Spiegelneuronen und die Liebe

Spiegelneuronen

Spiegelneuronen und die Liebe

In der Liebe sind Spiegelneuronen besonders aktiv. Es handelt sich um eine besonders starke, gleichzeitig aber auch wundervolle Art der spiegelnden Resonanz. Woher die Liebe kommt, ist nicht zu erklären, doch wenn es sich um Liebe handelt, kommt sie von allein, ohne rationales Zutun. Wer fürs Flirten einen Ratgeber braucht, betreibt ein bewusstes Spiel, nur sollte er sich hinterher nicht fragen, warum sich kein Gefühl von Liebe einstellt.

Sympathie und Flirten

Spiegelneurone wirken bereits, wenn uns jemand sympathisch ist. Sympathie hat viel mit Empathie zu tun, denn Menschen, die in Bezug auf unsere Person und unsere Lebenssituation mitfühlend und verständnisvoll sind, wirken auf uns sympathisch. Doch der Sympathieeffekt überträgt sich nur, wenn die Person authentisch ist. Was jemand zum Ausdruck bringt, sollte mit seiner inneren Haltung übereinstimmen.

Ein Flirt in einem Elektrogeschäft zwischen Kundin und Verkäufer

Beim Flirten stimmen sich beide Beteiligten aufeinander ein

Jede zwischenmenschliche Beziehung beginnt damit, dass zwei Menschen Signale aussenden und gleichzeitig schauen, inwieweit sie vom Gegenüber zurückgespiegelt werden. Intuitiv nehmen wir wahr, was der Blick des Gegenübers über seine Emotionen und Bedürfnisse aussagt. Wir erfühlen, was die andere Person bewegt. Beim Flirten stimmen sich beide Beteiligten durch gegenseitigen Blickkontakt aufeinander ein. Ebenso führen die Paare Flirtgesten aus, die vom anderen unbewusst auch so verstanden werden. Typisch für Frauen ist, dass sie sich durch die Haare streichen, der sogenannte "Hair-flip". Männer nehmen eine typische Flirthaltung, das "Posen", ein. Sie sitzen breitbeinig da, schieben sich die Ärmel nach oben oder verschränken die Arme hinter dem Kopf. Entscheidend ist, dass sich beide der gegenseitigen Aufmerksamkeit bewusst sind. Für den ersten Kuss braucht es dann keine Worte mehr, beide schauen sich an und wissen, was passieren wird.

Die Liebe

Wenn zwei Flirtende die gleichen Bewegungen vollziehen, sodass es beinahe synchron geschieht, sprechen die Wissenschaftler vom sogenannten Chamäleon-Effekt. Es kommt zu einem nicht bewusst wahrgenommenen "Imitationseffekt". Die Bewegungen vollziehen beide Beteiligten synchron, zum Beispiel schlagen sie bei einem Rendezvous die Beine übereinander, stützen das Kinn auf oder greifen synchron zum Glas, jedes Lächeln wird erkannt und erwidert. Ausschlaggebend ist nicht, was gemacht wird, sondern dass es gleichzeitig passiert. Die Flirtenden stimmen sich auf die Emotionen des anderen ein. Neuverliebte nehmen fast zu 100 Prozent die Signale des anderen wahr und reagieren darauf. Doch mit dem Flirt ist die Aufgabe der Spiegelneuronen noch nicht beendet. Während der Liebe spielt die innere Abbildung des Partners eine große Rolle. Das spiegelnde Resonanzsystem ist in besonderem Maße aktiv. Wir können spüren, was sich in der geliebten Person bewegt, und wir haben die Bereitschaft, in uns die ausgelöste Stimmung noch zu erhöhen. Ein Experiment zeigte, dass bei Paaren, die innig miteinander verbunden sind, nicht nur das Schmerzzentrum des Gehirns angeregt wurde, wenn der Versuchsperson selbst ein Schmerz zugefügt wurde, sondern auch, wenn sie den Schmerz beim Partner miterlebt hat.

Erste Liebe: Mädchen und Junge küssen sich

Für den ersten Kuss braucht es dann keine Worte mehr

Wenn allerdings die Bereitschaft verloren geht, die Gefühle des anderen zu spiegeln, steht die Liebe bereits auf tönernen Füßen. Bemerkbar macht sich das, wenn zwei Partner den gegenseitigen Blickkontakt vermeiden und nicht mehr bereit sind, sich auf die Stimmungen des anderen einzulassen. Die innige Verbundenheit der beiden verschwindet.

Autor/in: Sabine Kaufmann

Stand: 07.11.2014, 12:00

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