Vom Hobby zur Plage: Unerwünschte Neubürger

Eine Rotwangen-Schmuckschildkröte schwimmt im Zoo in Duisburg durch einen Schildkrötenteich

Aquarien

Vom Hobby zur Plage: Unerwünschte Neubürger

Wenn fremde Tiere und Pflanzen in heimischen Flüssen und Seen ausgesetzt werden, kann dies schwerwiegende Konsequenzen für die Natur haben. Ganze Ökosysteme werden verändert, heimische Arten verdrängt. Selbst Pflanzen und Tiere, die man eigentlich nur in den Tropen vermuten würde, finden den Weg in unsere heimischen Gewässer.


Exoten in deutschen Flüssen und Seen

Gartenteiche und Aquarien sind beliebt und relativ unkompliziert in der Anschaffung. Viele Menschen entscheiden sich deshalb dazu, es mit der Haltung von Wassertieren und -pflanzen zu versuchen – oft ohne sich im Vorfeld ausreichend informiert zu haben. Doch wohin mit den Wasserbewohnern, wenn man feststellt, dass man kein Händchen dafür hat?

Immer wieder lösen einzelne Aquarien- und Teichbesitzer dieses Problem dadurch, dass sie Fische und Pflanzen einfach in die freie Natur entlassen. Abgesehen davon, dass dies aus Naturschutzgründen verboten ist, ist es auch für die Tiere oft eine große Qual.

Ausgesetzten Warmwasserfischen ist das Wasser – zumindest im Winter – viel zu kalt. Nur im Bereich von Warmwassereinläufen können sich vereinzelt kleine Populationen halten. So wird beispielsweise von einem kleinen Bach in der Nähe von Köln berichtet, in dem Guppys leben, die dort angeblich schon vor etwa 30 Jahren ausgesetzt worden sein sollen.

Das Wasser ist mit seinen 30 Grad angenehm warm. Es stammt aus einem nahegelegenen Kohlekraftwerk. Allein aus diesem Grund konnten die Guppys dort so lange überleben und sich sogar fortpflanzen.

Die Erft beheimatet tropische Flora und Fauna

Auch im relativ warmen Wasser der Erft, einem kleinen Flüsschen westlich von Köln, werden immer wieder Exoten beobachtet. Besonderes Aufsehen erregten in den vergangenen Jahren mehrere kleine und auch größere Piranhas, die allerdings nie lange überleben konnten.

Piranha

Lange überlebten die Piranhas bei Köln nicht

Zu den inzwischen etablierten fremden Tierarten – genannt Neozoen – zählen unter anderem der subtropische Ringelwurm und die Wandermuschel.

Auch Wasserpflanzen aus fremden Ländern und Kontinenten bietet die Erft ein geeignetes Zuhause. So konnten sich beispielsweise die amerikanische Wasserpest und die tropische Wasserlinse über viele Jahre hinweg an unser Klima anpassen.

Eine Sorge ist nun, dass viele eingeschleppte Pflanzen – Neophyten genannt – die Erft als Sprungbrett für die weitere Verbreitung in andere Flüsse oder Seen nutzen könnten.

Dominante Wasserpflanzen

Viele eingeschleppte Wasserpflanzen können inzwischen bei uns überleben, weil unsere Winter immer milder werden. Sie kommen meist aus Asien, Nord- und Mittelamerika.

Die eingeschleppten Arten haben oftmals in Flüssen und Seen keine natürlichen Feinde und können sich rasant ausbreiten. Bei Wasserpflanzen kann das so weit führen, dass das Artenspektrum völlig auf den Kopf gestellt wird.

Beispielsweise haben Taucher festgestellt, dass nur drei Arten von eingeschleppten Wasserpflanzen – zwei Wasserpest-Arten und das Nadelkraut – weite Bereiche von Seen dominieren können. Es dauert viele Generationen, bis diese Pflanzen in den ökologischen Kreislauf einbezogen werden und den einheimischen Tieren als Nahrung dienen.

Bis dahin nehmen sie nur Platz weg und bedrohen damit unsere Natur. Schon kleinste Stückchen einer Pflanze können zur Ausbreitung in einem Gewässer führen. Dem Nadelkraut gelingt dies besonders gut, weil es sowohl über als auch unter Wasser gedeihen kann.

Wasserpest

Kanadische Wasserpest

Neue Arten bedrohen die heimischen Tiere

Einige der früher besonders beliebten Aquarien-Fischarten wie der Sonnenbarsch und der Zwergwels haben sich inzwischen in unseren Seen etabliert. So gibt es im Fühlinger See bei Köln bereits ganze Schwärme dieser Barsche, die sich immer weiter ausbreiten.

Ähnliches gilt für die Schmuckschildkröten, die bunt und niedlich als Jungtiere für Aquarien verkauft werden. Diese Schildkröten werden jedoch bis zu 30 Zentimeter groß und mitunter sogar aggressiv.

In heimischen Seen begegnet man immer öfter stabilen Populationen dieser Reptilien. Sie bedrohen die wenigen noch existierenden Bestände der vom Aussterben bedrohten Europäischen Sumpfschildkröte.

Einer der bedrohlichsten Einwanderer ist jedoch der Nordamerikanische Ochsenfrosch. Er wird so groß und gefräßig, dass er in vielen Teilen Deutschlands zu einer Bedrohung der seltenen einheimischen Amphibien geworden ist – einerseits als Nahrungskonkurrent und andererseits als Fressfeind.

Der Ochsenfrosch ist im ausgewachsenen Zustand ein Allesfresser, der neben Lurchen, Fröschen und Fischen auch frisch geschlüfte Entenküken, Mäuse und Schlangen verzehrt.

Ochsenfrosch

Der Ochsenfrosch bedroht einheimische Tierarten

Lieber verschenken statt aussetzen

Wer seine Tiere und Pflanzen loswerden will, hat heutzutage zahlreiche Möglichkeiten. Über das Internet beispielsweise finden sich leicht Abnehmer, die einen Platz für die Exoten übrig haben.

Gerade bei Wasserpflanzen aus fremden Ländern ist Vorsicht geboten. Keinesfalls sollte man sie in seinen Gartenteich einsetzen. Allzu leicht könnten Wasservögel, die dem Teich einen Besuch abstatten, kleine Stängelabschnitte, die im Gefieder hängen bleiben, in andere Gewässer tragen.

Aus Teichen, die eingeschleppte Arten enthalten, sollte man aus diesem Grund auch keine Pflanzen in fremde Teiche und Gewässer umsetzen. Sie gehören auf den Müll (sofern dieser verbrannt wird), damit sie sich nicht noch weiter verbreiten. Selbst bei tropischen Wasserpflanzen sollte man lieber auf Nummer sicher gehen.

Autor: Vladimir Rydl

Stand: 04.09.2017, 10:38

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