Naturparadies Rocky Mountains

Rocky Mountains

Naturparadies Rocky Mountains

Schneebedeckte Berggipfel, eisige Gletscher, türkisblaue Seen und endlose Wäldern - die Rocky Mountains sind eine vielfältige und beeindruckende Naturlandschaft, die sich über rund 4500 Kilometer auf dem nordamerikanischen Kontinent von Alaska bis New Mexico erstreckt. Noch heute ist die Faszination für diese einzigartige, teilweise noch unberührte Naturlandschaft ungebrochen.

Alles Wasser kommt von den Bergen

Blick auf den Athabasca-Gletscher zwischen mächtigen Berggipfeln in den Rocky Mountains, Nationalpark Banff, Columbia Icefield, Alberta.

Der Athabasca-Gletscher im Banff Nationalpark

Die riesige Gebirgskette der Rocky Mountains erstreckt sich über rund 4500 Kilometer von Kanada im Norden bis in den us-amerikanischen New Mexico im Süden. Über diese gewaltige Distanz ist das Klima von großen Gegensätzen geprägt: Im Norden sind die Sommer kurz und die Winter kalt und feucht. Eisige Schneestürme türmen meterhohe Schneedecken über den bis zu 4400 Meter hohen Bergen und Gletschergebieten auf. Schuld an den vielen Niederschlägen ist der vom Pazifik kommende Westwind. Die Wolken stauen sich an den Berghängen der Rockies und regnen sich dort ab.

Das Klima der dahinterliegenden "Great Plains" im Osten ist daher sehr trocken, genauso wie die südlichen Rockies. Riesige Sanddünen bilden den Abschluss der Gebirgskette in New Mexico. Im Yellowstone Park kann es im Sommer sogar zu wochenlangen Heißwetterperioden kommen. An Wasser mangelt es in den Rocky Mountains trotzdem nicht, denn hier verläuft die nordamerikanische Wasserscheide. In den Rockies entspringen zahlreiche große Flüsse wie der Colorado River oder der Yukon. Sie haben gleich große Meere zur Auswahl, in die sie entwässern können: den Pazifik, den Atlantik und das arktische Eismeer. Im Glacier-Nationalpark im US-Bundesstaat Montana gibt es sogar einen Punkt, den "Triple Divide Peak", dessen Wasserläufe in alle drei Meere münden.

Vielfältige Natur, vielfältige Tierwelt

Die Tierwelt der Rockies ist so vielfältig wie die Region selbst. Die unterschiedlichen Vegetationsstufen und die noch vielerorts unberührte Naturlandschaft der Rocky Mountains bilden die Lebensgrundlage einer Vielzahl wilder Tiere. Ob Grizzlybär, Wolf, Bison, Murmeltier, Biber, Wühlmaus, Elch oder das für die Rockies typische Dickhornschaf, hier finden alle ihren geeigneten Lebensraum. Selbst der in freier Wildbahn schon fast ausgerottete Berglöwe - bei uns besser als Puma bekannt - streift noch durch die einsamen Wälder der Rocky Mountains.

Der eindrucksvollste Bewohner, den man in den Rockies treffen kann, ist für viele sicher der Bär. Wer sich in die einsamen Wälder und Täler vorwagt, hat bessere Chancen, die an sich menschenscheuen Schwarz- oder Grizzlybären in freier Wildbahn zu erleben. Die Verbreitung der Bären ist mittlerweile stark zurückgegangen und beschränkt sich auf den kanadischen Teil der Rockies sowie auf die größeren Nationalparks in den Staaten.

Ein Pumaweibchen mit seinen beiden Jungen liegt auf einem vorspringenden Fels - im Hintergrund die verschneite Landschaft der Rocky Mountains.

Puma mit seinem fünf Monate altem Nachwuchs

Wolfsrudel lassen sich seit 1995 wieder gut im Yellowstone Nationalpark beobachten. Sie wurden hier neu angesiedelt, da der Bestand an Rotwild mangels natürlicher Feinde zu groß wurde. Die Wölfe nehmen eine Schlüsselrolle im ökologischen Gleichgewicht ein: Sie dezimieren den Wildbestand und verändern dadurch das Ökosystem. Die Zahl der Biber ist dadurch zum Beispiel angestiegen, da sich das Wild nicht mehr so unbesorgt in die Flussniederungen vorwagt, um dort die Waldbestände kahl zu fressen.

Unterirdische Schätze

Die Rocky Mountains sind reich an Bodenschätzen. Schatzsucher fanden hier Mitte des 19. Jahrhunderts wertvolle Mineralien wie Gold, Silber und Kupfer. Diese Edelmetalle lockten Millionen von Menschen in die entlegenen Bergtäler der Rocky Mountains und setzten den größten Goldrausch in der nordamerikanischen Menschheitsgeschichte in Gang. Heute leben in der Wildnis immer noch vereinzelte "Glücksritter", die sich durch das Schürfen von Gold großen Reichtum erhoffen.

Noch gefragter sind mittlerweile andere Rohstoffe der Rocky Mountains. Die Förderung von Kohle, Erdgas und Erdöl verursacht gewaltige Umweltprobleme. Die Kohlebergwerke und die kontinuierliche Erschließung von Erdgasfeldern verschmutzen Gewässer und Böden, entziehen Fauna und Flora ihre Lebensgrundlage.

Bedrohte Naturlandschaft

Die größte Gefahr für die Rocky Mountains stellt jedoch der globale Klimawandel dar. Durch die Erwärmung der Erdatmosphäre schmelzen die Gletscher, trocknen Flüsse und Seen aus. Über die wärmeren Winter freuen sich vor allem kleine Lebewesen wie der Borkenkäfer. Die Baumschädlinge vermehren sich explosionsartig und zerstören die riesigen Waldbestände. Durch die Borkenkäferplage sind mittlerweile bis zu 50 Prozent der Waldflächen in den Rockies bedroht.

Noch können Experten nicht genau einschätzen, wie groß die Bedrohung durch den Klimawandel für das Naturparadies mittel- und langfristig sein wird. Nach einer Studie der Vereinten Nationen (UN) zählen die Rocky Mountains neben dem Himalaja-Gebirge und den Alpen zu den meistbedrohten Bergregionen der Welt. Schnelles Umdenken ist gefragt, wenn der Mensch diese einzigartige Naturlandschaft auf Dauer erhalten will.

Ein Hubschrauber hat Skifahrer auf einen schneebedeckten Gipfel im Gebiet Bobbie Burns in den Rocky Mountains in Kanada transportiert.

Mit dem Hubschrauber in die unberührte Natur

Das gilt auch für den Tourismus. Die Rocky Mountains gelten als das "Eldorado" des Wintersports schlechthin. Selbst aus den Alpen zieht es europäische Skifahrer wegen des fluffigen Pulverschnees nach Nordamerika. Der Skitourismus gefährdet die Natur noch nicht im großen Stil, da die zur Verfügung gestellte Fläche - gemessen an den gesamten Ausmaßen der Rocky Mountains - relativ klein ist. Aber seit den 1970er Jahren erfreuen sich immer mehr Skibegeisterte einer neuen Variante des Wintersports. "Heliskiing" heißt das englische Zauberwort. Mit dem Hubschrauber geht es auf einsame Gipfel und von dort querfeldein durch die unberührte Wildnis. Für Skifahrer sicher ein Erlebnis, nicht aber für das empfindsame Ökosystem der Rocky Mountains.

Autor/in: Sandra Kampmann

Stand: 14.05.2014, 13:00

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