Johanna von Orléans – Kämpferin, Ketzerin, Nationalheilige

Johanna von Orléans

Die Loire

Johanna von Orléans – Kämpferin, Ketzerin, Nationalheilige

Man kennt sie als Jungfrau von Orléans, heilige Johanna und Jeanne d’Arc. Sie selbst nannte sich Jeanne la Pucelle – zu deutsch: Johanna, das Mädchen, oder Johanna, die Jungfrau. Geboren wurde sie um 1412 im lothringischen Hundertseelendorf Domrémy an der Maas. Die Tochter eines wohlhabenden Bauern konnte vermutlich kaum lesen und schreiben. Dennoch überzeugte sie alle, denen sie begegnete – vom Stadtkommandanten über gelehrte Theologen bis zum Dauphin, dem französischen Kronprinzen –, von ihrem Sendungsbewusstsein.

Eine Jungfrau mit göttlichem Auftrag

Als Dreizehnjährige glaubte sie, erstmals die Stimmen der Heiligen Katharina und Margarethe sowie des Erzengels Michael gehört zu haben. Die erteilten ihr in immer wiederkehrenden Visionen den Auftrag des Himmelskönigs: die Stadt Orléans aus der Belagerung englischer Truppen zu befreien und den Dauphin zur Königskrönung nach Reims zu führen. Die Plünderungen und Zerstörungen in der vom Hundertjährigen Krieg erschütterten Region, in der England und Frankreich um die Vorherrschaft in Westeuropa kämpften, erlebte Johanna seit frühster Kindheit.

Eine zeitgenössische Darstellung zeigt Jeanne d'Arc in Männerkleidung und zu Pferd am 8. Mai 1429 an der Spitze des französischen Heeres beim Einzug in das von den Engländern befreite Orleans.

Ein gottgegebener Auftrag

Während Frankreich ohne regierungsfähigen König war – Karl VI. galt seit 1392 als geisteskrank –, stritten seine Verwandten, allen voran die Herzöge von Orléans und Burgund, um die Macht. Der englische König Heinrich V. nutzte die Gelegenheit, seine Besitzungen auf französischem Boden zu mehren. Er besetzte die wichtigsten Städte des Landes, darunter die Hauptstadt Paris und die Krönungsstadt Reims.

1422 starb Karl VI. Er hinterließ einen leeren Thron und einen entrechteten Thronfolger, der auf Burg Chinon in der Touraine auf ein Wunder hoffte. In dieser verfahrenen Situation wird Johanna den verzweifelten Franzosen wie eine Lichtgestalt erschienen sein. Die charismatische Siebzehnjährige schaffte es nicht nur, zum Dauphin vorgelassen zu werden, sondern auch ihn von ihrem gottgegebenen Auftrag zu überzeugen, die Engländer zu vertreiben und Frankreich zu einen.

Auf in den Kampf!

Schlacht bei Poitiers vom 19.9.1356

Schlacht von Poitiers

Man kann sich heute kaum vorstellen, dass ein selbstbewusster Teenager mit wehendem Banner die furchtlosen Haudegen des französischen Heers hinter sich bringen konnte. Doch die Jungfrau in der glänzenden Kriegerrüstung muss eine unwiderstehliche Ausstrahlung gehabt haben. Jedenfalls sollen ihr die Soldaten beim Zug auf das von englischen Truppen eingeschlossene Orléans ohne zu zögern gefolgt sein. Am 8. Mai 1429 gelang Johanna die Befreiung der strategisch wichtigen Stadt an der Loire. Ihre Glückssträhne hielt an, und am 17. Juli 1429 erfüllte sie ihren zweiten Auftrag: Der Dauphin wurde im inzwischen befreiten Reims zum französischen König Karl VII. gekrönt.

Gescheitert und verbrannt

Vom Erfolg verwöhnt, wollte die furchtlose Kämpferin nun auch die Hauptstadt aus englischer Hand befreien. Doch ihr Vorstoß auf Paris endete in einer Niederlage. Im Mai 1430 geriet sie in Gefangenschaft und wurde bald darauf den Engländern ausgeliefert. Die machten ihr in Rouen den Prozess, wo ein geistliches Gericht die Königsmacherin als Ketzerin verurteilte. So endete die Mission der Johanna aus Domrémy am 30. Mai 1431 auf dem Marktplatz von Rouen. Die Jungfrau, die Orléans befreit hatte, wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt, ihre Asche in die Seine gestreut.

Von der nationalen Symbolfigur zur Heiligen

Die Franzosen, die Johanna nach ihrer Gefangennahme nicht beigestanden hatten, strebten bald einen Revisionsprozess an. Schließlich konnten sie nicht dulden, dass ihr König seinen Thron einer Ketzerin verdankte. 1456 wurde in Paris das Urteil des Inquisitionsgerichts aufgehoben. Die schon zu ihren Lebzeiten vom Volk verehrte Jungfrau Johanna, die eine entscheidende Wende im Hundertjährigen Krieg herbeigeführt und das französische Königtum gestärkt hatte, wurde zur nationalen Symbolfigur.

Denkmal der Jungfrau von Orléans in Orléans

Stadtpatronin von Rouen und Orléans

Unzählige Denkmäler sind ihr gewidmet, die das lothringische Bauernmädchen in kämpferischer Pose zeigen: hoch zu Ross, in Rüstung mit Helm und Schwert. Die 1920 durch Papst Benedikt XV. heilig gesprochene Johanna wird als Stadtpatronin von Rouen und Orléans sowie als Landespatronin Frankreichs verehrt. Darüber hinaus gilt Jeanne d’Arc auch als Schutzheilige der Telegrafie und des Rundfunks. Ihr Gedenktag ist der 30. Mai.

Autorin: Claudia Weber

Stand: 21.03.2012, 12:00

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