Tiere beim Bauen mitdenken

Tiere der Stadt

Tiere beim Bauen mitdenken

Wenn man Tiere nicht als Stadt-Bewohner einplant, besteht die Gefahr, dass ihr Lebensraum beim Bauen und Sanieren unbeabsichtigt verschwindet - und in Folge auch die Tiere. "Tiergestütztes Gestalten" soll das verhindern.


"Tiergestütztes Gestalten" oder "Animal Aided Design" denkt Tiere bei der Stadtplanung mit. Biologen erkunden welche Nischen, Ritzen und Fugen Tiere in Städten brauchen, um sich anzusiedeln, Nahrung zu finden und sich fortzupflanzen. Ihre Erkenntnisse geben sie an Architekten weiter – als Kriterienkatalog beim Bauen und energetischen Sanieren.

"Tiere passieren in der Stadt, Tiere kommen vor oder auch nicht und keiner weiß so recht, warum die Tiere vorkommen. Als Konsequenz von dieser Nichtplanung von dem Vorkommen von Tieren kann man dann das Pech haben, dass alle Lebensräume, die die Tiere bräuchten, nicht mehr da sind."
Professor Wolfgang Weisser

Beispiel 1: Was braucht der Spatz?

Professor Wolfgang Weisser von der TU München erkundet, welche Tiere welche individuellen Bedürfnisse haben. Nimmt man zum Beispiel den Haussperling, den Spatz, muss man herausfinden, was er alles zum Leben braucht: Wo wohnt er, wie wohnt er, was frisst er, wie weit fliegt er, bevor er frisst, wie verhält er sich und wie schreckhaft ist er.

Dabei fällt auf: Beim Spatz muss man eine ganze Reihe von Dingen beachten. Er braucht einen Brutplatz, ein Staubbad und ein Wasserbad, wie die meisten Vögel. Wenn eine dieser Bedingungen nicht erfüllt ist, kann sich der Spatz nicht ansiedeln.

Beispiel 2: Der igelfreundliche Garten

Der igelfreundliche Garten ist "ein Kompromiss zwischen Igel und Mensch", sagt Martina Gehret, Igel-Expertin beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV). Nur um es dem Igel recht zu machen, muss man sich also nicht verbiegen. Den Garten igelfreundlich gestalten:

  • Zäune und Mauern durchgängig machen: Eine Öffnung von 13 mal 13 Zentimetern gibt Igeln den Weg frei, ohne dass sie große Umwege in Siedlungen machen müssen.
  • Hecke pflanzen: In Hecken richten Igel gerne Nester ein. Besonders behaglich sind aufgeschichtete Laub- und Reisighaufen. Igelfreundliche Hecken kann man zum Beispiel gestalten mit: Kornelkirsche, Flieder, Gemeiner Schneeball, Roter Hartriegel, Holzapfel, Strauchmispel, Wildrose, Eberesche, Pfaffenhütchen, Liguster, Haselnuss und Schwarzer Holunder.
  • Staudenbeete anlegen: Igel finden zwischen den Pflanzen nicht nur Nahrung, sondern auch Verstecke. Im Winter die Stauden nicht zurückschneiden, um den Insekten ein Winterquartier zu bieten. Totes Pflanzenmaterial erst im Frühjahr zurückschneiden, um Platz für neues Grün zu schaffen.
  • Vorsicht bei der Frühjahrsarbeit: Igel schlafen je nach Witterung bis Mitte April. Gartenarbeiten im Frühling können einen Igel zu früh aus dem Winterschlaf reißen. An Verstecken, die dem Igel potenziell als Winterquartier dienen könnten, erst ab Ende April arbeiten.
  • Gras wachsen lassen: In hohem Gras verbringen Igel die Sommertage. Teile des Rasens oder der Wiese deshalb einfach stehen lassen. Pflanzenreste erst im Frühjahr abschneiden. Das hilft Insekten über den Winter und erhöht damit das Nahrungsangebot für den Igel.
  • Wilde Ecken schaffen: Eine Ecke im Garten einfach dauerhaft in Ruhe lassen. Hier finden nicht nur Igel Unterschlupf, sondern auch viele weitere Tierarten.
  • Vorsicht beim Mähen: Igel liegen gerne im Gras oder unter Hochstauden, Sträuchern, Hecken und an anderen unübersichtlichen Stellen und könnten beim Mähen tödlich verletzt oder verstümmelt werden. Vor dem Mähen immer den Garten deshalb nach Igeln absuchen.
  • Komposthaufen zugänglich machen: Komposthaufen bieten Igeln Unterschlupf und Insekten als Nahrung. Eine Umrandung um den Kompost sollte deshalb nicht bis zum Boden reichen. In Kunststoffkomposter ein 10 mal 10 Zentimeter großes Einschlupfloch sägen. Achtung: Vor dem Umsetzen den Kompost auf Igelnester kontrollieren. Nicht achtlos hineinstechen!
  • Tränken und Wasserstellen: Eine flache Schale oder ein Blumentopfuntersetzer eignen sich als Tränke. Als Wasserstelle dient ein großer flacher Behälter, etwa der untere Teil einer Regentonne. Gräbt man diesen ein Stück weit ein und verziert den Rand mit Pflanzen, Steinen oder Holz, entsteht eine naturnahe Wasserstelle. Wichtig: Tränke und Wasserstelle sauber halten und täglich frisches Wasser nachfüllen.
  • Gartenteich anlegen: Schon kleine Wasserflächen ab 8 Quadratmetern Größe und 80 Zentimetern Tiefe bereichern jeden Garten. Mit einheimischen Teichpflanzen rundum bepflanzt, bildet sich ein Biotop mit vielfältigem Leben. Damit der Igel daraus trinken kann, muss der Teich an einer Stelle flach zugänglich und das Ufer frei von Vegetation sein. Ein Holzbrett mit Querlatten hilft beim Ausstieg.
  • Wer will: Igelhaus aufstellen. Igel nehmen gerne Fertighäuser im Garten an. Die Farbe des Hauses ist ihnen egal.
  • Laub- und Reisighaufen anlegen: Ein Laubhaufen, mit Ästen bedeckt, ist ein beliebter Schlafplatz. Der Standort sollte möglichst windgeschützt, trocken und schattig sein - unter einer Hecke etwa. Mit Folie überspannt und mit Reisig abgedeckt, wird das Versteck regensicher.
  • Höhlen schaffen: Der Hohlraum von Holzpaletten ist ein idealer Igel-Unterschlupf. Das darauf gestapelte Material schützt vor Regen, Schnee und Sonne. Igelhöhlen entstehen auch durch an die Wand gelehnte Bretter. Wichtig ist, dass solche Höhlen an ungestörter Stelle liegen und regensicher sind. Stroh kann als Polster und zur Isolierung dienen.
  • Natürliche Höhlen erhalten: Natürliche Höhlungen in Komposthaufen, unter Holzstapeln, in hohlen Baumstämmen oder unter Wurzelstöcken dienen dem Igel als Schlafnest oder an einer geeigneten Stelle auch als Wurf- oder Winternest.
  • Trockenmauer anlegen: Steinmauern und ausgesparte Hohlräume, am besten mit Stroh gefüllt, sind attraktive Nistplätze für Igel.
  • Ohrwurmhäuser aufhängen: Ohrwürmer sind nachtaktiv und ein Leckerbissen für den Igel. Bei Tag verstecken sie sich in dunklen, engen Zwischenräumen und trockenem Laub. Denselben Zweck erfüllt ein Behälter, zum Beispiel ein Blumentopf, in dessen Mitte ein Stab rundherum mit Heu und Stroh festgestopft wird. Ein Drahtgeflecht bewahrt es vor dem Herausfallen. In der Nähe von Blattlauskolonien aufgehängt dienen Ohrwurmhäuser dem biologischen Pflanzenschutz.

Gefahren im Garten

  • Material für Lagerfeuer überprüfen: Häufig wird Reisig für Lager-, Oster- und Sonnwendfeuer lange im Voraus gesammelt und aufgestapelt. Ein vermeintlich idealer Unterschlupf für den Igel, der zur tödlichen Falle werden kann. Vor dem Anzünden deshalb nochmal umschichten.
  • Auf Chemie verzichten: Chemische Schädlingsbekämpfungsmittel wie Schneckenkorn und Rattengift sowie Pestizide und Kunstdünger vernichten die natürlichen Nahrungsgrundlagen der Igel. Gerade der im Schneckenkorn verbreitete Wirkstoff Metaldehyd kann auch anderen Tieren schaden.
  • Regentonnen und Kellerschächte sichern: Regenbehälter am besten mit einem Deckel oder einer Plane abdecken. In Schächte ein angerautes oder mit Querlatten versehenes Brett hineinstellen. Öffnungen mit einem engmaschigen Gitter abdecken.
  • Bei Kellertreppen Ausstiegshilfe anbieten: Igel, die eine Kellertreppe hinab gefallen sind, können sich leicht selbst retten, wenn auf jeder Stufe ein Ziegelstein liegt, der die Stufenhöhe verringert.
  • Maschendraht und Netze igelfreundlich anbringen: In Vogelabwehrnetzen im Obst- und Weinbau können sich Igel verfangen. Netze über Beerensträucher und Reben mit einem Abstand von rund 40 Zentimetern zum Boden montieren. Ein Stoffband kann die Lücke zum Boden schließen. Auf am Boden liegende Netze, etwa über Erdbeeren, verzichten.
  • Fallen und Giftköder unerreichbar auslegen: Mäuse- und Rattenfallen möglichst erhöht aufstellen. Giftköder nur in engen Röhren ausbringen, dann sind sie auch nicht für Vögel und Eichhörnchen zugänglich.

Autoren: Tanja Fieber/Tobias Hübner

Stand: 24.08.2017, 15:58

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