Haie

Tiere im Wasser

Haie

Wo immer eine dreieckige Flosse die Wasseroberfläche durchpflügt, ertönt in einer Mischung aus Schrecken und Begeisterung der Schrei "Hai!" Durch viele Fernseh- und Kinofilme stehen Haie im Ruf gefräßige Monster zu sein, die auch schon mal Jagd auf Menschen machen. Dabei müsste sich der Hai eher vor dem Menschen fürchten, der ihn rücksichtslos jagt und einige Arten an den Rand des Aussterbens gebracht hat.

Uralter Meeresbewohner

Fünf Haizähne.

Nur alte Zähne geben Auskunft

Lange bevor die Menschen, ja sogar lange bevor die Dinosaurier die Erde eroberten, durchkreuzten Haifische schon die Weltmeere. Erste Urtypen gab es bereits vor knapp 400 Millionen Jahren, und vor gut 200 Millionen Jahren sollen sie schon in etwa so ausgesehen haben wie heute.

Allerdings fällt es Forschern schwer, die Entwicklungsgeschichte der Haie zu rekonstruieren. Das liegt daran, dass Haie zu den Knorpelfischen gehören. Ihr Skelett besteht nicht aus Knochen, sondern aus Knorpeln. Aufgrund seiner inneren Struktur versteinert Knorpel kaum - anders als Knochen. Vorfahren der Knochenfische, deren Artenvielfalt heute in den Weltmeeren viel größer ist als die der Haie, werden noch immer häufig als Versteinerungen gefunden.

Bei den Haien versteinern meist nur Zähne und zeugen von der Vergangenheit dieser Tiergruppe. Anhand der Zahnfunde, etwa des "Megalodon", der vor gut 25 Millionen Jahren lebte und als Vorfahr des Weißen Hais gilt, können Forscher auf Größe und Körperform der Urhaie schließen. Da die versteinerten Zähne denen heutiger Haie oft haargenau gleichen, wird ableitend vermutet, dass Haie schon in Urzeiten wie heute ausgesehen haben.

Ein weiterer Unterschied zwischen Haien und Knochenfischen: Haie besitzen keine Schwimmblase, die bei den Knochenfischen für den Auftrieb sorgt. Haie müssen dagegen ständig in Bewegung bleiben, sonst sinken sie.

Hai ist nicht gleich Hai

Heute sind Haie in allen Weltmeeren zu Hause, einige Arten wie zum Beispiel den Bullenhai findet man sogar in Süßwasser, etwa im afrikanischen Sambesi oder im südamerikanischen Amazonas. Doch Haie sind nicht gleich Haie. Es gibt Hunderte Arten (die Angaben variieren zwischen 350 und 500). Die meisten haben den typischen torpedoförmigen Körperbau, doch Engelhaie sehen eher aus wie Rochen.

Einige Arten leben am Meeresboden, andere in mittleren Wassertiefen oder in der Nähe der Oberfläche. Vom gut 20 Zentimeter kleinen Laternen-Zwerghai bis zum 14 Meter langen Walhai, dem größten Fisch der Welt, reichen die Größenunterschiede. Die meisten Haie fressen Fische, Weichtiere, Krebse. Arten wie Wal- und Riesenhai ernähren sich von Plankton, während große Räuber wie der Weiße Hai auch Robben, Pinguine oder Delfine reißen.

Genialer Bauplan

Schwimmender Weißer Hai.

Perfekter Jäger: der Weiße Hai

Typisch für Haie sind ein oder zwei Rückenflossen, fünf bis sieben Kiemenspalten sowie ihr Revolvergebiss: Haie verfügen über mehrere Reihen scharfer spitzer Zähne, wobei sie nur die erste Reihe zum Beißen brauchen. Die anderen sind Ersatzzähne, die permanent nachwachsen. Fällt ein abgenutzter Zahn aus, rückt ein neuer aus dem Ersatzzahnlager nach.

Ebenso genial ist die Haihaut: Unmengen von kleinen Hautzähnchen, die in Richtung Schwanz stehen, sorgen dafür, dass sich beim schnellen Schwimmen die Reibung deutlich verringert. Haie können so schneller und kraftsparender durchs Wasser jagen. Den Bauplan der Haihaut hat sich inzwischen auch der Mensch abgeschaut und nach diesem Prinzip zum Beispiel Folien entwickelt, mit denen man Flugzeuge bekleben kann, um den Treibstoffverbrauch zu verringern. Bei Schiffen soll die Hai-Folie zudem dafür sorgen, dass sich weniger Seepocken und Muscheln festsetzen.

Sinne der Haie

Einer der Gründe, weshalb Haie schon seit so langer Zeit als Raubtiere der Meere erfolgreich sind, liegt in ihren phänomenalen Sinnesorganen. Sie können sehr gut hören, bei Dunkelheit besser als Katzen oder Wölfe sehen und fantastisch riechen: Über Hunderte von Metern können Haie den Geruch ihrer Beute orten, oft reicht ein Tropfen Blut, schon nehmen die Haie die Witterung auf.

Zudem sorgt das sogenannte Seitenlinienorgan dafür, dass sie Druckschwankungen wahrnehmen können. Haarähnliche Sinneszellen unter der Haut leiten Druckänderungen ans Nervensystem weiter. So kann der Hai zum Beispiel Schwimmbewegungen oder Strömungen erkennen.

Für uns Menschen sicherlich am erstaunlichsten, da er uns selbst völlig abgeht, ist der elektrische Spürsinn des Hais. Über die sogenannten Lorenzinischen Ampullen, Poren voller Nervenzellen in der Schnauze, erspürt der Hai das schwache elektrische Feld, das - durch Herzschlag oder Muskelbewegungen - jedes Lebewesen erzeugt.

Jagd auf Haie

Haie werden nicht nur aus sportlichem Ehrgeiz oder aus Furcht getötet, sondern auch wegen ihres Fleisches. Zum Beispiel werden aus dem Fleisch des Dornhais Schillerlocken hergestellt. Auch die Haut und der Lebertran der Haie werden noch immer vor allem in Ländern der Dritten Welt verwertet.

Eine große Bedrohung für den Hai ist das sogenannte "Finning", das offiziell seit 2003 verboten ist, aber illegal noch weiter betrieben wird. Dabei werden den Tieren bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten. Die Flossen können leichter getrocknet werden und sind somit länger haltbar als das übrige Fleisch. Sie werden verwendet, um daraus beispielsweise Suppe zu kochen, die in China und Japan reißenden Absatz findet. Die Haie werden nach dem Abschneiden der Flossen wie Müll zurück ins Meer geworfen, wo sie, da sie nicht mehr schwimmen können, ersticken oder von anderen Tieren gefressen werden.

Haie verfangen sich außerdem oft in Haibarrieren vor Küsten oder in den riesigen Netzen der Fischereiindustrie und sterben dort einen qualvollen Tod. Die immer häufiger eingesetzten Treibnetze sind so feinmaschig, dass sie von den Haien nicht geortet werden können und für sie, wie für Delphine, Seevögel und Schildkröten, eine tödliche Falle darstellen.

Die Schweizer Hai-Stiftung gibt an, dass jede Sekunde auf der Welt drei Haie getötet werden. Die Naturschutzorganisation "World Wide Fund for Nature" (WWF) kalkuliert, dass allein der Langleinen-Fischerei jährlich mehrere Millionen Haie und Rochen zum Opfer fallen - als ungewollter Beifang.

Autoren: Axel Wagner/Christoph Teves

Stand: 07.01.2016, 10:00