Wie kommen Fische und andere Meeresbewohner nach Stralsund?

Meeresmuseum

Wie kommen Fische und andere Meeresbewohner nach Stralsund?

Bekommt das Team vom Meeresmuseum Stralsund Fische und andere Meeresbewohner nicht von anderen Institutionen, müssen die Meeresbiologen selbst abtauchen. Wie die Pirsch abläuft und was es zu beachten gilt.

Das Team vom Meeresmuseum Stralsund geht regelmäßig in norwegischen Fjorden auf die Pirsch. Meist tauchen die Wissenschaftler in einer Tiefe von 10 bis 20 Metern. Im Gegensatz zum kommerziellen Fischfang darf kein Tier verletzt werden, das in ein Aquarium kommen soll.

Artgerecht verstaut werden die Tiere dann ins Meeresmuseum gefahren. Bei empfindlichen Tieren wie etwa dem Seeteufel muss der Transport schnell gehen. Seine Haut darf nicht verletzt werden, sonst stirbt das Tier.

Quarantäne für Neuankömmlinge

Neuankömmlinge werden als erstes in die Quarantäne-Station gesteckt, um zu vermeiden, dass die ansteckende Krankheiten eingeschleppt werden. Haben neue Meeresbewohner den Gesundheitscheck bestanden, werden sie in den Museums-Aquarien "ausgewildert", und zwar ins jeweils passende Schaubecken.

Eine kritische Phase, in der sich die Neuankömmlinge gegen alteingesessene Tiere behaupten müssen. Nicht alle Meerestiere überleben diesen Stress. Um den Tieren bei der Eingewöhnung zu helfen, werden die Becken regelmäßig kontrolliert.

Zucht, aber keine Auswilderung

Das Meeresmuseum Stralsund hadert durchaus damit, Meeresbewohner in der Natur zu fangen, um sie dann in Aquarien einzusperren. Es lässt sich aber nicht umgehen:

"Wir können es nicht vermeiden, dass wir Tiere aus der Natur entnehmen. Aber wir versuchen diesen Anteil Stück für Stück zu reduzieren. Wir haben zum Beispiel Zuchtprogramme. Einige Hai- und Rochenarten bekommen wir aus anderen Aquarien."

Nicole Kube, Aquarienkuratorin am Deutschen Meeresmuseum, Stralsund

Auch mit der Zucht ist das so eine Sache in Meeresmuseen. Die Museumstiere dürfen in Deutschland nicht ausgewildert werden. Eine Zucht im großen Maßstab hätte Nachteile für die Tiere, "überzählige" Exemplare müssten unter Umständen sogar getötet werden. Und die Zucht kann auch die Probleme in der Natur nicht lösen:

"Wir streben es nicht mehr an, Tiere zu züchten. Wir haben in Deutschland das Problem, dass wir Tiere nicht auswildern dürfen. Das ist eine gesetzliche Vorschrift. Wenn sich Tiere vermehren würden, dann hätten wir [beispielsweise] ganz schnell 100-200 kleine Schildkröten. Die können 80 bis 90 Jahre alt werden und die bekommen sie nicht mehr los. Das kann auch nicht das Ziel sein. Wir müssen eher die natürlichen Bestände und ihre Probleme in der Natur lösen - nämlich das Strände verloren gehen, weil zum Beispiel weitere Hotels gebaut werden. Das ist gerade im Mittelmeerbereich ein großes Problem."

Nicole Kube

Natur ist nicht ersetzbar

Mit großem Aufwand und viel Technik kann man die Natur in künstlichen Ökosystemen nachbauen. Die Mühe lohnt sich, weil die gesammelten Daten zu verstehen helfen, was Meerestiere zum Leben brauchen und wie man sie schützen kann. Sie live zu sehen, erhöht idealerweise die Bereitschaft, sich für die Tiere einzusetzen.

Ersetzen kann der Nachbau die Natur aber nicht. Künstliche Ökosysteme können auch das Artensterben nicht aufhalten. Das kann nur der Mensch: Erst wenn keine Tiere mehr ausgerottet werden, hat das echte Ökosystem Meer und seine Bewohner (noch) eine Chance.

Autoren: Tanja Fieber/Florian Guthknecht

Stand: 04.09.2017, 09:50

Darstellung: