Gefahren in Höhlen

Matthias Leyk zu Gast im Planet Wissen Studio

Höhlenforschung

Gefahren in Höhlen

Es ist kalt, eng und nass – wer sich in eine Höhle begibt, trifft auf schwierige Bedingungen. Trotzdem wagen sich auch immer wieder Touristen in Höhlen vor – leichtsinnig und ohne spezielle Ausrüstung oder notwendiges Wissen. Matthias Leyk ist Höhlenretter und erklärt, welche Rolle das Wetter spielt und warum Höhlentauchen so gefährlich ist.

Darum geht's:

  • Höhlenbesuche bergen viele Risiken — für Anfänger wie für Profis.
  • In Höhlen kann das Grundwasser in kurzer Zeit stark ansteigen.
  • Panik oder Überforderung sind die Hauptursachen von Unfällen.

Besonderheit von Karstgebieten

Einer der ersten Höhlenrettungseinsätze von Matthias Leyk war 1995 in der Falkensteiner Höhle. Schneeschmelze und Regen brachten den Wasserspiegel schnell zum Ansteigen.

Ein Höhlenretter seilt sich in die Tiefe ab, neben ihm ist eine große schwarze Felsspalte zu sehen

Ein Höhlenretter seilt sich in die Tiefe ab

Der Weg nach draußen war für die zwei Höhlenbegeher versperrt. Grund sind die besonderen Bedingungen von Karstgebieten der Schwäbischen Alb.

Matthias Leyk erklärt: "Der größte Teil des Niederschlages wird nicht ober-, sondern unterirdisch entwässert.

Diese Kalkstein- und Gipslandschaften besitzen typischerweise eine oft dünne Erdüberdeckung sowie spaltenreiches und lösliches Gestein. Das ist eine der Grundvoraussetzungen für die Höhlenbildung."

Durch diese besondere geologische Situation kann es bei Regen in Karstgebieten bereits nach einigen Minuten bis wenigen Stunden zu einem Anstieg des Wasserspiegels kommen.

Wasser versperrt den Rückweg

Das Gefährliche: Das Witterungsereignis kann viele Kilometer entfernt auftreten und trotzdem eine Flut auslösen. Bei Hochwassereinbruch in Höhlen ist in Mittelgebirgsregionen wie Baden-Württemberg ein Wasseranstieg von etwa einem Meter in einer halben Stunde und schneller möglich.

Bei Ganghöhen von nur etwa ein bis zwei Meter Höhe kann der Rückweg somit in kürzester Zeit abgeschnitten sein.

In den Höhlen der Schwäbischen Alb wurden Wasserspiegelanstiege bis zu 18 Metern beobachtet. Weit größere Schwankungen wurden in den Schweizer Alpen beobachtet, weiß Leyk: "In der größten Höhle Europas, dem Hölloch treten sogar Wasserspiegelschwankungen von 180 Metern auf."

Gefahren beim Höhlentauchen

Bei einer Höhlenrettungsübung liegt ein Verletzter auf einer Rettungsliege; ein Helfer kniet neben ihm

Rettungsübung in der Tiefe: Helfer bergen einen Verletzten

In der Wulfbachquelle, ebenfalls auf der Schwäbischen Alb, konnte im Jahr 2000 ein Taucher nur noch tot geborgen werden. Matthias Leyk sieht die Gefahr beim Höhlentauchen zum einen in der Missachtung der subjektiven Gefahren wie Angst, Panik, Ausrüstungsmängel, Erschöpfung und Erfahrungsmangel.

Hinzu kommen die von ihm benannten objektiven Gefahren wie Tiefenrausch, Strömung, Kälte, Gasvergiftungen, Dekompressionserkrankung, Wassertrübe oder Leinenverwicklungen.

Treten einer oder sogar mehrere dieser Punkte auf, kann es zu Unfällen kommen. Der Höhlenretter weiß: "Der Weg vom noch schulenden Zwischenfall zum tödlichen Drama ist kurz. Das gilt sowohl für Geübte als auch für unbedarfte Anfänger."

Panik auf jeden Fall vermeiden

In einer Höhle stehen zwei Höhlenretter neben einem beleuchteten Biwak

Höhlenretter haben ein Biwak aufgebaut

Als besonders gefährlich erachtet der erfahrene Höhlenforscher Leyk die psychisch bedingten Unfallauslöser beim Höhlentauchen. Ausgangspunkt sei eine mentale Überforderung, verursacht durch Unsicherheiten im Handling mit der Ausrüstung, unerwartete Materialdefekte, plötzliche Eintrübung des Wassers oder extreme Anspannung.

Matthias Leyk erläutert: "Die dadurch bedingte Adrenalinausschüttung ist unter Wasser nicht hilfreich. Denn der Taucher kann nicht seinen natürlichen Reflexen folgen und schnell an die Wasseroberfläche flüchten."

Sein Rat lautet daher, jeden Meter, den der Taucher in die Höhle hineinschwimmt, auch ruhig und beherrscht wieder hinauszuschwimmen. Panik hingegen würde zu Atemnot, Herzrasen oder Kreislaufversagen führen, was im schlimmsten Fall mit dem Tod durch Ertrinken enden kann.

Erfahrene Höhlenforscher wie Matthias Leyk wenden daher Konzentrationsübungen an, die sie vorher einige Zeit wiederholt haben. Somit sorgen sie für eine ruhigere Atmung und lassen Panik gar nicht erst aufkommen.

Autorin: Andrea Wieland

Stand: 05.05.2017, 14:30

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