Schwarzes Meer

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Schwarzes Meer

Das Schwarze Meer ist das unbekannteste Meer Europas, denn lange Zeit war es – zumindest für Westeuropäer – quasi unzugänglich. Verborgen blieben die faszinierenden Küsten mit ihren steilen Klippen, sandigen Ufern, gigantischen Vogelvorkommen und Hafenstädten. Und verborgen blieb damit lange auch die Region, in der Geoforscher vermuten, dass hier die biblische Sintflut stattgefunden haben könnte.

Die Entstehungsgeschichte des Schwarzen Meeres

Blickauf ein Sanatorium direkt am Schwarzen Meer befindet - im Hintergrund sieht man den Bärenberg (Krim, Ukraine).

Die Halbinsel Krim am Schwarzen Meer

Lange war das Schwarze Meer ein reiner Binnen- und Süßwassersee. Wie es dann zu einem salzigen Gewässer mit Zugang zum Mittelmeer wurde, beschäftigt bis heute die Geologen. Fest steht, dass irgendwann in der Geschichte der Bosporus durchbrach und dadurch eine dauerhafte Verbindung zum Mittelmeer entstand. Diese Verbindung besteht seit circa 7000 Jahren. Wie es dazu gekommen ist, darüber gibt es unterschiedliche Theorien. Die in ihrem Charme bestechendste Vermutung ist, dass es vor 7000 Jahren zu einer gigantischen Überflutung des Schwarzen Meeres gekommen ist. Tatsächlich scheint, wenn, dann das Schwarze Meer der Ort der biblischen Sintflut gewesen zu sein.

Die führenden Wissenschaftler, die die These von der Sintflut am Schwarzen Meer vertreten, sind Walter Pitman und William Ryan, die ihre Thesen Mitte der 90er Jahre in einem Buch veröffentlicht haben, das weltweit Furore gemacht hat. Sie vertreten die Ansicht, dass zum Ende der letzten Eiszeit die Gletscher abgeschmolzen sind, dass die Weltmeere stiegen, und zwar so sehr, dass sich der Bosporus mit tosender Gewalt ins tiefer gelegene Schwarze Meer ergoss. Dieser Theorie widersprechen andere Wissenschaftler. So haben die Potsdamer Geowissenschaftler Helge Arz und Christian Borowski mithilfe von Bohrkernen herausgefunden, dass es Salzwassermuscheln auch schon vor 100.000 Jahren gegeben hat. Also war die Überschwemmung vor 7000 Jahren nicht das erste Salzwasser, das in das Schwarze Meer gelangt ist. Und Wissenschaftler widersprechen der Annahme, dass diese Sintflut die Ausmaße hatte, wie sie Ryan und Pitman nahelegen. Sie vermuten eher, dass das Salzwasser nicht über den Bosporus gestürzt, sondern gemächlich geschwappt ist.

Meeresbiologische Fakten

Blick auf die Galatabrücke und Bosporus (Istanbul, Marmaragebiet, Türkei).

Blick auf die Galatabrücke und den Bosporus (Istanbul)

Seit 7000 Jahren gibt es über den Bosporus eine Verbindung zum Mittelmeer, wodurch Salzwasser ins Schwarze Meer gelangt. Die großen Zuflüsse wie die Donau, der Dnepr und der Don bringen kontinuierlich gewaltige Süßwassermengen ins Schwarze Meer. So kommt es, dass das Schwarze Meer einen fast nur halb so großen Salzwassergehalt hat wie die großen Ozeane. Zudem gibt es zwei Wasserschichten, die quasi keinen Wasseraustausch untereinander haben. Dabei schwimmt die leichtere, weniger Salz enthaltende Schicht über der schwereren, salzhaltigeren unteren Schicht.

Vor etwa 4000 Jahren ist das Wasser der unteren Schicht umgekippt. Die Wissenschaftler sprechen vom anoxischen beziehungsweise anaeroben, das heißt sauerstofffreien Wasser. Umweltwissenschaftler wie Professor Gerhard Bohrmann vom Marum-Zentrum der Uni Bremen erklären sich diesen Vorgang so: Das organische Material der oberen Schicht ist kontinuierlich in die untere Schicht gefallen, wo es mikrobiologisch abgebaut wurde. Für diesen Vorgang wird Sauerstoff benötigt. Zudem steigt vom Meeresboden Methangas auf. Auch Methan reagiert mit Sauerstoff und verbraucht ihn damit, sodass der Sauerstoffgehalt der unteren Schicht immer kleiner wurde, bis gar keiner mehr vorhanden war. Seitdem ist nur noch die obere Wasserschicht von etwa 150 Metern sauerstoffhaltig und die gewaltige Wassermenge darunter (das Schwarze Meer hat eine Tiefe von bis zu 2200 Metern) ist tot. Dort kann kein Lebewesen - mit Ausnahme einiger hoch spezialisierter Mikroorganismen - existieren. In der oberen Schicht allerdings quoll das Schwarze Meer lange Zeit vor Leben über. Die Fischgründe des Schwarzen Meeres schienen lange Zeit unerschöpflich und es gab enorm große Vorkommen von (Wasser-) Vögeln.

Die Umweltbelastungen der letzten 150 Jahre allerdings haben das Schwarze Meer zum bedrohtesten Meer der Erde gemacht. Die Zuflüsse bringen heute kaum mehr Frischwasser, sondern Abwässer aus Industrie und Städten. Küstengebiete, die traditionell Laichplätze für Fische waren, sind vielfach zubetoniert und es gibt quasi keine Klärwerke. Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks wird dem Schwarzen Meer allerdings eine Atempause gewährt. Auch können die EU-Länder (Europäische Union) Bulgarien und Rumänien mit Geld aus Brüssel in Klärwerke investieren.

Der Name des Meeres

Auf Grund gelaufene Schiffe an der Schwarzmeerküste bei Krasnodar - Russland.

Das Schwarze Meer ist tatsächlich sehr trüb

Warum sich der Name "Schwarzes Meer" heute durchgesetzt hat, dafür gibt es verschiedene Erklärungen. Zum einen kann man tatsächlich nur einen halben Meter tief ins Wasser blicken, denn das Schwarze Meer ist sehr trüb. Historisch gesehen hat der Name aber eine andere Wurzel. Denn als die Osmanen Anatolien erobert hatten, mussten sie eine Bezeichnung für das Schwarze Meer finden. So übernahmen sie den Namen zunächst von den kolonisierenden Venezianern und Genuesern. Diese hatten das Schwarze Meer "Mare Maggiore", also "Großes Meer" genannt. Im Türkischen übersetzte man das als "Kara Deniz". Doch "kara" hieß schon damals nicht nur groß, sondern auch finster, trüb. Im Laufe der Zeit veränderte "kara" seine Bedeutung und bedeutete nur noch "finster", sodass die Bulgaren, Ukrainer und Russen diesen Namen später als "Schwarzes Meer" übernahmen.

Eine weitere Erklärung setzt ebenfalls bei den Türken und Osmanen an. Denn die Osmanen bezeichneten früher die Himmelsrichtungen mit Farben. Rot war der Süden, Blau der Osten, Schwarz der Norden und Weiß der Westen. Und so bekamen die nächstgelegenen Meere ihre Namen: Rotes Meer im Süden, Weißes Meer im Westen (die Ägäis heißt auf Bulgarisch, Serbisch und Makedonisch noch heute Weißes Meer) und Schwarzes Meer im Norden.

Siedlungsgeschichte

Blick auf einen den Strand von Druschba am Schwarzen Meer mit sonnenhungrigen Urlaubern.

Verlockend: das milde Klima am Schwarzen Meer

Am Schwarzen Meer siedelten sich im Laufe der Jahrtausende die verschiedensten Völker an, sodass der Ostmitteleuropa-Historiker Prof. Stefan Troebst von einer regelrechten "Autobahn der Völkerwanderung" spricht. Besonders zwischen den Jahren 0 und 1000 sind quasi sämtliche Völker, die von Ost nach West gezogen sind, an der Nordküste des Schwarzen Meers vorbeigewandert: die Hunnen, Skythen, Mongolen, Ostgoten, Tataren, Griechen, Venezianer, Genuesen, Osmanen und später die Russen. Außerdem verlief die nördliche Seidenstraße am Schwarzen Meer entlang. Auch das milde Klima - vor allem im Sommer, schließlich liegt das Schwarze Meer auf demselben Breitengrad wie die französische Mittelmeerküste - und die fruchtbaren Böden machten das Land attraktiv. Die ukrainische Schwarzmeerregion war besonders fruchtbar und ist noch heute die Kornkammer der Region. Auch die reichen Fischbestände zogen die Menschen an.

Das Schwarze Meer und die Deutschen

Katharina II., Zarin von Russland auf einem Gemälde von Fjodor S. Rokotow (1770).

Ehemals deutsche Prinzessin: Katharina die Große

Besondere Bedeutung für die Besiedlung aus deutscher Perspektive spielte Zarin Katharina die Große im 18. Jahrhundert. Die ehemals deutsche Prinzessin von Anhalt-Zerbst-Dornburg siedelte viele Europäer in der Region an. Ein Beispiel ist die Krim. Die traditionell dort ansässigen Krimtataren waren vielfach ins Osmanische Reich übergesiedelt, als Russland die Herrschaft über die Region erlangte. Folglich war die Krim fast entvölkert.

Katharina die Große aber hatte große Pläne für die Region. Strategisch war es ihr wichtig, einen Meereszugang auch nach Süden hin zu haben. Sie wollte große Landwirtschaft und wichtige Häfen schaffen, um den Handel Russlands voranzutreiben. Weil sie den Russen das nicht zutraute, warb sie vor allem landlose Europäer an. Sie bot den Siedlern viele Privilegien wie die Befreiung vom Militärdienst und von den Steuern. So entstanden rein deutsche, ungarische oder polnische Dörfer, die sich auch deswegen nicht in die Haare bekamen, weil sie unterschiedliche Arbeiten verrichteten. Die Deutschen waren für technische Dinge zuständig, haben beispielsweise Wagenräder angefertigt und stiegen nicht selten zur intellektuellen Elite des Zarenreiches auf.

Doch die guten Beziehungen der Schwarzmeerdeutschen zu den Russen schwand mit dem Aufstieg Stalins. Denn die Bolschewiken hatten nicht nur die Deutschen im Verdacht, ihnen feindlich gesonnen zu sein. Bulgaren, Tataren und Deutsche wurden ab den 1930er Jahren zwangsumgesiedelt, etwa nach Kasachstan oder Sibirien. Der Vormarsch der Wehrmacht machte die Lage noch schwieriger. 1941 annektierten die Nazis die Krim im Rahmen ihres Generalplans Ost. Dabei sollte die Krim zum sogenannten "Gotengau" werden. Doch der Plan vom "Lebensraum im Osten" wurde nie realisiert, denn ab 1944 befanden sich die Truppen der Wehrmacht auf dem Rückzug und der Krieg war für Nazideutschland verloren.

Jalta - Ort der Konferenz der Siegermächte

Schwarzweiß-Fotografie: Stalin (links), Roosevelt (mitte) und Churchill (rechts) bei der Konferenz von Jalta im Februar 1945.

Die Konferenz von Jalta im Februar 1945

Noch eine Stadt hat mit der deutschen Geschichte zu tun: Jalta. In der Krimstadt trafen sich im Februar 1945 die Siegermächte und beschlossen, dass der Krieg erst mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen beendet sein würde, während für Verbündete wie Schweden und Dänemark auch der Waffenstillstand für den Frieden reichte. Jalta ist aber nicht nur den Deutschen ein Begriff, auch für die Polen spielte diese Konferenz eine entscheidende Rolle. Denn obwohl Polen zu den größten Leidtragenden des Zweiten Weltkriegs gehörte und am Ende eigentlich zu den Siegern, beschlossen die USA, Großbritannien und die UdSSR auf dieser Konferenz, dass Polen künftig zur russischen Einflusszone gehören sollte.

Autorin: Christiane Gorse

Stand: 13.11.2015, 09:00