Pferde

Haustiere

Pferde

Vor 60 Millionen Jahren sah das Pferd eher aus wie der andere beste Freund des Menschen heute: wie ein Hund. Hyracotherium oder Eohippus war etwa 35 Zentimeter hoch und schlich auf Pfoten durch sumpfige Wälder. Die Entwicklungsgeschichte des Pferdes ist sehr gut belegt - von kaum einem anderen Tier gibt es so viele Fossilienfunde. Dass die Wissenschaft über Pferde so gut Bescheid weiß, liegt sicherlich auch daran, dass der Vierbeiner früh einen hohen Stellenwert als Fortbewegungsmittel für den Menschen hatte.

Vom Wald- zum Steppenbewohner

Eine Stärke des Pferdes ist seine Anpassungsfähigkeit. Die half schon seinen frühen Vorfahren. Über die Landbrücken, die vor der Eiszeit existierten, wanderte das Pferd nach Europa und Asien ein und eroberte auf fünf Kontinenten unterschiedliche Lebensräume. Nur in seiner Urheimat Nordamerika starb das Pferd vor etwa 10.000 Jahren aus - warum, ist nicht geklärt. Die heute dort lebenden Mustangs sind verwilderte Nachfahren der Pferde, die spanische Eroberer mitbrachten.

Die versteinerten Knochen eines winzigen Pferdevorfahren.

Ein versteinertes Pferdchen

Weil es auf der Erde wärmer wurde, zogen die Vorfahren unseres Pferdes aus den Wäldern in die Steppe und veränderten dabei ihr Aussehen. Für Waldbewohner ist es nützlich klein zu sein, damit sie sich besser verstecken können. In der Steppe hingegen ist Körpergröße von Vorteil: Sie verschafft den besseren Überblick. Außerdem begannen die Pferdeahnen in Herden zu leben. So konnten einige Wache halten, andere schlafen, fressen oder sich um den Nachwuchs kümmern. Das ausgeprägte Sozialverhalten sicherte den frühen Vorfahren der Pferde einen Evolutionsvorteil.

Vom Beute- zum Reittier

Die Höhlenzeichnung zeigt ein braunes Pferd und fliegende Pfeile.

Höhlenmalereien in Lascaux

Für den Menschen war das Pferd zuerst Jagdbeute. Das belegen zum Beispiel die mehr als 15.000 Jahre alten Höhlenmalereien in Lascaux in der französischen Dordogne, die einen Jagdzauber mit Pferden zeigen. Wann der Mensch begann, Pferde zu zähmen, weiß die Wissenschaft nicht genau. Lange vermutete man, es sei vor etwa 4000 Jahren gewesen, aber 2009 fanden Archäologen heraus, dass die Menschen der Botai-Kultur im heutigen Kasachstan schon vor 5500 Jahren auf Pferden durch die Steppe ritten. Knochenfunde dieser frühen Reitpferde zeigen auch, dass die Botai schon Pferde züchteten - denn die Reitpferde unterschieden sich in ihrem Körperbau bereits von den Wildformen.

Ein braunes kleines Wildpferd tritt nach einem anderen.

Przewalski-Pferde - so ähnlich sahen die Urpferde aus

Vielleicht wurde das Pferd also in Asien zum Haustier, vielleicht aber auch in Nordindien oder Nordeuropa - oder in mehreren Teilen der Welt zu unterschiedlichen Zeiten. Sicher ist: Das Pferd als Reit- und Fahrtier eröffnete dem Menschen ganz neue Möglichkeiten. Es erweiterte seine Welt enorm. Auf einem Pferd war der Mensch mindestens doppelt so schnell wie zu Fuß. Er konnte weitere Strecken zurücklegen und neue Gebiete erschließen. Außerdem brachte die größere Bewegungsfreiheit den Menschen mit vielen Unbekannten in Kontakt. Das kurbelte nicht nur den Handel an, sondern auch die Entwicklung der Sprache.

Streithengste und Schlachtrösser

Dass der Mensch zu Pferd weitere Gebiete erschließen konnte, bedeutete allerdings auch, dass es häufiger zu Grenzkonflikten kam. Und so spielte das Pferd bald auch in der Kriegsführung eine große Rolle. Schon um 600 nach Christus züchteten die Beduinen Araberpferde, besonders schnelle und ausdauernde Tiere. Bei den Nomaden hatten sie engen Familienanschluss und sollten ihren Herren treu ergeben sein. Im Mittelalter mussten Kriegspferde vor allem groß und stark sein, um ihre Reiter, die Ritter und deren Rüstungen, zu tragen. Als das Schießpulver entwickelt wurde, wurden die Pferde wieder eleganter und schneller.

Zeichnung eines Ritters in eiserner Rüstung auf einem Pferd, das ebenfalls eine Rüstung trägt.

Um so in den Krieg zu ziehen, brauchte man ein starkes Pferd

Im Ersten Weltkrieg kamen Millionen von Pferden zum Einsatz und auch im Zweiten Weltkrieg gab es noch mehr als 2,7 Millionen Wehrmachtspferde. Die meisten zogen Kanonen oder Versorgungswagen und nur wenige überlebten den Krieg. Etwa 865 Pferde starben im Zweiten Weltkrieg an jedem Tag. Auch heute gibt es noch Kavalleriepferde, sie machen aber einen deutlich ungefährlicheren Job: Sie werden vor allem für Paraden benötigt.

Einsatz in der Landwirtschaft und der Freizeit

Nicht nur als Reit-, sondern auch als Zugtiere waren Pferde viele Jahrtausende lang unersetzbar. Vor die Kutschen spannte man meist mehrere Pferde, aber um ihre schweren Pflüge zu ziehen, brauchten die Bauern echte Kraftpakete: Kaltblüter, riesige Pferde mit einer enormen Zugleistung. Manche Kaltblutrassen wie das Shire Horse wiegen über eine Tonne und können das Zweifache ihres Gewichtes ziehen. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts hing die Wirtschaft auf der gesamten Welt völlig von der Nutzung der Pferdestärke ab.

Zwei schwere braune Pferde ziehen einen Pflug.

Inzwischen werden wieder mehr Pferde auf Feldern eingesetzt

Eine Zeitlang sah es so aus, als könnte das Auto das Pferd verdrängen. Maschinen übernahmen seine Arbeit. In den 1950er Jahren gab es in Deutschland nur noch etwa 30.000 Pferde. Aber das Pferd entwickelte sich schnell vom Arbeitstier zum Sport- und Erholungspartner. Die "Deutsche Reiterliche Vereinigung" schätzt, dass es heute wieder mehr als eine Million Pferde und Ponys in Deutschland gibt.

Weiterführende Infos

Autor/in: Christine Buth

Stand: 12.06.2015, 12:00