Kann es auch in Deutschland Erdbeben geben?

Erdbeben

Kann es auch in Deutschland Erdbeben geben?

Deutschland liegt mitten auf einer tektonischen Platte, der Eurasischen Kontinentalplatte. Die nächsten Plattengrenzen, in deren Nähe die meisten der Erdbeben entstehen, sind weit entfernt. Doch allein die Lage schützt nicht vor Erschütterungen. Das stärkste jemals gemessene Erdbeben in den USA fand 1811 mehr als 1500 Kilometer von der nächsten Plattengrenze entfernt statt. Und auch in Mitteleuropa hat es schon sehr starke Erdbeben gegeben. So wurde zum Beispiel die Schweizer Stadt Basel 1356 von einem verheerenden Beben mit Hunderten von Todesopfern heimgesucht.

Karte der Erdbebenzentren in Deutschland.

Karte der Erdbebenzentren in Deutschland

Obwohl diese Beben weit von der nächsten Plattengrenze entfernt registriert wurden, haben die Platten dennoch etwas damit zu tun. Wenn die Spannungen an den Grenzen zu hoch werden, übertragen sie sich auf die gesamte Platte und üben dabei einen starken Druck aus. An geologischen Schwachstellen innerhalb der Platte kann es dann zu einem Erdbeben kommen. Solche Schwachstellen können zum Beispiel alte Brüche oder Plattenränder sein, die mittlerweile ins Innere der Platte gewandert sind.

In Deutschland herrscht genau so eine Situation vor. Die Afrikanische Platte rückt langsam nach Norden vor und drückt sich auf die Eurasische Platte, auf der Deutschland liegt. Durch diese Plattenbewegung sind zum Beispiel im Laufe von Millionen Jahren die Alpen entstanden.

Besonders Süddeutschland ist von dieser Gebirgsbildung betroffen. Mehrere Millimeter im Jahr werden die süddeutschen und ostfranzösischen Regionen im Jahr emporgehoben. Zwischen Süddeutschland und Ostfrankreich liegt mit dem Oberrheingraben jedoch eine geologische Schwachstelle, die durch großen Druck immer wieder aufbrechen kann. Dann bebt die Erde auch in Deutschland.

Es bebt häufig, aber schwach

Wer glaubt, ein Erdbeben würde in unseren Regionen relativ selten auftreten, der irrt. Die meisten Erderschütterungen sind jedoch so schwach, dass nur empfindliche seismologische Instrumente sie registrieren. Zudem sind die Bebenherde regional sehr unterschiedlich verteilt. In Norddeutschland gibt es so gut wie keine nennenswerten Erschütterungen. Die meisten registrierten Erdbeben konzentrieren sich auf das Oberrheintal, die Niederrheinische Bucht, die Schwäbische Alb und das Vogtland.

Mehrere hundert Erdbeben werden in Deutschland jedes Jahr gemessen. Schäden richten sie in den seltensten Fällen an. Wirklich zerstörerische Erschütterungen, die Spuren an Gebäuden hinterlassen, treten hierzulande im Schnitt alle 30 Jahre auf.

Ein durch herabfallende Steine völlig zerstörter Pkw.

Das Erdbeben von 1992 richtete enorme Sachschäden an

Einige werden sich vielleicht noch an die Nacht vom 12. auf den 13. April 1992 erinnern. In dieser Nacht erschütterte ein gewaltiges Beben das gesamte Rheinland. Das Epizentrum lag nahe der niederländischen Stadt Roermond in einer Tiefe von 18 Kilometern.

Häuser wackelten, Schornsteine und Dachziegel fielen herab, Bäume stürzten um. Mehr als 30 Personen wurden verletzt, der Sachschaden wurde allein auf deutscher Seite auf etwa 150 Millionen D-Mark beziffert. Sogar in London und München konnte man das Beben noch spüren. Ein Erdbeben dieser Stärke tritt in Deutschland allerdings nur alle 80 bis 100 Jahre auf.

Menschengemachte Beben

Doch nicht nur geologische Prozesse können die Erde zum Beben bringen. Auch der Mensch ist für so manche große Erschütterung im Inneren der Erde verantwortlich. Vor allem Regionen, in denen im großen Stil Bergbau betrieben wird oder wurde, sind stark erdbebengefährdet. Grund dafür sind unterirdische Hohlräume, die durch den Bergbau entstanden sind.

Spuren nach dem Beben im Saarland.

Spuren nach dem Beben im Saarland

Ist zum Beispiel ein in den Berg getriebener Stollen wirtschaftlich nicht mehr rentabel, werden die absichernden Stützen herausgenommen, um sie an anderer Stelle wieder zu verwenden. Der Hohlraum bleibt sich selbst überlassen. In den meisten Fällen rückt das Gestein langsam nach und verfüllt den Stollen mit der Zeit. Rückt das Gestein jedoch mit einem Schlag und in großer Menge nach, so können die daraus resultierenden Erschütterungen Erdbebenstärke erreichen.

Dies geschah zum Beispiel im Februar 2008 im Saarland. Ein durch den Steinkohlebergbau ausgelöstes Beben erschütterte die gesamte Region um die Stadt Bilsdorf. Menschen starben bei dem stärksten jemals durch den Bergbau ausgelösten Beben zwar nicht, die Sachschäden an Häusern und einer Kirche waren jedoch beträchtlich.

Schon in der Vergangenheit hatten Anwohner immer wieder über bergbaubedingte Schäden an ihren Häusern geklagt. Das Beben von 2008 war nun für die Betreiber des Steinkohlebergbaus im Saarland Anlass, die Kohleförderung nur noch bis zum Jahr 2012 und in deutlich reduziertem Umfang zu betreiben.

Autor: Tobias Aufmkolk

Stand: 08.12.2015, 09:39

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