Waldsterben

Umwelt

Waldsterben

Mit saurem Regen hätten wir ihn fast dahin gerafft, den deutschen Wald. Oder war alles nur Schwarzmalerei? Schließlich stehen die meisten Bäume immer noch – allen Unkenrufen zum Trotz. Viel hat sich in den letzten Jahrzehnten getan in Sachen Luftreinhaltung und Umweltbewusstsein, dennoch können wir uns nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen. Den sauren Regen mögen wir im Griff haben, aber schon fordern neue Übeltäter den Wald heraus. Ganz oben auf der Liste: Trockenheit.

Im Zeichen des sauren Regens

Kahle Bäume ragen in blauen Himmel.

Der Wald ist krank

"Der Wald stirbt" – Anfang der 1980er Jahre beherrschten solche Schlagzeilen die Medien. Horrorszenarien wurden gezeichnet von kahlen Stadtparks und waldlosen Mittelgebirgen auf denen nur noch vereinzelte Baumskelette mahnend ihre nackten Zweige in den Himmel recken würden.

Zu lange hatten Industrie, Privathaushalte und Verkehr sorglos Schwefelwasserstoffe und andere Gifte in die Luft gepumpt. Vor allem die Emissionen von Braunkohlekraftwerken setzten dem Wald schwer zu. Dieses Verhalten sollte sich nun rächen. Binnen 20 Jahren würde es kaum noch einen gesunden Baum geben – wenn nicht sofort gehandelt würde.

Es wurde gehandelt: Filteranlagen für die Industrie, Katalysatoren und bleifreies Benzin für die Autos. Der saure Regen war nicht mehr ganz so sauer. Die Katastrophe schien abgewendet, der Wald gerettet. Aber ist er das wirklich? Oder war von Anfang an alles nur übertriebene Panikmache und der Wald hätte sich sowieso erholt?

Wie geht es dem Wald heute?

In der Diskussion ums Waldsterben stehen sich heute zwei sehr gegensätzliche Lager gegenüber. Die einen sagen, dass der Wald nie wirklich kurz vor dem Aus stand. dass die Gesundheit der Bäume natürlichen Schwankungen unterliegt und dass kranke, angeschlagene Bäume nicht zwangsläufig sterben müssen, sondern sich durchaus auch wieder erholen können.

Das andere Lager geht davon aus, dass das Waldsterben noch lange nicht vorbei ist, dass die Wälder zwar nicht großflächig abgestorben sind, aber heute sogar mehr Bäume Anzeichen von Schädigungen aufweisen als noch vor 20 Jahren, dass sich nur die Öffentlichkeit nicht mehr um das Thema schert und die Medien es nicht länger beachten.

Alte Krankheiten – neue Ursachen

Kühe fressen in einem Stall.

Aktuelles Problem: die Überdüngung

Unbestritten ist, dass es im Wald immer noch Probleme gibt. Aber die Probleme haben sich verlagert. Wurden dem Boden durch den sauren Regen noch bis vor kurzem die Nährstoffe entzogen, so ist es inzwischen die Überdüngung, die Probleme bereitet.

Stickstoffverbindungen aus Viehhaltung und industriellen Abgasen verbreiten sich über die Luft und gelangen mit dem Regen in den Waldboden. Die betroffenen Bäume wachsen schneller als normal. Leider zu schnell – die Gesundheit des Baumes leidet darunter und er wird anfälliger für Krankheiten und Schädlinge.

Waldfeind Nr. 1: Trockenheit

Die innere Seite eines Rindenstücks, auf dem sich deutlich die Bohr- und Fraßgänge des Borkenkäfers abzeichnen

Borkenkäfer lieben warme und trockene Sommer

Von den Waldbesitzern mit am meisten gefürchtet ist die Trockenheit. Der Jahrhundertsommer 2003 war zum Beispiel ungewöhnlich trocken. Laubbäume werfen dann verfrüht ihr Laub ab, um die Verdunstung zu reduzieren.

So verringert sich aber auch das Wachstum der Bäume, und sie können weniger Nährstoffreserven anlegen. Bei längerer Trockenheit fangen die Wurzelhärchen an abzusterben. Der Baum kann nun noch weniger Wasser und Nährstoffe aufnehmen und leidet an Mangelerscheinungen.

Die Harzproduktion, mit der sich die Bäume gegen bohrende Schädlinge wie Borkenkäfer verteidigen, kommt zum Erliegen. Die Bäume sind nun den Borkenkäfern hilflos ausgeliefert, die in warmen, trockenen Sommern wiederum prächtig gedeihen und sich stellenweise massenhaft vermehren. Unter solchen Bedingungen pflanzt sich nämlich nicht nur eine Käfergenerationen fort, sondern zwei bis drei.

Forstwirte in der Klemme

Mit diesen Herausforderungen haben die Förster schwer zu kämpfen. Ein Forstbetrieb ist nicht zuletzt ein Wirtschaftsunternehmen, das einen Profit erarbeiten muss. Außerdem müssen dabei stets Kompromisse zwischen den Anliegen von Jägern, Naturschützern, Erholungssuchenden, Holzindustrie und Waldbesitzern geschlossen werden.

Holzstämme werden mithilfe eines Krans auf einen Sattelschlepper geladen.

Die Holzindustrie braucht einen gesunden Wald

Eine großflächige Borkenkäferplage könnte einen Forstbetrieb in den Ruin treiben. Besonders wichtig ist daher das schnelle Erkennen, Abholzen und Entrinden von befallenen Bäumen, damit die Käfer sich nicht weiter ausbreiten. Das Holz solcher Bäume kann zwar meist noch verwertet werden, bringt aber keine profitablen Preise.

Auch für hochwertiges Holz sind die Preise gesunken, was es den Forstbetrieben erschwert, Gewinne zu erwirtschaften. Alternative Konzepte mit denen Einnahmen etwa aus Tourismus gewonnen werden können, werden zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Fazit: Der Wald steht nicht kurz vor dem Aus. Der Gesündeste ist er aber auch nicht. Er ist ein Patient den man genau im Auge behalten sollte, denn wenn nun noch weitere Krankheiten auf ihn zu kommen, kann es sehr schnell bergab gehen.

Autor: Dirk Neumann

Stand: 09.02.2016, 12:00

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