Klima verändert die Weltmeere

Scholle mit ihren typisch orangen Punkten

Klimaforschung

Klima verändert die Weltmeere

Haie vor Mallorca, Sardinen und Tintenfische in der Nordsee. Der Klimawandel wirbelt die Meeresökologie ganz schön durcheinander. Bisher wenig beachtet von der Öffentlichkeit schlägt die globale Erwärmung auch in den Weltmeeren hohe Wellen. Allein die Nordsee hat sich in den letzten hundert Jahren um zwei Grad aufgeheizt – Tendenz steigend. Da flüchtet der Kabeljau lieber in den kühleren Norden.

Weniger Nordseefische durch wärmeres Wasser

Warmes Wasser hat einen geringeren Sauerstoffgehalt als kaltes Wasser. Für das Leben im Meer hat das unangenehme Folgen, denn eine wärmebedingte Unterversorgung mit Sauerstoff beeinflusst den Fischbestand. Das konnten Wissenschaftler des Alfred Wegener Instituts nachweisen.

Mit ihren Untersuchungen an der "Aalmutter", einem Fisch der fast in allen Weltmeeren vorkommt, haben die Forscher gezeigt, dass die Erwärmung der Nordsee den Bestand der Aalmutter dezimiert. Das liegt daran, dass Fische nur innerhalb eines begrenzten Temperaturfensters auf Veränderungen reagieren können.

Bei steigender Temperatur verschlechtert sich die Sauerstoffversorgung des Organismus. In der Folge bricht die Sauerstoffversorgung zusammen und der Organismus ist nicht mehr lebensfähig.

Noch wesentlich empfindlicher als in der Nordsee reagieren Fische in den Polarregionen, weil die eine kleinere Wärmetoleranz besitzen. Die Tendenz ist eindeutig: Überall dort, wo es den Meeresbewohnern zu mollig wird, wandern sie nach Norden. Im Mittelmeer wurden bereits weiße Haie und in der Nordsee Sardinen, Doraden und Tintenfische gesichtet.

Stirbt das Meer?

Auch das Phytoplankton, pflanzliches Plankton, das am Anfang der Nahrungskette vieler Meerestiere steht, ist durch die Erwärmung der Meere auf dem Rückzug. Das klingt zunächst paradox, denn Algen und Plankton vermehren sich besonders gut bei höheren Wassertemperaturen – aber nur bis zu einem gewissen Grad. Der Grund: Die Erwärmung der Ozeane erschwert den für das Plankton lebenswichtigen Nähstoffaustausch zwischen den Wasserschichten.

Plankton kommt in den oberen Schichten der Ozeane vor, wo es perfekte Bedingungen für die Photosynthese findet. Aber die Schwebeteilchen brauchen zum Leben auch Eisen. Doch das befindet sich in tieferen Wasserschichten und wird normalerweise durch Strömungen nach oben transportiert.

Immer häufiger legt sich aber warmes Oberflächenwasser über die kühleren Schichten der Tiefe und verhindert so den Nährstoff-Austausch. In der Folge gehen die Bestände von Fischen und Schalentieren zurück. Davon ist insbesondere die Fischerei in den Tropen und mittleren Breiten betroffen und auf lange Sicht ist das Leben im Meer ernsthaft bedroht.

Vorteil für die Schifffahrt und Rohstoffquellen

Aus Beobachtungen der vergangenen 50 Jahre folgt eindeutig: Das Meereis der Arktis geht zurück. Setzt sich dieser Trend fort, wird das Nordpolarmeer im Sommer völlig eisfrei sein. Einerseits ist das ein Problem, weil der Rückgang der Eisflächen zu weiterer Erwärmung des Klimas führt, viele Arten wie Eisbären und Robben bedroht und auch den für uns wichtigen Golfstrom stören kann.

junger Seehund

Keine guten Aussichten für die Robben

Andererseits eröffnen sich für die Schifffahrt ganz neue Perspektiven. Die nördlichen Seewege, die Nordost- und Nordwestpassage, wären dann länger und sicherer befahrbar. Dadurch verkürzen sich die Schifffahrtsrouten dauerhaft um bis zu 40 Prozent und der Zugang zu Ressourcen wird erleichtert.

In der russischen Arktis befinden sich beträchtliche Öl-, Erdgas-, Kupfer- und Nickelvorkommen, die sich am besten über den Seeweg abtransportieren lassen.

Allerdings, so weisen zum Beispiel Studien des kanadischen "Institute of Ocean Sciences" aus, könnte der Rückgang des Meereises auch zu weiteren Risiken für die Schifffahrt in der Nordwestpassage führen. Nach den Beobachtungen des Instituts könnten durch höhere Temperaturen auch mehr unkalkulierbare Eisbewegungen entstehen, die eine Gefahr für die Schifffahrt darstellen.

Autor: Harald Brenner

Weiterführende Infos

Stand: 05.04.2017, 13:33

Darstellung: