Wissensfragen

Ein großer ovaler Bernstein in dem neben zahlreichen Lufteinschlüssen auch das zarte Muster eines Laubmooses, welches an einen Tannenzweig erinnert, zu erkennen ist.

Bernstein

Wissensfragen

Kann trüber Bernstein wieder klar und durchsichtig werden?

In der Tat kann Bernstein mit Eintrübungen "klargekocht" werden. Dieses Verfahren wird zur optischen Aufwertung angewandt oder aus wissenschaftlichen Gründen vorgenommen, um Einschlüsse mit milchig-weißem Unterboden freizulegen.

Trübe oder undurchsichtige Bernsteinbrocken werden unter großer Hitzeeinwirkung wieder klar, da die Ursache der Trübung auf dem Einschluss von unzähligen Luftbläschen beruht und diese Luft so aus dem Bernstein entweichen und verdampfen kann.

Schon die Römer kannten dieses Verfahren und benutzten dazu das Fett von Spanferkeln. Heute wird Bernstein in Rüböl klargekocht, aber auch Speiseöl eignet sich ganz gut.

Werden Bernsteinstücke in das siedende Öl gegeben, steigen bald, wie über einer Brausetablette, zahlreiche Bläschen auf. Hört das Sprudeln auf, ist der Bernstein klar und durchsichtig.

Kann aus Bernsteineinschlüssen Saurier-DNA gewonnen werden?

Im Steven-Spielberg-Film "Jurassic Park" reproduzieren Wissenschaftler lebende Dinosaurier aus den genetischen Informationen des im Bernstein konservierten Mückenbluts. Tatsächlich haben französische und amerikanische Forscher in den 1990er Jahren daran gearbeitet, das Erbgut von im Bernstein eingeschlossenen Tieren zu isolieren.

Die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse wurden schnell veröffentlicht und enthusiastisch gefeiert. Doch als man die Thesen in neuerlichen Untersuchungen überprüfte, stellte sich heraus, dass die sequenzierte Erbsubstanz nicht von den Einschlüssen herrührte, sondern auf versehentliche Verunreinigungen wie Schweiß und Schimmelpilze zurückgeführt werden musste, die unvorsichtigerweise in die Präparate gelangt waren.

Auf einem Waldweg wird ein Mann von drei mannshohen Dinosauriern umringt.

Dinosaurier in "Jurassic Park"

Die Sicherstellung genetischer Informationen der im Bernstein eingeschlossenen Tiere erweist sich bis heute als undurchführbar, da so gut wie kein genetisches Material mehr vorhanden ist.

Obwohl Bernsteininsekten und andere tierische Einschlüsse uns heute ihre perfekte Erhaltung vorgaukeln, sind sie nichts weiter als ein präzises Abbild der vor Jahrmillionen eingeschlossenen Kreatur.

Zwar wurde im fossilen Harz das organische Material nicht wie beim Versteinerungsprozess der Auskristallisierung durch andere Substanzen ersetzt, doch genauso wenig wurde es im Bernstein konserviert. Denn aufgrund der Beschaffenheit des Bernsteins wird das Objekt nicht versiegelt:

Die eingeschlossenen organischen Teile werden im Zuge der Verwesung vielmehr zersetzt und verflüssigt. Anschließend verdampft das in Faulgase aufgelöste Insekt regelrecht durch den Bernstein hindurch.

Was übrig bleibt, sind nicht-zelluläre Gewebe, die an den inneren Außenwänden der Einschlüsse festkleben. So kann heute noch so mancher Chitin-Panzer eines eingeschlossenen Käfers bestehen.

Da Chitin durch Sekretabsonderungen des Insektes entsteht und nicht zellulär gewachsen ist, enthält der konservierte Insektenpanzer leider keine genetischen Erbinformationen, also keine DNA.

So überliefert uns ein Bernsteineinschluss zwar ein erstaunlich präzises und detailliertes 3D-Modell des vor Jahrmillionen eingeschlossenen Tieres, jedoch nicht mehr das Tier selbst.

Autor: Gregor Delvaux de Fenffe

Stand: 16.03.2017, 14:00

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