Unsere Aktion Apfelblütenland

Forschung

Unsere Aktion Apfelblütenland

Wie schnell ist der Frühling? Zugegeben, eine etwas ungewöhnliche Frage, und ungewöhnlich ist auch die Methode, mit der die Redaktion von planet wissen darauf eine Antwort sucht. Im Frühjahr 2014 ruft sie nun bereits zum neunten Mal alle Zuschauer auf, die ersten Apfelblüten des Frühlings an die Redaktion zu melden. In den ersten acht Jahren kamen so über 25.000 Meldungen zusammen.

"Messgerät" Apfelbaum

Da Apfelbäume sehr geeignete "Messgeräte" für den Klimawandel sind, steigt mit jedem weiteren Beobachtungsjahr die Chance, in den Verlaufsdaten der Apfelblüte Spuren des Klimawandels zu finden. Wird das Klima wärmer, sollten die Bäume über die Jahre hinweg immer früher blühen.

Die ersten Projektjahre zeigten bereits, wie unterschiedlich der Blühverlauf von Jahr zu Jahr sein kann: Der späteste Blühbeginn wurde 2006, also gleich im ersten Projektjahr, beobachtet. Damals öffneten die Bäume erst am 26. April die Blütenknospen. Den frühesten Blühbeginn registrierte die Planet-Wissen-Redaktion bislang im Jahr 2011. Am 1. April brachen damals bei Freiburg im Breisgau die ersten Knospen auf.

Die Apfelblüte beginnt immer früher

Zweig eines Apfelbaums mit mehreren noch verschlossenen und einer geöffneten Blüte.

Wann beginnt 2014 die Apfelblüte?

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sich in den vergangenen dreißig Jahren der durchschnittliche Blühbeginn je nach Region um 6 bis 10 Tage im Kalender nach vorne verschoben hat. Die spannende Frage ist nun, ob mit Hilfe der Zuschauermeldungen im Rahmen des planet-wissen-Projekts dieser Trend auch für die kommenden Jahre bestätigt werden kann. Die Auswertung der Daten erfolgt durch Wissenschaftler der Universität Freiburg.

Ein durchaus unterhaltsamer Bestandteil jeder Beobachtungskampagne ist auch die Suche nach der allerersten geöffneten Apfelblüte in Deutschland. Heißer Favorit ist die traditionell frühjahrswarme Region um den Kaiserstuhl in Südbaden, aber auch die Großräume Köln oder Leipzig sind nicht chancenlos.

Wissenschaftlich interessant ist die Messung der Geschwindigkeit, mit der die Blütenzone vom warmen Oberrheintal an die Nord- und Ostsee wandert. Warme Wetterlagen von hoher Beständigkeit sorgten im Jahr 2007 für hohe Werte von bis zu 80 Kilometern pro Tag. In einem von Kälteeinbrüchen geprägten Frühjahr wie 2008 reduzierte sich dieser Wert auf gerade einmal 48 Kilometer pro Tag. Eine Erwärmung des Klimas sollte sich in den kommenden Jahren in tendenziell höheren Frühlingsgeschwindigkeiten bemerkbar machen.

Vergleich Tal- und Gebirgslagen

Auch der Vergleich von Apfelbäumen in Tal- und Gebirgslagen kann Hinweise auf den Klimawandel liefern. Die Frage "Wie flink klettert die Apfelblüte vom Tal in die Berge?" beantwortet die Redaktion in Zusammenarbeit mit der baden-württembergischen Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz. Deren Experten dokumentieren das Blühverhalten ausgewählter Apfelbäume in den verschiedenen Höhenlagen des Murgtals im Schwarzwald.

Die aktuellen Beobachtungen der planet-wissen-Zuschauer finden Sie in unserer Apfelblüte-Tagebuchseite auf einer Landkarte veröffentlicht. Hier wird sichtbar, was selbst Satelliten aus der Erdumlaufbahn nicht dokumentieren können: wie innerhalb von sechs bis acht Wochen die Apfelblüte von Südwest nach Nordost durch Deutschland "wandert".

Die Redaktion bittet alle Zuschauerinnen und Zuschauer und insbesondere auch Schulklassen um Meldungen zum Beginn der Apfelblüte. Die Meldungen zur Blüte können über unser Internetformular abgegeben werden. Besonders interessant für die Klimaforscher sind Daten von Bäumen, von denen die geographischen Koordinaten ebenso bekannt sind wie ihre Meereshöhe und von denen zumindest eine grobe Beschreibung des Standorts vorliegt. Schön wären auch Angaben zur Apfelsorte, die da blüht.

Autor/in: WDR/SWR

Stand: 25.02.2014, 12:00