Schöne neue Klonwelt

Männerkopf, im Vordergrund Rückansicht von identischen Hinterköpfen.

Gentechnik

Schöne neue Klonwelt

Das Jahr 2050: Stefan Maxim war der intelligenteste Mensch, der je auf der Erde lebte. Er hatte die geniale Idee, wie man die Kraft der Sonne ohne Verlust nutzen könne. Seitdem sind Energieprobleme und CO2-Verschmutzung Vergangenheit. Er entwickelte den Lichtantrieb, der uns Reisen tief in den Weltraum ermöglicht. Leider starb er viel zu früh. Doch er lebt weiter – nicht nur einmal, sondern hundertfach. Seine Klone bevölkern unsere Labore, unsere Forschungsinstitutionen und inzwischen auch die Politik. Wie weit ist der Schritt von Dolly zu unserem fiktiven Genie Stefan Maxim? Was geschieht in den Laboren der Klonforscher?

Man nehme... Gene

Klonen ist nicht gleich Klonen. Es gibt zwei Formen, die ähnliche Technologien verwenden, aber dennoch unterschiedlich sind. Beiden gemeinsam ist folgender Weg: Der Körperzelle eines Menschen oder Tieres wird der Kern, der das Erbmaterial enthält, entnommen. Dieses Erbmaterial wird in eine Eizelle eingeschleust, deren Erbsubstanz, abgesehen von den Mitochondrien - Zellbestandteile, die die Zelle mit Energie versorgen, entfernt worden ist. Ein wenige Tage alter Embryo, eine sogenannte Blastozyste entsteht. Bis hierhin sind die zwei Wege des Klonens gleich.

Beim reproduktiven Klonen wird der so entstandene Embryo anschließend in die Gebärmutter einer "Leihmutter" eingepflanzt und ausgetragen. So entstand beispielsweise Dolly, eine genetisch identische Kopie des Spenderschafes. Diese Art des Klonens ist weltweit stark umstritten.

Beim therapeutischen Klonen werden der Blastozyste Teile entnommen, die sogenannten embryonalen Stammzellen. Diese Stammzellen sind die Alleskönner unter den Zellen und werden im Labor kultiviert. Aus ihnen können sich verschiedene Zelltypen entwickeln, beispielsweise Nerven- oder Herzzellen. Diese Zellen könnten in das kranke Gehirn oder Herz eingesetzt werden, wo sie neues, gesundes Gewebe bilden. Die Gefahr der Abstoßung wäre nicht gegeben, da die Gene identisch mit dem Spender sind, so die Forscher. Dieser Weg ist etwas weniger umstritten, viele Kranke hoffen auf schnelle Fortschritte in diesem Bereich.

Beim Klonen wird das Erbmaterial nicht verändert. Der Zusammenhang mit der Gentechnik entsteht, wenn das Erbmaterial der Zelle, die dem Spender entnommen wird, vor dem Einsetzen in die Eizelle verändert wird. Wenn also beispielsweise Gene, die bestimmte Krankheiten entstehen lassen, deaktiviert werden oder dem Erbgut der Maus ein Affengen hinzugefügt wird.

Das Geschäft mit den Klonen

Pferdefohlen mit Mutter.

Klon-Fohlen von einem der erfolgreichsten Springpferde der Welt

Inzwischen wurden viele verschiedene Tiere geklont: Mäuse, Kühe, Ziegen, Schweine, Kaninchen, Ratten, Hirsche, Wasserbüffel und Dromedare. Sogar ein Rhesusaffe war dabei. Alles im Dienste der Wissenschaft - nichtsdestotrotz umstritten. Noch fraglicher wird das Klonen dann, wenn mit dieser Technik Geld verdient werden soll.

So bot das amerikanische Unternehmen "BioArts International" eine ganz besondere Dienstleistung an: eine Kopie des liebsten Haustieres. Aufmerksam machte das Unternehmen auf sich, als es den Schäferhund Trakr zum "klonwürdigsten Hund" der Welt ernannte. Dieser spürte nach dem Attentat auf das World Trade Center am 11. September 2001 die letzten Überlebenden auf. "BioArts International" klonte ihn gleich fünfmal. Kosten pro Hund: ungefähr 100.000 Euro. 2009 stieg das Unternehmen wieder aus dem Klongeschäft aus. Die Gründe: Der Markt sei zu klein, die Kosten zu hoch und Klonversuche endeten nicht immer wie erwartet, des öfteren entstanden Anomalien und Missbildungen.

Es gibt außerdem Forschungsprojekte, die das Ziel haben, Nutztiere gentechnisch zu optimieren. So entstanden beispielsweise bereits einige transgene Klonkühe: Kühe, bei denen ein Gen des Erbmaterials verändert oder ausgetauscht wurde, bevor es mit der Eizelle der Spenderkuh verschmolzen wurde. Man erhofft sich, eines Tages Kühe züchten zu können, die laktosefreie Milch geben, Milch mit weniger Fett, Milch, die Insulin enthält oder die Salmonellen selbst abtötet.

Doch noch ist der Aufwand des Genklonens viel zu hoch. So injizierte der Klonforscher Paul Krimpenfort in 1154 Kuh-Eizellen transgene DNA. Daraus entstanden 16 Kälber, von denen nur eines die komplette transgene DNA übernommen hatte. Insgesamt verbrauchte er für dieses eine transgene Kalb 2470 Eizellen.

Probleme und Visionen

Mammuthaare.

Knäuel aus Mammuthaar

Einerseits ist die Euphorie beim Klonen gebremst. Denn es werden nicht nur sehr viele Embryonen verschleudert - Kritiker sagen getötet - sondern auch die entstandenen Klone selbst haben ihre Probleme. Viele Klontiere kommen mit einem zu großen Körpergewicht zur Welt. Wenn sie die Geburt überleben, sterben sie oft wenig später an schweren Missbildungen wie fehlerhaft entwickelten Lungen, einem vergrößerten Herz oder einem geschwächten Immunsystem. Außerdem wird die innere Uhr des Klontieres bei seiner Geburt nicht auf "Null" gestellt. Das genetische Alter des Babys entspricht schon bei der Geburt dem des Spendertiers. Frühe Alterskrankheiten sind die Folge.

Dennoch scheinen manche Wissenschaftler einen ganz besonderen Gentraum zu träumen: das Klonen bereits ausgestorbener Tierarten. À la Jurassic Park möchten sie beispielsweise Mammuts wieder zum Leben erwecken. Diese urtümlichen Riesen starben vor etwa 300.000 Jahren aus. Doch Wissenschaftler fanden einige sehr gut erhaltene Exemplare im Eis. So gut erhalten, dass sogar noch Haare vorhanden waren. In diesen Haaren ist die Mammut-DNA enthalten, die allerdings durch die lange Zeit im Eis stark zerstückelt ist.

Es wird noch Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis die Mammut-DNA hundertprozentig und fehlerfrei entschlüsselt ist. Vielleicht klappt es nie. Falls doch, gehen die Probleme erst richtig los: Kennt man die Reihenfolge der Genbuchstaben, muss die gesamte Mammut-DNA künstlich nachgebaut und dann in künstliche Zellkerne gesteckt werden. Dieses Verfahren hat bisher schon einmal funktioniert: bei einem Bakterium. Das Mammut-Genom ist etwa 8000-mal größer. Der letzte Schritt wäre dann, die künstlichen Zellkerne mit der Eizelle eines Elefanten zu verschmelzen und diesem dann einzusetzen.

Zurück in die Zukunft

Foto von Dr. Brigitte Boisselier, der medizinischen Leiterin des Klonprojektes der Raelianer-Sekte.

Dr. Brigitte Boisselier, Medizinerin der Raelianer

Und wie sieht es nun beim Menschen aus? Es gibt weltweit einige Wissenschaftler, die bekannt für ihre Skrupellosigkeit im Umgang mit menschlichem Leben sind. Zum Beispiel der Grieche Panayiotis Zavos und der Italiener Severino Antinori, die bereits 2001 verkündeten, sie würden unfruchtbaren Paaren mit dem Klonen von Embryos zu Nachwuchs verhelfen. Bis heute ist jedoch von keinem ausgetragenen Klonbaby der beiden Ärzte bekannt.

Sehr bekannt ist auch die Sekte der Raelianer. Bereits Ende 2002 soll im trauten Umfeld der Sekte das Klonbaby Eve auf die Welt gekommen sein - das dann aber nie jemand zu Gesicht bekam. Allen Menschenklon-Forschern ist gemeinsam, dass sie immer wieder sensationelle Meldungen verkünden. Eine wissenschaftlich fundierte Bestätigung für die Existenz eines Menschenklons gibt es jedoch bisher nicht.

Zurückhaltung und Vorreiter

Schwarzweiß-Foto einer Ziege mit Schafskörper

Schiege: Mischwesen aus Ziege und Schaf

Die meisten Länder sind sich einig, dass das Klonen von Menschen ethisch verwerflich ist. Aber was sagt die gesetzliche Lage? Die konkreten Regelungen sehen sehr unterschiedlich aus. Deutschland verhält sich noch sehr zurückhaltend: Hier ist jede Gewinnung und Erforschung von Embryonen, die nicht der Erhaltung des Embryos dient, verboten. Damit ist sowohl therapeutisches als auch reproduktives Klonen untersagt.

Jedoch darf unter bestimmten Auflagen an importierten Stammzellen geforscht werden. Umstritten ist allerdings, ab wann eine befruchtete Eizelle als Embryo gilt und daher auch, ab wann sie vor Manipulationen geschützt werden muss.

Großbritannien hat die liberalste Gesetzgebung zur Stammzellenforschung in Europa: Hier ist es erlaubt, menschliche Embryonen zu klonen, um bis zu einem Alter von 14 Tagen aus ihnen jene Stammzellen zu entnehmen, die dazu beitragen sollen, schwere Krankheiten zu heilen. Um den Mangel an menschlichen Embryonen bei der Stammzellenforschung auszugleichen, ist in Großbritannien auch die Herstellung von sogenannten Chimären erlaubt.

Chimären werden durch die Verschmelzung einer tierischen Eizelle mit menschlichem Erbgut hergestellt. Gelingt dies, entsteht eine embryonale Stammzelle, die beispielsweise nur zu 0,1 Prozent Kuh ist. Die übrigen 99,9 Prozent stammen vom Menschen. Bislang wurden solche Hybrid-Embryonen in den USA, Südkorea, China und Großbritannien zu Forschungszwecken produziert.

Weltweit drängen Wissenschaftler auf mehr Freiheiten, um den Anschluss an die in anderen Ländern schon getätigten Versuche nicht zu verlieren. Es wird vor allem eine ethische Frage bleiben, ob sich die einzelnen Länder auf diesen Gentechnik-Wettlauf einlassen oder nicht.

Autorin: Monika Sax

Stand: 20.04.2016, 11:47

Darstellung: