Fangmethoden

Überfischung der Meere

Fangmethoden

Die Methoden der Fischerei sind ein ganz entscheidender Faktor, wenn es um die Überfischung der Meere geht. Die Art und Weise wie gefischt wird, entscheidet über die Menge der sinnlos als Beifang getöteten Fische, Vögel und Säugetiere sowie den Grad der Zerstörung des Meeresgrundes und anderer Lebensräume.

Treibnetze

Greenpeace-Mitarbeiterin demonstriert vor dem Brandenburger Tor auf einem 100 Meter langen Tisch den ungenutzten Beifang von zwei Stunden Fangzeit eines Nordseekutters: 11.000 tote Jungschollen und andere Meerestiere

Beifang von zwei Stunden Fangzeit eines Nordseekutters

Dies ist eine der umstrittensten Fangmethoden. Ein mitunter viele Kilometer langes Netz wird durch senkrecht treibende Bojen ausgebracht. Das kann direkt an der Wasseroberfläche oder in beliebigen Tiefen geschehen. Fische verfangen sich in den feinen Maschen des Netzes. Ein Problem dabei ist nicht nur die völlige Willkür der gefangenen Fischarten. Auch unzählige Delfine, Wasservögel, Schildkröten und Haie verenden darin.

Treibnetze sind weitgehend verboten. Aber das gilt nur für die Fischer, die sich an bestehende Abkommen halten. Treibnetze, die nicht wieder aufgenommen werden können, bilden als Geisternetze oftmals über viele Jahre tödliche Fallen für alle Meeresbewohner.

Stellnetze und Reusen

Grafik einer Trommelreuse. Zu sehen ist ein zylinderförmiges Netz. Die Fische gelangen durch trichterförmige Netze an beiden Öffnungen des Zylinders in die Reuse.

Fische können in Reusen geleitet oder gelockt werden

Die traditionelle Fischerei arbeitet seit vielen Jahrhunderten mit Stellnetzen und Reusen. Beide Methoden führen, richtig eingesetzt, zu recht geringen Beifängen. Stellnetze sind feine Netze, die senkrecht am Meeresboden befestigt werden. Fische bleiben in den Maschen hängen. In Nord- und Ostsee besteht allerdings das Problem, dass die modernen, extrem feinen Stellnetze nicht mehr von Kleinwalen geortet werden können. Diese verfangen sich darin und ertrinken. Dies führte bereits beinahe zur Ausrottung der Schweinswale in der Ostsee.

Reusen sind tonnen- oder trichterförmige Fanggeräte und bestehen aus einem Weiden-, Netz- oder Drahtgeflecht. Durch ihren trichterförmigen Eingang gelangen hineingeschwommene Fische nicht wieder heraus. Reusen haben den Vorteil, dass Beifänge zumeist unversehrt zurückgesetzt werden können.

Ringwaden

Grafik eines ringförmigen Ringwaden-Netzes. Das Netz wird ausgeworfen, während ein Schiff einen Fischschwarm umkreist. Hat das Schiff den Schwarm einmal vollständig umrundet, bildet das Netz also einen Zylinder. Mit Hilfe von Leinen wird dieser Zylinder am unteren Ende zugezogen. Die Fische sind gefangen und können an die Oberfläche gezogen werden.

Mit Ringwaden können Schwärme gezielt gefangen werden

Ringwaden sind Netze, die um Fischschwärme ausgebracht werden, die sich in weniger als 100 Meter Tiefe aufhalten. Dies können Lachse, Makrelen, Thunfische, Sardinen, Heringe oder Sprotten sein. Durch eine Vorrichtung, die Schnürleine, kann das bei großen Fangschiffen bis zu zwei Kilometer lange Netz unten geschlossen werden und der gesamte Schwarm ist gefangen.

Durch die moderne Ortungstechnik werden frei schwimmende Fischarten recht gezielt befischt. Delfine, die oft ebenfalls solche Schwärme jagen und mitgefangen werden, können von verantwortungsvollen Fischern gezielt befreit werden. Es entstehen keine Schäden am Meeresgrund.

Schleppnetzfischerei

Grafik eines Grundschleppnetzes. Das Netz ist mit zwei Leinen am Schiff befestigt und wird wie ein geöffneter Fallschirm im Wasser hinter diesem hergezogen.

Ein Grundschleppnetz pflügt über den Meeresgrund

Hierbei handelt es sich um sackförmige Netze, die von Fischerbooten durchs Wasser geschleppt werden. Ihre Öffnung wird durch Scherbretter offen gehalten. Dank immer stärker und größer werdender Kutter sind Schleppnetze mitunter mehrere Kilometer lang und können bis in die Tiefsee abgesenkt werden.

Schleppnetze, die auf der gezielten Jagd nach mit dem Echolot georteten Fischschwärmen durchs Freiwasser geschleppt werden, verursachen keine Schäden am Meeresgrund und können recht gezielt eingesetzt werden. Allerdings kann Beifang nicht mehr unversehrt zurückgesetzt werden, da er sich im Netzende, dem sogenannten Steert sammelt und dort zu Tode gepresst oder stark verletzt wird.

Zerstörerisch sind Schleppnetze, die am Grund eingesetzt werden. Dort überrollen und zerstören sie am Boden lebende Meerestiere. Besonders vernichtend sind die sogenannten Baumkurren-Schleppnetze. Hier pflügen schwere Ketten über den Meeresboden und scheuchen Schollen und andere Plattfische auf. Dadurch werden nicht nur die Kinderstuben vieler Fischarten zerstört, auch unzählige Jungfische und andere Meerestiere fallen diesem Raubbau zum Opfer.

Langleinen

Die Grafik zeigt Langleinen. Haken werden am Grund, in mittlerer Tiefe und an der Oberfläche angeboten. Bojen markieren den Standort der Leinen.

Mit Langleinen kann in beliebigen Tiefen gefischt werden

Im Prinzip sind Langleinen Angeln mit Haken und Ködern - nur dass hier die Angelleine bis 100 Kilometer lang sein kann und viele tausend Haken daran befestigt sind. Diese Leinen können mit Bojen und Gewichten in verschiedenen Tiefen ausgebracht werden, je nachdem welche Fischart man fangen möchte. Gerade bei flach stehenden Haken werden extrem viele Seevögel getötet und auch die seltenen Meeresschildkröten werden in Tiefen bis zu 100 Meter oftmals gefangen und ertrinken.

Schonender fischen

Greenpeace-Protestaktion. Tote Meeresschildkröte vor dem Amtssitz eines indischen Politikers.

Meeresschildkröten sind oft Beifang von Langleinenfischern

Aufgrund der zurückgehenden Fischbestände wird intensiv über schonendere und selektivere Fischereimethoden nachgedacht, welche die für die Natur so zerstörerischen Beifänge reduzieren. Staatliche Fischereiforscher, etwa von der Bundesforschungsanstalt für Fischerei, entwickeln schonendere Methoden. Allerdings dauert es oftmals viele Jahre, bis sich diese Methoden am freien Markt durchsetzen, da sie die Fischer nicht viel kosten dürfen.

Autor: Vladimir Rydl

Stand: 07.01.2016, 10:00

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