Donau

Blick von oben auf die Donau bei Kelheim, deren Lauf von hohen Felswänden begrenzt wird.

Flüsse und Seen

Donau

Die Donau ist ein außergewöhnlicher Fluss: Mit rund 2850 Kilometern Länge ist sie der zweitlängste Fluss in Europa nach der Wolga. Auf dieser Länge verbindet die Donau zehn Länder mit sehr unterschiedlichen Kulturen. Darüber hinaus ist sie auch sehr eigenwillig, denn sie ist der einzige größere Fluss in Europa, der von Westen nach Osten fließt. Sie war und ist einer der wichtigsten Handelswege Europas. Auf ihrem langen Verlauf nimmt sie alle Formen an, die ein Fluss nur haben kann: vom fast stehenden Gewässer bis hin zum reißenden Strom.

Ein Fluss ohne Quelle?

Ein Mann steht an der Einfassung der Donauquelle in Donaueschingen, die wie ein großer Brunnen gestaltet ist.

Die Donauquelle von Donaueschingen

Im Gegensatz zu fast allen anderen Flüssen hat die Donau keine eindeutig definierte Quelle. Die Ursprünge des mächtigen Stroms liegen im Schwarzwald. Zwei kleine Flüsse namens Breg und Brigach vereinen sich bei Donaueschingen zur Donau. Bevor diese beiden Flüsse zusammenlaufen, fließt aber noch ein weiterer kleiner Bach in die Brigach, der in einem Schlosspark beim Donaueschinger Kirchhügel entspringt. Im Laufe der Geschichte haben sich die Anwohner immer wieder gestritten, welcher dieser drei Zuflüsse die wahre Donauquelle ist.

Um 1584 wurde der Beginn der Donau dort definiert, wo die Schlossquelle in die Brigach fließt. Später gab es Bestrebungen die Breg – mit 48 Kilometern der längste der drei Zuflüsse – zur Donauquelle zu ernennen. Dies findet man sogar noch in Schulbüchern der 1960er Jahre. Inzwischen wird allgemein der Beginn der Donau am Zusammenfluss von Breg und Brigach akzeptiert – obwohl es noch immer Stimmen gibt, die jene Quelle im Donaueschinger Schlosspark als die "wahre" Donauquelle ansehen.

Dieser lang währende Streit hat dazu geführt, dass die Donau – im Gegensatz zu Flüssen mit eindeutiger Quelle – von der Mündung aus rückwärts vermessen wurde. Die 2850 Kilometer Länge werden also vom Donaudelta nach Donaueschingen gemessen und auf den Ufersteinen entsprechend angegeben.

Woher kommt der Name?

"Donau" – so heißt der Fluss im deutschsprachigen Raum. Im englischen Raum wird er "Danube" genannt. Der Ursprung dieser Namen ist nicht eindeutig geklärt. Vermutet wird, dass der Begriff "Donau" seinen Ursprung in der Sprache der Kelten hat, die einst im Quellgebiet lebten. Da gab es "Dona-aw" für "tiefes Wasser" und "Do-avv" für "zwei Wasser", was sich auf die beiden Quellflüsse beziehen könnte.

Karte mit dem Verlauf der Donau

Vom Schwarzwald bis ins Schwarze Meer

"Danube" dagegen hat seinen Ursprung im indogermanischen "danu", was so viel wie Fluss bedeutet. Die Römer hatten einen Gott des Wassers, genannt "Danubius". In frühen Urkunden wird der Fluss "Tonach" genannt, später auch "Donaw" und ab 1763 "Donau".

Vom Rinnsal zum Strom

Die Altstadt von Passau auf einer Insel, umgeben von zwei Flussarmen.

Bei Passau fließen Donau, Inn und Ilz zusammen

663 Kilometer legt die Donau auf deutschem Gebiet zurück, gemessen von Donaueschingen bis nach Jochenstein. Auf dieser Strecke wächst sie von einem kleinen Flüsschen zu einem kräftigen Strom. Zahlreiche Flüsse beteiligen sich als Wasserlieferanten, allen voran Iller, Lech, Altmühl, Isar und Inn.

Der deutsche Bereich der Donau beeindruckt nicht nur durch seine landschaftliche Vielfalt, auch kulturell gibt es viel zu entdecken. Im Laufe der Geschichte haben unter anderem Kelten und Römer, Fürsten, Kaiser und Könige zahlreiche Spuren hinterlassen. Überall entlang der Donau findet man deshalb beeindruckende Bauwerke.

Die Donau taucht ab

Ein Wanderer blickt von oben auf die Obere Donau, die sich durch ein enges Tal windet.

Die Obere Donau ist noch wild und ursprünglich

Die "Obere Donau" in Baden-Württemberg ist der ursprünglichste Teil des Flusses in Deutschland. Hier kann man in beeindruckenden Landschaften verfolgen, wie sich die Donau mühsam in Richtung Osten bewegt. Die ungewöhnlichste Stelle liegt zwischen Immendingen und Möhringen, sie ist als Donauversinkung beziehungsweise Donauversickerung bekannt.

Ein Großteil des Wassers versickert in Kalkfelsen, je nach Jahreszeit verschwindet sogar das gesamte Wasser und das dahinterliegende Flussbett trocknet aus. Das versickerte Wasser fließt durch ein bis heute kaum erforschtes Höhlensystem. Ein Teil kommt zwölf Kilometer weiter südlich als Aachquelle wieder an die Oberfläche. Der andere Teil speist dann ab Möhringen das Flussbett der Donau wieder mit Wasser.

Grundsätzlich ist die "Obere Donau" ein relativ ruhiges Gewässer, stellenweise hat man den Eindruck, sie steht sogar. Somit ist sie in diesem Bereich für die Wirtschaft relativ uninteressant: als Wasserweg weder tief noch breit genug und auch als Energiequelle nur beschränkt nutzbar. Entsprechend gab es hier weniger Eingriffe in die Landschaft, weshalb die Donau in Baden-Württemberg in ihrer Ursprünglichkeit heute ein besonderer Anziehungspunkt für Touristen ist.

Die Donau bekommt Arbeit

Blick über die Donau auf das Ulmer Münster.

Ab Ulm ist die Donau schiffbar

In Bayern nimmt die Donau langsam die Dimension eines richtigen Flusses an, weshalb sie auch für die Wirtschaft interessant ist: Ab Ulm ist der Fluss "schiffbar" und wird auch von der Energiewirtschaft genutzt. Das Wasser dient unter anderem zur Kühlung von Kraftwerken. Erste Staustufen und Wehre verändern den natürlichen Lauf. Ab Kelheim, gut 20 Kilometer vor Regensburg, ist die Donau breit genug für große Schiffe.

Dort setzt auch der Main-Donau-Kanal an, mit dem eine durchgehende Verbindung von der Nordsee zum Schwarzen Meer geschaffen wurde. Um den internationalen Schiffsverkehr zu ermöglichen, wurden gravierende Eingriffe in die Natur unternommen. Der Fluss wurde begradigt, Naturlandschaften verschwanden.

Durch die alte Donaumonarchie

Blick über die Donau auf Hochhäuser in Wien.

In Wien bekommt vieles den Beinamen Donau

Spätestens in Österreich wird die Donau zu einem der bedeutendsten Handelswege Europas. Schon im Mittelalter existierten hier rund 80 Maut- und Zollstationen für Schiffe. Auf den rund 350 österreichischen Donaukilometern wechseln sich enge Schluchten mit weiten Tallandschaften ab. Eine dieser weiten Ebenen ist das Wiener Becken.

Kaum eine andere Stadt wird so eng mit der Donau verbunden wie die österreichische Hauptstadt. Ob Donaumonarchie, Donauwelle, die moderne Donau-City oder das alte Viertel Donaustadt: In Wien wird vieles mit dem Beinamen Donau geschmückt. 1867 schuf Johann Strauss mit seinem Donauwalzer dem Fluss sogar ein musikalisches Denkmal, das bald zur heimlichen Hymne Österreichs wurde.

Donaumetropolen

Nach Wien werden noch zahlreiche weitere Städte von dem großen Fluss geprägt. Die slowakische Hauptstadt Bratislava war beispielsweise unter dem deutschen Namen Pressburg wegen der strategisch günstigen Lage an der Donau lange die Hauptstadt des Königreiches Ungarn.

Das ungarische Parlamentsgebäude am Ufer der Donau.

Das ungarische Parlament tagt direkt an der Donau

Erst als die Türken im 17. und 18. Jahrhundert langsam aus Ungarn zurückgedrängt wurden, verlor Pressburg seine Bedeutung und Budapest trat an seine Stelle. Die heute größte Stadt an der Donau ist eine der eindrucksvollsten Metropolen entlang des Flusses. Die schönsten Bauwerke Budapests liegen fast alle am Ufer der Donau, so auch das 1904 eingeweihte Parlament, das eines der größten Gebäude der Welt ist.

Auch die serbische Hauptstadt Belgrad war jahrhundertelang wegen ihrer Lage an der Donau und der Save heiß begehrt. Das "Tor zum Balkan" war Dreh- und Angelpunkt zwischen Mittel- und Südosteuropa. Die über der Stadt thronende Festung zeugt von der historischen Bedeutung dieses Knotenpunktes.

Der lange Weg ins Schwarze Meer

Ein Fischer auf einem kleinen Ruderboot holt ein Netz ein.

Das Donaudelta ist seit 1991 Weltnaturerbe

Den weitaus längsten Teil ihres Weges legt die Donau in Rumänien zurück, meist als Grenzfluss zu Serbien und Bulgarien. Der rumänische Teil beginnt spektakulär: Das "Eiserne Tor", ein Durchbruchstal an der serbischen Grenze, galt lange Zeit als gefährlichster Flussabschnitt der gesamten Donau. Seit es in den 1970er Jahren mithilfe einer Talsperre entschärft wurde, können es auch große Schiffe bequem passieren.

Im Osten des Landes verzweigt sich dann der auf seiner Reise immer breiter gewordene und mittlerweile gemächlich dahinfließende Strom in ein weites Delta. Das nach dem Wolgadelta zweitgrößte Flussdelta Europas ist vor allem für seine einzigartige Natur bekannt. In Europas größtem Feuchtgebiet leben mehr als 5000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten. 1991 erklärte die Unesco das circa 5000 Quadratkilometer große Gebiet zum Weltnaturerbe.

Autoren: Helmut Brasse/Tobias Aufmkolk

Stand: 11.05.2016, 11:42

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