die Hypophyse und stellt die TSH-Produktion ein. Durch dieses Zusammenspiel zwischen den beiden Drüsen wird der Hormonspiegel im Körper reguliert und hält ein konstantes Niveau.

T3 und T4 spielen eine wichtige Rolle für den Stoffwechsel unserer Zellen. Über die Blutbahn verteilen sie sich im ganzen Körper und docken dann an den Rezeptoren des Zellkerns und der Mitochondrien, also den "Kraftwerken" der Zelle, an. Der Zellstoffwechsel wird angekurbelt – und das hat verschiedene Auswirkungen: Unter anderem können die Zellen dank der Schilddrüsen-Hormone vermehrt Sauerstoff und Zucker (Kohlenhydrate) aufnehmen. Das wirkt sich wiederum auf unsere Verdauung, den Blutdruck und die Körpertemperatur aus. Durch die Hormone werden auch der Stoffwechsel der Nervenzellen und die Gehirntätigkeit aktiviert. Somit hat die Schilddrüse auch einen erheblichen Einfluss auf die Psyche und das seelische Gleichgewicht.

Ohne Jod geht es nicht

Damit die Schilddrüse all diese umfangreichen Aufgaben bewältigen kann, braucht sie neben Eisen und Selen vor allem eines: Jod. Dieses Spurenelement ist nämlich einer der Hauptbestandteile der Schilddrüsen-Hormone. Die Aminosäure Tyrosin bildet die Grundlage der Hormone T3 und T4. Dort docken sich entweder drei (T3) oder vier (T4) Jod-Atome an. Erst dann sind die Hormone "komplett".

Ein Teller mit japanischem Sushi und Essstäbchen.

Fisch enthält Jod, den Treibstoff der Schilddrüse

Zwar ist die Schilddrüse in der Lage, sich das Jod einzuteilen und es zu speichern. Dennoch ist es wichtig, ausreichend Jod mit der Nahrung aufzunehmen, damit die Schilddrüse ihre Funktion voll erfüllen kann. Ein Erwachsener sollte laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung täglich etwa 180 bis 200 Mikrogramm Jod zu sich nehmen. Wer regelmäßig jodhaltige Lebensmittel wie Fisch, Spinat oder Jodsalz isst, braucht sich um seine Schilddrüse nicht zu sorgen. Zusätzliche jodhaltige Ergänzungsmittel sind nicht nötig.

Bei einer Unterversorgung mit Jod drohen jedoch verschiedene Krankheiten, da die Schilddrüse den Körper nicht mehr ausreichend mit Hormonen versorgen kann. Mögliche Symptome sind eine höhere Infektanfälligkeit, eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Müdigkeit. Eine zusätzliche Einnahme von Jod über die tägliche Ernährung hinaus sollte in jedem Fall mit einem Mediziner abgeklärt sein.

Autoren: Jennifer Dacqué/Wiebke Ziegler

Weiterführende Infos

Stand: 15.11.2012, 12:00

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