Tiermedizin

Tier und Mensch

Tiermedizin

Wenn Haustier krank ist und leidet, fühlt der Besitzer mit. Kein Wunder, dass viele Menschen alles tun, damit ihre geliebten Vierbeiner oder gefiederten Freunde schnell wieder gesund werden. Doch was tut den Tieren gut und was schadet ihnen? Trotz grenzenloser Tierliebe wissen das viele Tierhalter nicht. Deshalb gehören Haltungs- und Fütterungsfehler zu den häufigsten Krankheitsursachen.

Woran leiden Tiere?

Ein Tierarzt hört einen Hamster ab.

Kleines Tier in großen Händen

Wie beim Menschen werden auch beim Tier sehr viele Krankheiten durch Erreger ausgelöst. Man unterscheidet zwischen Tierseuchen - also Erkrankungen, die ausschließlich beim Tier vorkommen wie Schweine- und Rinderpest oder Maul- und Klauenseuche - und sogenannten Zoonosen. Damit werden all die Krankheiten bezeichnet, die bei Mensch und Tier vorkommen und wechselseitig übertragen werden. Erreger können Viren, Bakterien, Pilze und Chlamydien sein. Mehr als 200 solcher Zoonosen sind heute bekannt, darunter Milzbrand, Tuberkulose und Tollwut.

Tiere leiden auch an zahlreichen Erkrankungen, die ebenfalls in der Humanmedizin bekannt sind. Dazu gehören Tumore, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Magen-Darm-Erkrankungen. Und auch Tiere werden alt und müssen mit Verschleißerscheinungen der Gelenke, der Hüfte, des Rückens oder nachlassender Sehkraft zurechtkommen. Schlechte Ernährung, zu wenig Bewegung und falsche Lebensweise sind beim Haustier Krankheitsgrund Nummer eins. Schuld sind Unwissen oder Gleichgültigkeit des Menschen gegenüber seinem Tier. Denn leider machen sich viele nicht klar, dass die Pflege jedes Tieres, und sei es noch so klein, Zeit, Aufmerksamkeit und Geld kostet.

Der Tierarzt

Das Bild zeigt den Kopf einer Riesenschildkröte, die beim Tierarzt in Behandlung ist.

Exotischer Patient

Veterinärmedizin (Tiermedizin) ist ein beliebter Studiengang, der nur an fünf deutschen Hochschulen angeboten wird und für den es deswegen lange Wartelisten gibt. Ein Großteil der Studierenden ist weiblich. Aber nicht alle, die die letzte Prüfung abgelegt haben, arbeiten später als Tierarzt in einer eigenen Praxis. Manche forschen weiter zu bestimmten tierischen Themen, manche überwachen beim Veterinäramt vom Tier stammende Lebensmittel wie Eier, Fleisch oder Milch. Andere wiederum wählen die freie Wirtschaft und entwickeln und vertreiben Medikamente und Tierfutter.

Aber auch Tierarztpraxen können sehr verschieden aussehen: Die meisten Tierärzte sind auf bestimmte Tierarten spezialisiert, zum Beispiel auf Klein- oder Nutztiere. Manche konzentrieren sich nicht auf Tierarten, sondern auf spezielle Bereiche wie Chirurgie, Verhaltenstherapie oder Dermatologie.

Was macht der Tierarzt?

Eine betäubte Löwin liegt in einem Computertomographen - nur der Kopf ragt noch aus der Röhre heraus

Selbst die Computertomographie kommt im Ernstfall zum Einsatz

Die Tiermedizin nutzt heute das ganze Arsenal diagnostischer Methoden und Therapiemöglichkeiten, das auch dem kranken Menschen zur Verfügung steht. Jeder Tierarzt untersucht das kranke Tier zunächst, indem er es anschaut, abtastet und abhört. Wenn es nötig ist, werden Blut-, Urin- und Kotproben genommen, das Tier wird geröntgt oder per Ultraschall untersucht. Die richtige Diagnose zu stellen, erfordert viel Erfahrung, denn Tiere können nun mal nicht über ihre Beschwerden sprechen. Ein guter Kleintierarzt muss sich außerdem mit der "Sprache" der unterschiedlichsten Tierarten befassen, denn zu seinem Patientenstamm zählen neben Hunden und Katzen auch Vögel, Reptilien, Schlangen und Nagetiere.

Dazu kommt die Kenntnis über rasse- und zuchtbedingte Krankheiten. Die Hunderassen Dackel und Irischer Wolfshund zum Beispiel leiden oft unter Skelettproblemen, Boxer und Dobermann dagegen neigen zu Hautkrankheiten. Bei Perserkatzen verursacht die zuchtbedingte Verengung der Nasenwege Probleme. In solchen Fällen kann der Tierarzt oft nur Beschwerden lindern und sie durch Vorsorgemaßnahmen mildern.

Tierische Schmerzen

Es ist eine lang und oft diskutierte Frage: Empfinden alle Tiere Schmerzen? Nach heutigem Wissensstand hängt die tierische Schmerzempfindlichkeit von drei Faktoren ab:

  • Reize können gespürt werden.
  • Der Reiz löst ein Gefühl aus, zum Beispiel Angst.
  • Das Tier verfügt über ein Schmerzbewusstsein, das heißt, der Schmerz löst ein bestimmtes Handeln aus.
Ein Schäferhund mit verbundenem Kopf und einem verbundenen Auge.

Alle Säugetiere spüren Schmerzen

Säugetiere, egal ob Haus- oder Nutztier, und Vögel, also auch Geflügel, erfüllen diese Faktoren. Nur bei Fischen ist das Schmerzempfinden noch nicht eindeutig belegt. Sie reagieren aber in jedem Fall auf äußere Reize.

Falsche Haltung, falsches Futter

Ein Syrischer Goldhamster sitzt in seinem Futternapf.

Häufig führt falsche Ernährung zur Erkrankung des Haustiers

Jeder Tierhalter ist für das Wohlergehen seines Tieres verantwortlich. Leider nehmen es viele Menschen mit dieser Aufgabe nicht so genau. Daher entstehen sehr viele Krankheiten der Haustiere durch falsche Ernährung und falsche Haltung. Um die Bedürfnisse des Tieres zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, wie die Tiere in natürlicher Umgebung leben oder gelebt haben. Kaninchen zum Beispiel fressen den ganzen Tag, um genügend Nährstoffe aufzunehmen. Das liegt daran, dass gutes Futter in der Wildnis knapp ist.

In Menschenobhut werden Kaninchen oft viel zu dick, weil ihnen zu viel kalorienreiches Fertigfutter serviert wird. Das Tütenfutter hat gleich mehrere Nachteile. Es enthält oft zu viel Eiweiß und Fett, dagegen aber zu wenig Faserstoffe. Die Folge: Die Tiere kauen zu wenig und das führt dazu, dass sich die Zähne nicht genug abnutzen. Der Tierarzt muss dann die zu langen Vorderzähne mit einer Zange kürzen. Die Nahrung bleibt außerdem zu lange im Darm und das wiederum führt zu Verdauungsschwierigkeiten und Verhaltensstörungen. Manche Kaninchen fangen an, Teppichfransen oder Steine zu fressen. Manche macht die Langeweile auch aggressiv. Die perfekte Kaninchenmahlzeit besteht aus Gras und Heu sowie etwas Kaninchenmüsli mit einem Faseranteil von mindestens 15 Prozent.

Aber auch andere Tiere müssen unter falscher Tierliebe leiden. Katzen zum Beispiel sind Fleischfresser, und eine vegetarische Ernährung macht sie in der Regel krank. Sie sind auf eine Aminosäure (Taurin) angewiesen, die nur in tierischen Proteinen enthalten ist. Der Deutsche Tierschutzbund rät deswegen davon ab, Katzen vegetarisch zu ernähren, obwohl es vegetarisches Futter für sie zu kaufen gibt.

Hunde wiederum sind Konkurrenzfresser. Als Rudeltiere müssen sie sich gegen Futterneider durchsetzen und fressen daher so schnell wie möglich. Ihr Futter muss deshalb rationiert sein, sonst leiden sie schnell an Übergewicht. Manche Tierbesitzer übertragen auch die eigenen Ernährungsgewohnheiten auf den Hund und geben ihm zu viele Leckerlis.

Wie bleibt mein Tier gesund?

Vorbeugen ist besser als heilen. Dieser Leitsatz gilt auch in der Tiermedizin. Da Haus- und Nutztiere auf ihren Besitzer angewiesen sind, trägt dieser eine besondere Verantwortung. So schön es ist, ein Haustier zu haben: Jedes noch so kleine Tier macht Arbeit. Es braucht eine artgerechte Versorgung und wenn es krank wird, eine entsprechende Behandlung. All das kostet Zeit und Geld. Bevor man sich ein Tier anschafft, sollte man daher gewissenhaft prüfen, ob man wirklich bereit ist, dem Haustier sein ganzes Leben lang Fürsorge zu bieten.

Autor/in: Bettina Wiegand/Mareike Potjans

Stand: 15.01.2015, 12:00

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