Förster

Naturschutz

Förster

Förster ist kein Beruf für Weicheier. Ein Förster muss viele Begabungen und ein vielseitiges Interesse haben. Er muss den Wald und seine Tiere nutzen und schützen. Er muss das große Ganze im Blick haben und gleichzeitig dazu in der Lage sein, in seinem Revier als guter Kaufmann und Holzverkäufer aufzutreten. Ein Förster muss fast alles können: Mathematik, Biologie, Zoologie, Botanik, Vermessungswesen, Forstrecht und EDV. Letztendlich ist er ein Manager für das komplexe Ökosystem Wald.

Das Försterklischee

Ein Jagdreviermeister mit seinem Hund Charlie an seinem Hochsitz

Multi-Talent im Wald

Der Förster ist der Liebling deutscher Heimatfilme, vor allem der 50er und 60er Jahre: Er verkörpert er stets das Gute, setzt sich für den Wald und seine Tiere ein und gilt als perfekt gekleideter Held in allen Lebenslagen, ohne dabei besonders viel arbeiten zu müssen. - Zumindest der letzte Aspekt dieser Beschreibung ist sehr realitätsfremd. Von einem genüsslichen Umherstreifen im Wald kann der Förster allenfalls träumen. Trotzdem hat sich das künstlich überhöhte, romantische Försterbild hartnäckig gehalten - auch in Oper und Literatur.

Der Förster hatte in den vergangenen Jahrhunderten unter anderem die von Adligen übertragene Aufgabe, Wald und Tier vor Dieben und Wilderern zu schützen. Förster war somit ein eng mit der Adelsgesellschaft verbundener Beruf. Es war ein angesehener Beruf mit Verantwortung. Gleichzeitig arbeitete der Förster oft sehr selbstständig und autark. Alles Aspekte, die vermutlich jeweils einen Teil dazu beigetragen haben, das Bild vom guten Förster, dem angesehenen und edlen Naturburschen, zu prägen.

Aufgaben des Försters

Der Förster von heute kümmert sich vorwiegend um seinen Wald und die darin lebenden Tiere. Er sollte ein Gespür dafür haben, welche Bäume gefällt werden müssen und er muss wissen, welche neuen Bäume gepflanzt werden sollten. Der Förster hat die Aufgabe, das ökologische Gleichgewicht in seinem Wald zu wahren. Dazu gehört letztlich auch die Jagd. Gibt es zu viele Tiere im Wald und schaden sie den Bäumen? Welche Tiere müssen in welchem Umfang gejagt werden? -

Schließlich muss zum Beispiel gefälltes Holz käufergerecht aufgearbeitet, sortiert und termingerecht verkauft werden - hier ist der Förster als Kaufmann gefragt. Darüber hinaus muss er sich darum kümmern, dass der Wald die unterschiedlichen Anforderungen der Erholungssuchenden erfüllt: Spaziergänger, Wanderer, Nordic Walker, Jogger, Mountainbiker, Reiter und viele mehr nutzen den Wald zunehmend als unentgeltlichen Erholungs- und Freizeitraum. Und schließlich die Waldpädagogik und die Verwaltungsarbeit - eine Fülle von Aufgaben also, mit denen der Förster mehr als ausgelastet ist!

Der Försterberuf im Zeichen des Klimawandels

Rund um den 905 Meter hoch gelegenen Kahleberg bestimmen abgestorbenen Fichten das Bild

Trockenheit und Stürme machen dem Wald zu schaffen

Der Wald verändert sich. Am anschaulichsten wird das durch neue kleine Lebewesen, die in unseren Breiten vermehrt auftauchen und dem Wald schaden. Zum Beispiel der ursprünglich aus Asien stammende Zitrusbock, der sich bei unserem wärmer werdenden Klima sehr wohlfühlt und nicht nur an Obstbäumen, sondern auch an Waldbäumen großen Schaden anrichten kann. Neben neuen Käfern und Insekten sowie eingewanderten Pflanzen machen aber auch Trockenheit und Stürme dem Wald zunehmend zu schaffen, wie die Jahrhundertstürme Kyrill (2007) und Lothar (1999) belegen. Der Förster muss wissen, welche Bäume widerstandsfähiger und welche gegen Stürme und Trockenheit gewappnet sind. Dabei hat er die schwierige Aufgabe, die aus den vergangenen 100 Jahren hervorgegangenen, oft instabilen Monokulturen in einen standortgerechten stabilen Mischwald umzubauen. Der Förster hat die Entwicklung des Waldes unter Einbeziehung aller Eventualitäten für die nächsten Jahrzehnte im Voraus im Blick.

Ausbildung zum Förster

Um Förster zu werden, muss man ein umfangreiches Studium absolvieren. Die Ausbildung zum sogenannten Forstingenieur wird nur an wenigen Fachhochschulen angeboten. Es handelt sich dabei um ein sehr praxisnahes Studium mit einer sehr breiten Fächerkombination. Neben der Ausbildung zum Forstingenieur - dem klassischen Weg zum Beruf des Revierförsters, gibt es noch die Möglichkeit des Forstwissenschaftsstudiums an der Universität. Als Forstwissenschaftler erwirbt man dann die Befähigung, zum Beispiel als Forstamtsleiter - also als Chef von Revierförstern - arbeiten zu können.

Forstingenieure und Forstwissenschaftler sind gefragt. Zwar ist der Stellenmarkt auf dem klassischen Gebiet des Revierförsters und des Forstbeamten derzeit sehr eng, weil in der öffentlichen Verwaltung Stellen eingespart werden, dafür ist die Nachfrage in der freien Wirtschaft sehr groß. Viele ausgebildete Förster arbeiten schließlich in der Holzindustrie, als Forstunternehmer, im Naturschutz, in der Entwicklungshilfe oder in Forschungseinrichtungen.

Autor/in: Christian Jakob

Stand: 20.10.2014, 13:00

Darstellung: