Höhlentauchen

Höhlentaucherin mit eingeschalteter Taschenlampen zwischen den Felswänden eines weiten Höhlenganges

Höhlenforschung

Höhlentauchen

  • Die Höhlen der Schwäbischen Alb sind die schönsten in Deutschland
  • Spezielle Kleidung und akkubetriebene Heizwesten schützen Höhlentaucher vorm Erfrieren
  • Die meisten Unglücke passieren Anfängern und Profis
  • Panik kann für Höhlentaucher lebensbedrohlich werden

Es ist finster, kalt und eng, rundum nur Wasser und Fels, der Weg zurück ans Licht dauert oft viele Stunden. Für die einen ist Höhlentauchen der Megastress schlechthin, andere finden es sogar eher entspannend. Eines ist aber klar: Schiefgehen darf nichts beim Höhlentauchen.

"Die Raumfahrt des kleinen Mannes"

"Höhlentauchen ist die Raumfahrt des kleinen Mannes", sagt Andreas Kücha. Er muss es wissen, denn der Schreiner aus dem Schwäbischen gehört zu den erfahrensten Höhlentauchern Deutschlands. Wie ein Raumfahrer und wie sonst bei kaum einer anderen "Sportart" sind Höhlentaucher häufig auf sich allein gestellt.

Die Höhlen etwa der Schwäbischen Alb sind nicht nur mit die schönsten in Deutschland, sondern sind auch oft schlammig. Tauchen dort mehrere Menschen gleichzeitig, ist die Sicht schnell gleich null und eine Orientierung dann nur noch über Hilfsmittel möglich.

Überleben im Finstern

Höhlen wie das gigantische Gangsystem, das sich hinter der Blautopfquelle bei Blaubeuren auf der Schwäbischen Alb verbirgt, sind deshalb mittlerweile in den erforschten Teilen mit einer Führungsleine ausgestattet. Das steigert die Sicherheit enorm.

Der Blautopf bei Blaubeuren.

Stille Wasser sind tief - beim Blautopf absolut zutreffend

Ein raffinierter Knotencode in dieser Leine verrät einem Taucher nicht nur, in welcher Richtung der Ausgang ist. "An der Zahl und Anordnung der Knoten in dem Seil kann er auch ertasten, wie weit der Ausgang entfernt ist", sagt Taucher Jochen Malmann, der mit Andreas Kücha oft in der Blauhöhle unterwegs ist und den Knotencode entwickelt hat.

Selbst entwickelte Ausrüstung

Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Höhlentaucher ihre Ausrüstung selbst entwickeln, denn die Anforderungen sind sehr speziell. Auch der "Rebreather" ist so eine Eigenschöpfung.

Dieses Atemgerät ermöglicht es, den Vorrat an mitgenommenen Gasflaschen zum Atmen so zu strecken, dass die Taucher zehn Mal länger unter Wasser bleiben können. So nehmen sie nur noch zwei statt theoretisch zwanzig Gasflaschen mit. Auch die sind schwer genug: 120 Kilogramm wiegt eine Höhlentauchausrüstung schnell und wird deshalb zum Teil erst im Wasser angezogen.

Der Rebreather (links) neben zwei herkömmlichen, silbernen Gasflaschen (rechts) zum Höhlentauchen.

Der Rebreather (links) reduziert die Anzahl der Gasflaschen (rechts) deutlich

Mit Heizweste unter Tage

Das Wasser in den Höhlen der Schwäbischen Alb hat eine Temperatur von acht Grad Celsius. Das bedeutet: Eine Heizung muss her, denn selbst die besten Trockenanzüge lassen die Kälte nach einer Weile durch. Und Höhlentaucher sind oft viele Stunden unter Wasser. Da hilft nur warme Kleidung.

Unter dem Taucheranzug tragen die Höhlenforscher gern warme Funktionskleidung, wie sie auch vom Skifahren bekannt ist. Und eine akkubetriebene Heizweste sorgt mit 40 Grad Wärmeleistung dafür, dass der Taucher auch nach einem Riss im Trockenanzug noch ausreichend Zeit bekommt, um aufzutauchen. Ohne solche Vorsichtsmaßnahmen wäre im kalten Wasser nach spätestens einer Stunde der sichere Tod vorprogrammiert.

Keine Panik

Die meisten Unglücke beim Höhlentauchen passieren Anfängern – und den ganz erfahrenen Tauchern. Eines der größten Probleme ist der Umgang mit lebensbedrohlichen Problemen unter Wasser. Was Höhlentaucher auszeichnet, ist der ruhige Umgang mit aufkommender Panik.

Bevor das Atemgasgemisch auf Helium umgestellt wurde, war Stickstoff der wichtigste Bestandteil, ähnlich wie in unserer normalen Atemluft. Doch unter Druck beginnt Stickstoff wie Alkohol zu wirken, ab 20 bis 30 Meter Wassertiefe kann es dann schleichend zu einem Tiefenrausch kommen. Der Puls steigt, die Konzentration sinkt, es kann sogar Halluzinationen geben – eine tödliche Gefahr.

Rettender Aufstieg unmöglich

Zügiges Aufsteigen kann Sporttaucher im offenen Wasser aus so einer Situation retten. Das ist zwar auch gefährlich, weil das im Blut gelöste Gas zu schnell wieder gasförmig wird und Taucher ohne Druckkammer auch ihr Leben riskieren. Dennoch kann der rasante Aufstieg etwa bei einem aufkommenden Tiefenrausch die Rettung bedeuten.

Für Höhlentaucher freilich ist selbst dieser gefährliche Rettungsweg häufig nicht vorhanden. Lange Gänge, hunderte Meter enge Felsgänge liegen oft zwischen ihnen und der Außenwelt. Sie müssen deshalb auch bei aufkommender Panik die Nerven behalten, Risiken noch stärker begrenzen als normale Sporttaucher.

Höhlentaucher sind deshalb weder besonders mutig und auf keinen Fall leichtsinnig: Sie würden es nicht überleben. "Es ist wie beim Extrembergsteigen", sagt Andreas Kücha, "die Kunst besteht darin zu erkennen, wann man umkehren muss."

Autor: Axel Weiß

Stand: 21.04.2017, 16:00

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