Wissensfrage

Blick ins Maul des Bullenhaies

Zähne

Wissensfrage

Wieso haben Haie fast nie Probleme mit den Zähnen?

"Und der Haifisch, der hat Zähne", heißt es in Brechts Dreigroschenoper. Und was für welche! Gruselfilme zeigen das Gebiss dieser eigentlich bedrohten Tierart immer wieder als mörderische Waffe. Rasiermesserscharf sind die Haizähne und reißen sekundenschnell ein Opfer in Stücke. Wenn bei einer Beißattacke Zähne verloren gehen – macht nichts, sie wachsen immer wieder nach. Haifische haben ein sogenanntes "Revolvergebiss". Mehrere Zahnreihen liegen hintereinander. Die vordersten stehen aufrecht, am Gaumen liegen junge Zähne und richten sich nach und nach auf. Das genetische Programm des Hais sorgt jederzeit für Ersatz – aus Stammzellen im Kiefer.

Mit solchen Stammzellen gelang der US-Biologin Pamela Yelick 2002 ein Durchbruch. Seither hat sie kaum noch Zeit für ihre wahre Leidenschaft, die Zebrafischchen. Pamela Yelicks Zebrafische haben genau wie die Haie uns Säugern eines voraus: Sie produzieren zeitlebens neue Zähne. Die Antwort auf die Frage, welche genetischen Programme die Stammzellen der Zebrafischenchen steuern, ist der Schlüssel zur Zahnzüchtung. Wenn es gelänge, das Verfahren auf den Menschen zu übertragen, könnten Patienten Gebiss oder künstliche Implantate wegwerfen.

Yelick glückte es am Forsythe Institute in Boston, Schweinezähne in Laborratten zu züchten. Aber es wird wohl noch einige Jahre dauern, bis die ersten menschlichen Zähne gezüchtet werden können – falls es überhaupt gelingt.

Warum haben Menschen Milchzähne?

Lachender Säugling mit den ersten Zähnen.

Mit sechs Monaten die ersten Zähnchen

Milchzähne sind wichtige Platzhalter für die bleibenden Zähne. Ein Baby bekommt ungefähr mit sechs Monaten seine ersten Zähnchen, in der Regel zuerst die unteren und dann die oberen Schneidezähne. Mit zwei bis zweieinhalb Jahren sind meistens alle 20 Beißerchen da. Sie sind wichtig, damit der Kieferknochen des Kindes sich weiter ausbilden kann. Für die 32 bleibenden Zähne wäre der Kinderkiefer noch viel zu klein. Mit sechs bis acht Jahren fällt der erste Milchzahn dann aus. Der nachrückende bleibende Zahn zersetzt regelrecht die Wurzel seines Vorgängers. Zähne haben von Anfang an ihre endgültige Größe. Bei manchen Kindern sieht das bleibende Gebiss deshalb noch viel zu groß aus. Erst im Erwachsenenalter haben sich die Proportionen von Kopf und Kiefer dann perfekt aneinander angepasst.

Milchzähne sind natürlich mehr als nur Platzhalter für die bleibenden Zähne, sie sind für das gesunde Kieferwachstum und die Sprachentwicklung des Kindes wichtig. Die Milchzähne und auch die ersten bleibenden Zähne werden schon lange vor der Geburt angelegt. Die ersten Zahnkeime bilden sich bereits in der sechsten Schwangerschaftswoche, sie werden aus kalkhaltigem Gewebe mineralisiert. Ein sechs bis sieben Monate altes Ungeborenes hat schon die Keime aller zwanzig Milchzähne. Bereits kurz nach der Geburt beginnen die mittleren bleibenden Schneidezähne sich unter der Milchzahnleiste herauszubilden.

Autor: Immo Sennewald

Stand: 22.03.2011, 12:00