Giftige Seewespe

Gift als Waffe

Giftige Seewespe

Die Seewespe gilt als eines der gefährlichsten Nesseltiere überhaupt. Die Würfelquallen jagen vor allem vor der Nord- und Ostküste Australiens sowie im westlichen Pazifik. Sie verfolgen kleine Fische und Garnelen bis ins Flachwasser und sind häufig in Ufernähe anzutreffen. Badestrände sind zwar meist mit Netzen abgeschirmt. Doch wer sich außerhalb geschützter Zonen ins Wasser wagt, sollte sich auf unangenehme Begegnungen mit den Gifttieren einstellen. Die fast durchsichtigen Quallen sind im flachen Wasser kaum auszumachen. So kommt es immer wieder zu schmerzhaften Verletzungen, darunter manche mit tödlichem Ausgang.

Gefährliche Fangarme

Eine Seewespe im Meer

Grazil: eine Seewespe mit ihren tödlichen Tentakeln

Die bläulich schimmernde Schwimmglocke der Seewespe kann einen Durchmesser von 30 Zentimetern erreichen. Am unteren Rand trägt sie zwei bis drei Meter lange Tentakeln, die sie wie Fischernetze durchs Wasser schleppt. Die Tentakeln sind mit Tausenden von Nesselkapseln besetzt. Berühren sie ein Opfer, schießt aus der Kapsel im Bruchteil einer Sekunde der Nesselschlauch heraus, bohrt sich in die Haut und überträgt das Gift. Die Beute wird gelähmt und kann dann in aller Ruhe gefressen werden.

Menschen stehen natürlich nicht auf der Speisekarte der "Killerquallen". Doch die giftige Fangmethode kann uns schwer zu schaffen machen.

Das Gift

Das Gift der Seewespe löst einen brennenden Schmerz aus, der sich binnen Minuten verstärkt. Auf der verätzten Haut zeigen sich strickleiterartige Striemen. Im Extremfall wird der Betroffene schon nach kürzester Zeit bewusstlos und kann sich nicht mehr selbst helfen. Das starke Gift greift hauptsächlich das Nervensystem an. Die Folgen: Muskel- und Atemlähmung sowie Herz-Kreislauf-Störungen.

Erste Hilfe

Auf jeden Fall sollte man die Tentakeln entfernen, damit sich nicht weitere Nesselkapseln entladen können. Meist führt der Notarzt eine Schockbehandlung durch, damit sich das Herz-Kreislauf-System wieder stabilisiert. Deuten die Symptome auf eine schwere Vergiftung hin, kann auch die Gabe eines Antiserums erforderlich sein. Solche Immunglobuline fangen die ins Blut eingedrungenen Giftmoleküle ab und verhindern, dass diese in die Nervenzellen eindringen.

Die verätzte Haut wird üblicherweise wie eine Verbrennung behandelt. Die Gabe von Antibiotika hilft bei der Abwehr von Bakterien, die in die Wunden eindringen können.

Protokoll eines Todesfalls

In seinem Buch "Gifttiere" beschreibt der Toxikologe Dietrich Mebs den tragischen Todesfall eines Fünfjährigen:
Nahe der australischen Stadt Gladstone verfängt sich ein Junge beim Baden mit beiden Beinen in den Tentakeln einer Würfelqualle. Schreiend vor Schmerz läuft er ans Ufer. Seine Großmutter versucht mit einem Handtuch die Tentakeln zu entfernen. Ein Nachbar gießt Weinessig über die verätzte Haut. Als das Kind zehn Minuten nach der Giftattacke in eine Ambulanz eingeliefert wird, ist es schon bewusstlos: Der Puls nicht mehr fühlbar, die Pupillen starr.

Nach sofort eingeleiteter Sauerstoffbeatmung und Herzmassage wird der Junge ins Krankenhaus gebracht. Doch alle Wiederbelebungsmaßnahmen der Ärzte sind vergeblich. Vierzig Minuten nach der tragischen Begegnung mit der Seewespe ist das Kind tot. An seinen Beinen werden fünf Millimeter breite Nesselverletzungen mit einer Gesamtlänge von vier Metern festgestellt.

Zum Glück sind solche Todesfälle die Ausnahme. Sie zeigen aber, dass manche Tiere im Laufe der Evolution außerordentlich gefährliche chemische Waffen entwickelt haben.

Autor/in: Hans Jürgen von der Burchard

Stand: 13.11.2014, 12:00

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