Trier – Römern, Reben und Karl Marx

Die Porta Nigra – Triers Wahrzeichen aus römischer Zeit

Mosel

Trier – Römern, Reben und Karl Marx

Trier wurde von den Römern im Jahre 16 vor Christus gegründet. Damit gilt die rheinland-pfälzische Stadt an der Mosel als älteste Stadt Deutschlands. Römische Geschichte begegnet einem in Trier denn auch auf Schritt und Tritt. Die Basilika, die Kaiserthermen, das Amphitheater und natürlich die berühmte Porta Nigra sind Relikte aus jener Zeit. Aber nicht nur durch ihre Baukunst machten sich die römischen Besatzer unvergesslich. Sie betrieben auch den Weinanbau auf hohem Standard und legten in Trier den Grundstein für die heutige Bedeutung als Weinmetropole. Neben Römern und Reben hat die Stadt aber noch mehr zu bieten.

Von der Keltensiedlung zur Römermetropole

Trier liegt auf einer Höhe von 124 Metern und erstreckt sich links und rechts der Mosel. Die Stadt ist umgeben von Hügelketten, die im Norden zur Eifel, im Süden zum Hunsrück gehören. Schon 3000 Jahre vor Christus gründeten Menschen der Jungsteinzeit erste Siedlungen auf heutigem Stadtgebiet.

Einige Jahrhunderte bevor die Römer kamen, ließen sich die Treverer auf dem heutigen Stadtgebiet von Trier nieder. Dieser keltische Stamm ist auch der Namensgeber der Stadt. Als die Römer auf ihrem Vormarsch während der Gallischen Kriege den Keltenstamm unterwarfen und das Gebiet besetzten, nannten sie die 16 vor Christus neu gegründete Stadt zu Ehren des amtierenden Kaisers Augustus "Augusta Treverorum".

Die Römerstadt wurde zur Metropole der Provinz Gallia Belgica ausgebaut und befestigt. Das Wehrsystem sollte die Römerstadt vor Angriffen feindlicher Germanen schützen.

Dass Trier aber damals schon weit mehr als nur ein Militärlager war, beweisen die vielen archäologischen Funde von zivil genutzten Gebäuden. Trier war Militärbasis, aber auch Handelszentrum. Über die Mosel wurden Truppen und Waren verschifft. Vor allem war es der Weinbau, der den Römern in und um Trier Reichtum brachte.

Das Ende römischer Pracht

Zur großen Bedeutung von Trier trug auch bei, dass die Stadt schon zur Römerzeit Zentrum der Christianisierung und Bischofssitz wurde. Zwar wurde Trier im Jahr 275 durch den Einfall der Alemannen zum größten Teil zerstört, aber durch den römischen Kaiser Konstantin – seine Herrschaft währte von 306 bis 337 – wieder aufgebaut. Aus seiner Ära stammen viele Prachtbauten, die zum Teil noch erhalten sind.

Ein Zeuge des römischen Luxuslebens ist das riesige Areal der Kaiserthermen. Zwar stehen von dem ehemals mondänen Badetempel nur noch Ruinen, aber man kann anhand der ober- und unterirdischen Mauerreste ahnen, wie es sich die römischen Besatzer mit einem ausgeklügelten Heißluft-System gut gehen lassen konnten.

Weitere Zeugen römischer Baukunst sind die berühmte Porta Nigra, die Römerbrücke, die über die Mosel führt, und die riesige Basilika, die heute als evangelische Kirche genutzt wird.

In den Jahren 367 bis 392 nach Christus war Trier mit weit über 80.000 Einwohnern die größte Stadt nördlich der Alpen und Metropole des weströmischen Reiches. Als sich die Römer im Zuge der Völkerwanderung und der vorrückenden Germanen zurückziehen mussten, brachte das – wie für viele andere ehemalige römische Metropolen – auch für Trier den Verfall mit sich. Ein Übriges an Zerstörung erledigten die einfallenden Franken, Hunnen und im Jahre 882 die Wikinger.

Steil aufragende Ruinenfassade der römischen Kaiserthermen. In den aus rotem Ziegel gemauerten Wänden sind Rundfensterbögen zu sehen. Die antike Kulisse wird von der sommerlichen Abendsonne beschienen.

Römisches Luxusleben in den Kaiserthermen

Vom dunklen Mittelalter in die Neuzeit

Wie sehr Trier im frühen Mittelalter an Bedeutung verlor, wird vor allem daran deutlich, dass die Stadt damals nur noch halb so groß war wie zur Römerzeit. Erst allmählich wuchs sie durch den Einfluss der hier residierenden Kirchenfürsten wieder zu einer Metropole heran.

Beim Wiederaufbau Triers verlegte Erzbischof Heinrich I. im Jahre 958 den Marktbereich von der Römerbrücke vor die sogenannte Domstadt und damit in seinen unmittelbaren Kontrollbereich. Als sichtbares Zeichen seiner Macht, aber auch als Symbol für den Willen, wieder eine Funktion als wichtige Handelsstadt anzustreben, ließ der Erzbischof auf dem neuen Marktplatz ein prächtiges Marktkreuz errichten, das heute noch an seinem Platz steht.

Das Symbol zeigte die gewünschte Wirkung: Aus dem mittelalterlichen Verfall stieg Trier nach und nach wieder zu einem wichtigen Handels- und Machtzentrum auf. Weltliche und klerikale Prachtbauten entstanden.

Der Marktplatz zählt heute zu den schönsten in Deutschland und zeugt mit seinen prunkvollen Gebäuden vom Reichtum jener Zeit. Ein weiterer wichtiger Meilenstein der Stadtgeschichte ist das Jahr 1473. Damals wurde die Trierer Universität gegründet, an der heutzutage zirka 15.000 Studenten eingeschrieben sind.

Der Trierer Dom

Der Trierer Dom mit angrenzender Liebfrauenkirche

Die Franzosen kommen

Nach langer Zeit wirtschaftlicher Blüte geriet Trier unter anderem im Zuge des Dreißigjährigen Krieges (1616-1648) in den Strudel politischer und militärischer Auseinandersetzungen. Besetzung, Zerstörung und Unterdrückung waren die Folge. Die Bevölkerung und viele Gebäude, darunter auch sakrale Bauwerke, wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Im Zuge der Revolutionskriege besetzten französische Truppen im Jahre 1794 abermals die Stadt an der Mosel. 1801 erhielten die Bürger von Trier offiziell die französische Staatsbürgerschaft übergestülpt. Im Zuge der Säkularisation wurden Kirchen und Klöster geschlossen und umfunktioniert, zum Teil sogar abgerissen.

Für die streng katholische Trierer Bevölkerung brachen schlimme 20 Jahre an. Doch wie in vielen anderen Städten brachte die napoleonische Zeit auch den Fortschritt mit sich. Die Verwaltung wurde modernisiert, die Rechtssprechung durch den Code Civil, das bürgerliche Gesetzbuch, demokratisiert.

Napoleon veranlasste auch, die Porta Nigra von dem Kirchenanbau zu befreien, deren Bestandteil das alte Römertor im Mittelalter geworden war. Auf diese Weise bescherte der Franzosenkaiser den Trierern ein Wahrzeichen, das bis heute Bestand hat.

Als die Franzosen nach den Befreiungskriegen 1814 Trier verließen, kamen die Bürger der Moselstadt, ihrer Auffassung nach, vom Regen in die Traufe. Auf dem Wiener Kongress wurde beschlossen, Trier unter preußisch-protestantische Verwaltung zu stellen.

Blick von der Fußgängerzone auf die Porta Nigra. Auf der Straße spielen Kinder und bummeln Passanten. Auf einer Bank sitzen Menschen.

Fußgängerzone und Porta Nigra

Romantik, Marx und Kapitalismus

Das Ende der napoleonischen und der Befreiungskriege, die hohen Blutzoll und Entbehrungen gefordert hatten, brachte neben dem ersehnten Frieden eine neue Lebenseinstellung mit sich: die Romantik. Das Reisen und die Wanderlust kamen auf. In Folge der romantischen Idee standen Trier und die malerische Moselregion mit ihren vielen Burgruinen hoch im Kurs.

Nach der romantischen Welle erlebte Trier in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Umbruch in eine neue Ära. Die Industrialisierung ergriff auch von der alten Moselstadt Besitz. Über die neue Wirtschaftsordnung des Kapitalismus empörte sich bald ein weltbekanntes Kind der Stadt Trier: Karl Marx.

Der Buchautor, Journalist und Gesellschaftsphilosoph, der mit seinem kritischen Werk "Das Kapital" international für Furore sorgte, erblickte im Jahre 1818 in der Trierer Brückenstraße das Licht der Welt. Ein Umstand, der bis heute Besucherströme aus kommunistischen Ländern anzieht. Vor allem für viele Besucher aus China ist die Marx-Geburtsstadt Trier zu einem wahren Mekka geworden.

Eingerahmt von zwei moderneren Häusern befindet sich das Geburtshaus von Karl Marx. Das Haus ist weiß gestrichen, das Dach mit Schiefer eingedeckt. In der Fassade ist eine Gedenktafel eingelassen. Vor dem Haus weist eine Klapptafel auf die Sehenswürdigkeit hin. Das Haus besteht aus Erdgeschoss, einem ersten Geschoss und einem Dachgeschoss mit Fenstergauben.

Das Geburtshaus von Karl Marx

Wirtschaftsboom mit Reben und Römern

Nach dem Ersten Weltkrieg hielten 1918 die Franzosen als Teil der Siegermächte Einzug in der Moselstadt. Ihre Besatzungszeit dauerte bis 1930.

Aber auch in einem anderen Punkt sollte sich die Geschichte wiederholen. War die ehemalige Römermetropole in der Vergangenheit schon oft Opfer von Zerstörung geworden, fielen große Teile der Stadt auch im 20. Jahrhundert wieder in Schutt und Asche. Artilleriegeschosse und Bomben setzten Trier in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs zu. Viele Menschen starben damals in den Trümmern.

Dass jedoch viele historische Gebäude den Krieg überstanden haben, grenzte an ein Wunder und sorgte wohl auch für den raschen Wiederaufstieg Triers zu einer bedeutenden Stadt, die ihre reiche Geschichte heute bestens zu vermarkten weiß. Immerhin steht Trier mit neun Baudenkmälern auf der Unesco-Weltkulturerbe-Liste und belegt damit in Deutschland die Spitzenposition.

Neben den Relikten aus der Römerzeit zieht aber auch der Wein, der in Trier und Umgebung angebaut wird, viele Besucher an. Von dem Ertrag der Reben, vom Fremdenverkehr und von der Gastronomie leben heute mittelbar und unmittelbar viele der mehr als 100.000 Einwohner.

Ein Blick bei herrlichem Sommerwetter vom Schlosspark auf die prachtvolle Rokoko-Fassade des kurfürstlichen Palais. Links angrenzend die Basilika aus der Römerzeit. Im Vordergrund eine Statue und Blumenbeet.

Schlosspark, kurfürstliches Palais und Basilika

Autor: Alfried Schmitz

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Stand: 03.01.2017, 16:28

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