Arktis

Polarregionen

Arktis

Ein wenig nördlicher des 66. Breitengrades Nord liegt eine schon fast magische Grenze: der nördliche Polarkreis. Jenseits davon: die Arktis. Hier herrschen Temperaturen von bis zu minus 70 Grad Celsius. Wohin man schaut: baum- und strauchlose Tundra, Schnee-, Eis- oder Geröllwüste. Dazu monatelang Dauertag und monatelang Dauernacht. Leben unter diesen Bedingungen scheint auf den ersten Blick unmöglich. Und doch haben es Menschen, Tiere und Pflanzen mit faszinierenden Strategien geschafft, dieses scheinbar lebensfeindliche Gebiet am nördlichen Ende der Welt zu besiedeln.

Mit schiefer Achse um die Sonne

Sonnenuntergang mit verschneiten Häusern an einer Küste mit ruhigem Meeresspiegel.

Im Sommer geht die Sonne monatelang nicht unter

In 365 Tagen bewegt sich die Erde auf einer elliptischen Bahn ein Mal um die Sonne. Zusätzlich zu ihrer Jahresrunde dreht sie sich alle 24 Stunden ein Mal vollständig um ihre eigene Achse. Denkt man sich jetzt eine Ebene durch die elliptische Bahn, die die Erde um die Sonne beschreibt, steht die Erdachse nicht senkrecht zu dieser Ebene. Sie steht in einem Winkel, der aus der Senkrechten heraus um etwa 23,5 Grad gekippt ist.

Je nachdem, wo sich die Erde im Jahreszyklus gerade befindet, werden die verschiedenen Regionen unterschiedlich stark von der Sonne beleuchtet. Die schief stehende Achse ist auch der Grund, warum die Sonne im Januar eine andere Bahn am Himmel beschreibt als im Juli. Und warum es in Deutschland in der Regel im Sommer heiß und im Winter kalt ist.

Polkappen in Licht und Schatten

Zur Sommersonnenwende am 21. Juni geht direkt am nördlichen Polarkreis die Sonne nicht unter. Weiter nördlich Richtung Pol hält der Dauertag sogar bis zu mehreren Monaten an. Zur Wintersonnenwende am 21. Dezember ist es genau umgekehrt. Hier geht die Sonne jenseits des nördlichen Polarkreises gar nicht mehr auf. Sommer- und Wintersonnenwende sind also diejenigen Tage, an denen die Erde wegen ihrer schiefen Achse ihre Pole genau zur Sonne hin- beziehungsweise weggekippt hat. Die Polkappen der Erde sind dann vollständig beleuchtet oder liegen ganz im Schatten.

Dass es im Sommer an den Polen nicht so heiß wird wie am Äquator, liegt an dem Winkel, in dem die Sonnenstrahlen auf der Erdoberfläche einfallen: Jenseits der Polarkreise ist er sehr flach, am Äquator sehr steil. Am Äquator ist die Sonneneinstrahlung pro Quadratzentimeter um ein Vielfaches höher. Deshalb kommt dort im Vergleich zum nördlichen Polarkreis deutlich mehr Wärme an der Erdoberfläche an.

Extremer Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Lange Dunkelphasen, Extremkälte im Winter und relativ kühle Temperaturen im Sommer machen die Polarregionen zu einem Lebensraum mit ganz besonderen Herausforderungen. Den Pflanzen steht nur eine sehr kurze Vegetationsperiode zur Verfügung. Sie müssen mit dem spärlichen Angebot an Sommersonne auskommen, um ihre Samen verbreiten zu können. In kurzer Zeit verwandelt sich dann die sonst eher karge Landschaft in ein buntes Blumenmeer. Mehr als 400 Arten arktischer Blütenpflanzen gibt es.

Blick über eine Wiese mit blühendem Wollgras auf Eisberge im grönländischen Isfjord (Eisfjord).

In kurzer Zeit verwandelt sich die sonst eher karge Landschaft

Wegen des Permafrostbodens können in den Polarregionen nur Pflanzen wachsen, die keine tiefen Wurzeln bilden und Staunässe vertragen. Denn Wasser kann darin nicht absickern und der Boden saugt sich voll wie ein Schwamm. Vor allem niedrig wachsende Sträucher, Kräuter, Gräser, Flechten und Moose kommen mit solchen Bedingungen klar. Sie liefern den Moschusochsen und Rentieren, die sich in der Tundra für den Winter eine dicke Speckschicht anfressen müssen, die Hauptnahrungsgrundlage. Eisbären hingegen halten sich im Winter zur Robbenjagd hauptsächlich auf dem Packeis auf. Sie können mit ihrem dicken Pelz und einer beachtlichen Speckschicht lange in der Kälte ausharren, ohne zu frieren.

Menschen in der Arktis

Mensch und Eisbär kennen sich schon lange. Bereits vor 3000 Jahren kamen die ersten Ureinwohner, die Inuit, über die Beringstraße von Asien nach Alaska und ließen sich dort nieder. Im Laufe der Zeit wanderten sie weiter nach Osten, besiedelten die nördlichen Teile Kanadas und Grönland. Die Inuit konnten unter den unwirtlichen Bedingungen der Arktis nur überleben, weil sie als Jägerkultur nicht auf Ackerbau und Viehzucht angewiesen waren. Da es in den Polargebieten auch keine Bäume gibt und Holz nur ab und zu als Treibgut zu finden war, verwendeten sie neben dem Fleisch ihrer Jagdbeute auch Felle, Haut und Knochen als Rohmaterial für Kleidung und den Bau ihrer Behausungen.

Drei Inuit ziehen eine erlegte Robbe an Land.

Die Inuit sind eine reine Jägerkultur

Heute leben die Inuit nur noch teilweise wie ihre Vorfahren. Viele allerdings bewegen sich in einem schwierigen Spagat zwischen zwei Welten: dem Leben in großen modernen Städten und ihrer alten nomadischen Jagdkultur. Neben den Inuit leben noch zahlreiche andere Völker mit den unterschiedlichsten Traditionen und Kulturen jenseits des nördlichen Polarkreises. Zum Beispiel die Tschuktschen, Samojeden oder Jakuten in Nordsibirien das Volk der Samen in den nördlichen subarktischen Gebiten Skandinaviens. In Alaska und Kanada leben nahe dem Polarkreis die Athabasca-Indianer, die sich wie die Inuit zu den Ureinwohnern zählen.

Globales Frühwarnsystem

Die Polarregionen der Erde sind hochsensible Ökosysteme, die durch den Klimawandel stark bedroht sind. Klimaforscher haben in Langzeitmessungen belegt, dass die Temperaturen an den Polkappen zwei- bis dreimal schneller ansteigen, als in der übrigen Welt. Simulationsprogramme haben berechnet, dass in hundert Jahren große Teile des grönländischen Eisschildes abgeschmolzen sein und das Packeis im Nordpolarmeer einen Großteil seiner Fläche eingebüßt haben könnte.

Weite Meeresfläche auf der kleine Stücke von Packeis schwimmen.

Das Packeis in den Polarmeeren schmilzt immer früher

Für Tier und Mensch dort hat das jetzt schon teilweise verheerende Folgen. Die Eisschicht auf dem Polarmeer ist das Jagdgebiet der Inuit und der Eisbären. Sie schmilzt in den Polarsommern immer früher und ist dann gefährlich dünn oder ganz verschwunden. Die Jagdsaison ist um mehrere Monate verkürzt. Besonders die Eisbären haben darunter zu leiden. Sie können sich nicht genug Speck anfressen und haben schlechte Chancen, den langen Winter zu überleben. Wissenschaftler schätzen, dass bis 2050 die Population der Eisbären um etwa zwei Drittel zurückgehen wird.

Autor/in: Susanne Decker

Stand: 15.05.2014, 13:00

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