Bienensterben

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Bienensterben

Weltweit sterben Bienenvölker. Die Zahlen geben Grund zur Sorge. Wie es zu dem Sterben in manchen Gebieten der Erde kommt, ist bisher weitgehend unklar. Das Massensterben unter den Bienen gefährdet auch die Existenz von Imkern.

Die Honigbiene in Gefahr

Zahlreiche tote Bienen liegen in einem Bienenstock übereinander.

Zahlreiche tote Bienen liegen in einem Bienenstock übereinander.

Zu Beginn des Frühlings sind die Imker seit Jahren weltweit dazu gezwungen, ein trauriges Ritual auf sich zu nehmen und eine Bestandsaufnahme ihrer Bienenvölker zu machen. Mittlerweile müssen sie darauf einstellen, innerhalb eines Winters fast ein Drittel ihrer Schützlinge zu verlieren. Viele der Bienen sterben eines natürlichen Todes. Andere nicht: Ihr Tod ist etwa auf die Varroa-Milbe zurückzuführen, die 1977 aus Asien nach Deutschland eingeschleppt wurde.

Die Varroa-Milbe breitet sich aus

Varroa-Milbe sitzt auf Larve einer Honigbiene.

Die Varroa-Milbe befällt bevorzugt die Larven der Honigbiene

Nach einer Langzeitstudie der Goethe-Universität steigt die Zahl der Bienen, die von der Milbe befallen wurden: Im Winter 2011 zählten die Forscher in einem Untersuchungsgebiet in Hessen mehr Milben als in den drei Jahren zuvor. Die Varroa-Milbe zehrt vom Blut des Opfers und überträgt so Krankheitserreger. Wird ein Bienenvolk nicht behandelt, kann es an dem Milbenbefall zugrunde gehen.

Derzeit untersuchen Forscher in Deutschland, wie sie dem Parasiten mit relativ umweltverträglichen Mitteln beikommen können, etwa mit Ameisensäure oder Milchsäure. Nicht immer mit Erfolg. Ein schonendes Mittel, mit dem Imker ihre Völker retten können, gibt es bislang nicht.

Insektizide: Bienen schwirren orientierungslos rum

Auch Pflanzenschutzmittel können den Bienen schaden. Vor allem jene Mittel, die Bauern zur Saatgutbehandlung und -reinigung verwenden, die Neonikotinoide, wirken offenbar negativ auf die Bienen. Das Mittel wirke nicht unmittelbar tödlich auf die Bienen, das sagt ein Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Die Tiere verlieren jedoch an Orientierung und finden nicht in den Bienenstock zurück.

Manche Forscher vermuten, dass es sich dabei um die Auslöser des Bienenkollapses handelt, dem Colony Collapse Disorder. Die Bienen verlassen den Stock, ohne je wieder zurückzukehren. Oft bleiben nur die Königin und ein paar Arbeiterinnen, die sich jedoch ungewöhnlich verhalten. Die Tiere fressen nicht mehr, vernachlässigen die Brut und sterben wenig später irgendwo außerhalb des Bienenstocks.

Die Immunabwehr schwächelt

Tote Bienen liegen auf dem Boden zerstreut umher.

Der Bienenkollaps führt zum Tod der Kolonie

Dass Honigbienen heute offenbar generell anfälliger gegenüber Krankheiten und Parasiten sind, deutet auch auf ein geschwächtes Immunsystem hin. Schon seit längerer Zeit untersuchen Forscher verschiedene Faktoren wie den weltweit gestiegenen Anbau von Monokulturen und den Transportstress der Völker. Die Bienen werden mittlerweile zum Bestäuben häufig von Feld zu Feld gefahren. Einige Forscher weisen darauf hin, dass ein neuer Virus die Ursache des Massensterbens sein könnte, da das Verbreitungsmuster dem einer Infektionskrankheit entspricht.

Doch klare Belege fehlen - und das Immunsystem der Bienen ist noch kaum erforscht. Um es besser zu verstehen, beschreiten die Wissenschaftler der Würzburger "BEEgroup" neue Wege in der Bienenforschung. Für eine kontinuierliche Forschungsarbeit an der Honigbiene Apis mellifera benötigen die Forscher das ganze Jahr über frische Bienenlarven. Doch im Winter legt die Königin eines Bienenvolks in der Regel keine Eier. Daher lag die Bienenforschung über den Winter oftmals auf Eis. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Mithilfe eines Bienenflugraums gaukeln die Forscher den Bienen ein ewiges Sommermärchen vor. Angenehme Temperaturen von mehr 20 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent bieten der Bienenkönigin ideale Voraussetzungen, um das ganze Jahr hindurch brüten zu können. Selbst Morgen- und Abenddämmerung sowie der Tagesverlauf der Sonne werden im Bienenflugraum simuliert. Ausgestattet mit dieser hochmodernen Technik sind die Forscher nun in der Lage, das Immunsystem der Honigbiene übers ganze Jahr zu untersuchen. Dazu werden die Versuchsbienen zunächst mit verschiedenen Krankheitserregern infiziert.

Ihr Ziel ist es, das Immunsystem der Bienen besser zu verstehen. Sie könnten etwa jene Bienen mit einem starken Immunsystem selektieren. Also jene Bienen, die etwa Resistenzen gegen Krankheitserreger aufweisen, die von der Varroa-Milbe übertragen werden. Diese Bienen könnten dann den Grundstock für die Zucht von neuen Bienenvölkern bilden.

Autor/in: Sebastian Rams/Inka Reichert

Stand: 30.04.2014, 13:00

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