Europäische Fischereipolitik

Verschiedene Speisefische, mit Zitrone und Petersilie zum Verkauf dekoriert.

Überfischung der Meere

Europäische Fischereipolitik

Wollen wir auch in Zukunft leckeren Meeresfisch genießen, muss die Art und Weise, wie dieser gefangen wird, komplett geändert werden. Dies kann nur durch internationale Abkommen und die Marktmacht der Verbraucher gelingen.

Die Fischbestände sollen sich erholen

Laut Europäischer Kommission sind drei Viertel der Fischbestände in den EU-Gewässern überfischt. Nun soll alles besser werden: Die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP), die den Fischfang in europäischen Gewässern regelt, wurde 2014 reformiert.

In den europäischen Gewässern regelt die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) den Fischfang. Darin werden die Bedingungen und die den Nationen zugeteilten Fangmengen festgelegt. Bereits 2002 hat sich die Europäische Union auf dem Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg verpflichtet: Schluss mit der Überfischung, Schluss mit der Ausbeutung der Meere.

Bis 2020 sollen sich die Fischbestände erholt haben. 2013 haben sich die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und der Europäische Rat auf eine Reform der europäischen Fischereipolitik geeinigt, um die Fischbestände zu retten. 2014 ist sie in Kraft getreten.

Das Dilemma

Die Europaflagge flattert im Wind.

Gemeinsame Fischereipolitik der EU

Die Reform war ein schwieriges Vorhaben, galt es doch entgegengesetzte Interessen zu vereinen: zum einen das ökologische Ziel, weniger Fisch zu fangen, um die Meeresschätze aufzubauen und zu erhalten. Zum anderen die Forderung der Fischereiindustrie nach maximalem Gewinn und Sicherung ihrer Arbeitsplätze.

Fakt ist: Zu viele Schiffe jagen den wenigen Fisch, der noch in den Meeren lebt. Deutschland hat europaweit nur einen recht geringen Anteil an der aktiven Fischerei. Rund 3000 Arbeitsplätze bietet die Fischerei auf den Fangschiffen. Dagegen leben rund 42.000 Menschen von der Verarbeitung und dem Vertrieb von Fischen und Fischprodukten. Da wir Fisch ohnehin überwiegend einführen, werden in Deutschland durch die geplante EU-Reform nicht so viele Arbeitsplätze wegfallen wie in anderen Regionen Europas.

Ländern, die Sorge davor haben, Arbeitsplätze zu verlieren, hält die europäische Kommission entgegen: Wer heute die Bestände schone, habe nach 2020 15 Millionen Tonnen Fisch mehr zum Fangen. Trotz nachhaltigem Fischfang könnten so auf Dauer etwa 37.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Fangquoten - bislang ignoriert

Fischer entleeren ein Fangnetz voller Fische.

Bislang zu viel gefischt

Welche Fischart darf jedes einzelne Land aus dem Meer ziehen? Und wie viel davon? Von 2014 an müssen die einzelnen Länder bei der Festlegung der Fangquoten wissenschaftlichen Empfehlungen folgen. Diese stammen im Wesentlichen vom Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES). Mit dem ICES leistet sich die Europäische Union hochrangige Wissenschaftler, die 110 Fischarten überwachen und deren Bestandsentwicklung erforschen.

Bereits seit Langem empfehlen diese dem Europäischen Rat Quoten zur maximalen Befischung. Doch vor der Reform ignorierten die Fischereiminister die Empfehlungen. Aus politisch-ökonomischen Gründen legten sie viel höhere Quoten fest und trugen damit maßgeblich zur Überfischung der Meere bei. Damit soll nun Schluss sein. Schon Ende 2013 wendeten die EU-Fischereiminister die eigentlich erst ab 2014 geltende Reform an und hörten auf die Empfehlungen der Wissenschaftler.

Langfristige Planung statt jährlicher Schacherei

Mehrere Fischerboote liegen am Hafen.

Ein Hafen in England

Auch unabhängig von der Fischindustrie sind Fischbestände jährlichen Schwankungen unterworfen. Ist zum Beispiel das Nahrungsangebot besonders gut, gibt es auch besonders viel Nachwuchs. Im nächsten Jahr kann jedoch alles wieder anders sein.

Vor der Reform schacherten die Fischereiminister jedes Jahr um die Fangquoten. Gab es zu dem Zeitpunkt viele Fische, waren sie höher - gab es weniger, sanken sie. Auf Dauer ließen sich so keine Bestände verlässlich aufbauen. Die mit der Reform beschlossenen mehrjährigen Bewirtschaftungspläne sollen die Fische schützen.

Verbot von Rückwürfen

Fischer kippen Fische über Bord.

In Zukunft sollen Fischer den Beifang nicht mehr über Bord werfen dürfen

Nicht jeder Fisch, der im Netz der Fischer landet, ist dort erwünscht. Bei durchschnittlich einem Viertel des Fangs handelt es sich um zu kleine und damit wertlose Fische oder schlichtweg um solche, die der Fischer offiziell nicht fangen darf. Bislang mussten diese als Beifang auf dem offenen Meer über Bord geworfen werden. Eine sinnlose Verschwendung, zumal die Tiere dann oftmals bereits tot sind.

Nach der neuen Reform der Fischereipolitik werden stufenweise bis 2019 die Fischer gezwungen, ihren Beifang zu behalten und an Land zu bringen. Dieser wird dann auf ihre eigentliche Fangquote angerechnet. Je mehr wertloser Beifang, desto weniger kostbaren Speisefisch kann der Fischer fangen und verkaufen. Deshalb wird er aus eigenem Interesse versuchen, durch spezialisierte Fangmethoden nur die richtigen Fische ins Netz zu bekommen.

Doch einige Ausnahmen von der Regel laden zum Schummeln ein: Fische, deren Fang verboten ist, dürfen nach wie vor über Bord gekippt werden. Darunter fallen auch einige Haiarten. Fische, die nach dem Rückwurf eine Überlebenschance haben, brauchen ebenfalls nicht angelandet zu werden. Zudem können generell von der jährlichen Fangmenge fünf Prozent wieder ins Meer geworfen werden, wenn spezialisierte Fangmethoden angewendet wurden. Umweltverbände warnen, dass solche Ausnahmen nicht zu kontrollieren seien.

Grenzenlose Freiheit? Fischen auf hoher See

Großer Fischtrawler auf weitem Meer.

Ein Trawler auf hoher See

Staaten können Regeln für die Fischerei nur für ihre ausschließliche Wirtschaftszone aufstellen. Diese erstreckt sich jeweils bis zu 200 Seemeilen vor ihrer Küste. Dahinter lockt die hohe See. Auf ihr dürfen laut dem Internationalen Seerecht theoretisch alle Staaten fischen, solange sie die Interessen anderer Staaten genügend berücksichtigen. Praktisch jedoch verwalten Regionale Fischereiorganisationen (RFO) die wichtigsten Fanggebiete. Mitglieder einer RFO sind an die Region angrenzende Küstenstaaten, aber auch andere an der Fischerei interessierte Länder.

Die EU ist Mitglied in 17 RFOs und darf so in der jeweiligen Region fischen. Sollte hingegen ein Schiff einer anderen Nation dort seine Netze auswerfen, wird dies als Piraterie gewertet. Diese illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei, kurz IUU (illegal, unreported and unregulated) genannt, wird schwer bestraft. Die Schiffe kommen auf eine schwarze Liste und können weltweit kaum mehr einen Hafen anlaufen. Mit ihrer Ladung zu handeln, wird bestraft.

Die Regionalen Fischereiorganisationen schränken dadurch den Raubbau der Meere ein. Durch die Reform der gemeinsamen Fischereipolitik sind europäische Länder zudem verpflichtet, sich für die gleichen Ziele einzusetzen, die auch für ihre ausschließliche Wirtschaftzone gelten: zum Beispiel kaum Rückwurf von Beifang und Fangquoten nach wissenschaftlichen Vorgaben.

Wege zur nachhaltigen Fischerei

Krabbenkutter im Hafen von Norddeich.

Ein Krabbenkutter im Hafen von Norddeich

In vielen Küstenregionen ist Fisch die einzige Einnahmequelle. Der Fischer muss die nächste Rate für sein Boot bezahlen und seine Familie ernähren. Würde er alleine freiwillig weniger fischen, nützte ihm das nichts, da dann die anderen Fischer mehr anlanden würden. Proteste von Fischern gegen die Fischereipolitik sind daher verständlich und nachvollziehbar.

Doch bietet die neue Reform noch genügend Schlupflöcher. Vielleicht wäre eine konsequentere Fischereipolitik letztendlich sogar für die Fischer besser: Denn noch besteht Aussicht auf Erholung der Fischbestände. Wenn der Zeitpunkt überschritten ist, könnten die Ökosysteme womöglich auf lange Zeit ruiniert sein.

Autoren: Birgit Amrehn/Vladimir Rydl

Stand: 16.08.2016, 10:00

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