Loire

Orléans an der Loire

Flüsse und Seen

Loire

Die Loire ist Frankreichs längster Strom. Sie entspringt im Zentralmassiv und fließt über 1020 Kilometer quer durch die Grande Nation in Richtung Atlantik. Sie gilt als letzter Wildfluss Mitteleuropas, der sich noch ohne Kanalisierung sein Bett selbst graben darf. Mit ihren Nebenflüssen Allier, Cher und Vienne bildet sie eine wunderschöne Flussauenlandschaft, die über jede Menge historischer Stätten verfügt.

Europas letzter ungebändigter Strom

Ungezähmt bahnt sich die Loire ihren Weg – zunächst durch enge Gebirgstäler und Schluchten, dann durch die Ebenen Zentralfrankreichs bis zum Mündungsdelta an der Atlantikküste. Während sie im Unterlauf breit und träge dahinströmt, ist ihr Oberlauf unberechenbar und bisweilen gefährlich, vor allem wenn Schneeschmelze oder starke Regenfälle sie in einen reißenden Strom verwandeln. Dann schwellen auch ihre zahlreichen Nebenflüsse an, setzen Sandbänke und Kieshalden unter Wasser und überfluten die Flussniederungen.

Kleine Boote an der Loire

Eine naturbelassene Flußlandschaft

Trotz der schwierigen Strömungsverhältnisse und vielen Untiefen war die Loire jahrhundertelang die wichtigste Wasserstraße Frankreichs. Segel- und Dampfschiffe beförderten Menschen und Waren und brachten den Hafenstädten entlang der Loire wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung – bis im 19. Jahrhundert die Eisenbahn das Transportwesen revolutionierte. Heute sieht man auf der Loire fast nur noch kleine Fischerkähne und Kanus. Ausflugsboote und größere Schiffe können nur im letzten Flussabschnitt zwischen Angers, Nantes und Saint-Nazaire verkehren.

Naturparadies Loire

Um die häufigen Hochwasser unter Kontrolle zu bringen, wurde in den 1980er-Jahren das Stauseeprojekt „Serre de la Fare“ im Zentralmassiv geplant; zudem sollten fünf Stauwehre, Deiche und Begradigungen die feuchten Flussauen in Ackerland verwandeln und die geregelte Wasserversorgung von Industrieanlagen sichern. Bis heute liefert die Loire Kühlwasser für vier Atomkraftwerke: das etwa 100 km südöstlich von Orléans gelegene Kernkraftwerk Belleville, die flussabwärts zwischen Orléans und Tours errichteten Anlagen Dampierre und Saint-Laurent sowie das bereits in den 50er-Jahren entstandene Atomkraftwerk bei Chinon.

Die seltene, geschützte Wiesenpflanze Schachbrettblume

Geschützte Schönheit: Die Schachbrettblume wächst am Ufer der Loire

Umweltschützern ist es zu verdanken, dass der Lauf der Loire nicht reguliert wurde und sie als letzter großer Wildwasserfluss Mitteleuropas erhalten blieb. Tausende kleine Inseln und Sandbänke machen die naturbelassene Flusslandschaft zum idealen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Im sauberen Wasser fühlen sich neben Lachsen, Maifischen, Aalen und Neunaugen auch Biber und Otter wohl. Die Überschwemmungsgebiete der Uferregion sind ein Refugium für Zwergseeschwalben, Strandläufer, Eisvögel und Kormorane; hier findet man auch seltene Pflanzen wie Hirschsprung, Schachbrettblume oder Silbergras.

Kulturlandschaft am königlichen Fluss

Die reichen Wildbestände in den Wäldern um Gien, Orléans und Blois machten die Region am Mittellauf der Loire bereits im Hoch- und Spätmittelalter zum bevorzugten Jagdrevier des Adels. Die Bodenschätze der Region, vor allem heller Kalkstein, gelblicher Tuff und blaugrauer Schiefer, lieferten nicht nur Baumaterial für Städte, Dörfer, Kathedralen und Klöster, sondern auch für die über 400 Burgen und Schlösser, die am Ufer der Loire und ihrer Nebenflüsse entstanden.

Blick durch den Wald auf Chambord

"Ein riesiger Jagdpavillon" - Schloss Chambord

Als Höhepunkt der berühmten Loireschlösser, die Jahr für Jahr unzählige Besucher anziehen, zählt Chambord. Den prachtvollen Renaissancebau mit Hunderten Kaminen, Türmen und Türmchen ließ sich König Franz I. im 16. Jahrhundert als repräsentatives Jagdschloss errichten – auch wenn er dort nur 72 Tage verweilt haben soll. Seit November 2000 zählt das Loiretal zwischen Sully und Chalonnes aufgrund der ungezähmten Flusslandschaft und seiner kulturhistorisch bedeutenden Schlösser und Abteien zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Frankreichs längste Weinstraße

Am Oberlauf der Loire, südlich von Roanne beginnt Frankreichs längste Weinstraße, die sich bis zum Mündungsdelta auf rund 1000 km Länge entlang der Loire und ihrer Nebenflüsse zieht. An den Hängen des Weinbaugebiets „Val de Loire“ gedeihen ausgezeichnete Weine, darunter die edlen Weißweine aus Sancerre, Pouilly-sur-Loire und Menetou-Salon oder die fruchtigen Rotweine aus Saumur, Chinon und Bourgueil. Der spritzige Crémant de Loire macht sogar dem Schaumwein der Champagne Konkurrenz. Aus dem 5. Jahrhundert datiert die älteste schriftliche Erwähnung des Weinbaus, den zuvor die Römer an die Loire gebracht hatten. Bis heute hat sich das Val de Loire zur zweitgrößten französischen Weinbauregion nach dem Bordelais entwickelt.

Erleben und genießen

Radfahrer an der Loire

Sehr beliebt: Radfahren an der Loire

Aktivurlauber können die abwechslungsreiche Flusslandschaft auf der Fahrradstrecke „La Loire à Vélo“ erkunden. Auf gut ausgebauten Radwegen führt die Strecke über 600 km durch ursprüngliche Auen, Heiden und Wälder, gepflegte Obstbaumanlagen und Weinberge, vorbei an idyllischen Dörfern, malerischen Städtchen und romantischen Schlössern mit prachtvollen Parkanlagen. Abseits der Hauptverkehrsstraßen laden Winzer und Gastwirte zur Verkostung der regionalen Spezialitäten ein. Zu ihnen zählen neben den Loireweinen insbesondere Trüffeln und Champignons. Berühmt sind auch die „Pommes tapées“ – Dörräpfel, die in Rotwein getränkt werden – sowie die im Holzofen gebackenen Fladenbrötchen, die „Fouaces“ oder „Fouees“.

Autorin: Claudia Weber

Stand: 21.03.2012, 12:00

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