Wassernot

Umwelt

Wassernot

Wasser ist die Quelle allen Lebens, für Menschen, Tiere und Pflanzen unentbehrlich. Im Prinzip ist genügend nutzbares Süßwasser auf der Erde vorhanden, doch es ist sehr ungerecht verteilt. Während manche Regionen in Wasser geradezu ertrinken, regnet es in anderen Teilen der Welt oft jahrelang nicht. Gerade in diesen wasserarmen Regionen birgt der Zugang zu sauberem Wasser ein großes Konfliktpotenzial.

Der blaue Planet

Wenn man die Erde aus dem Weltall betrachtet, wird klar, warum sie der Blaue Planet genannt wird. Etwa 70 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. 97,5 Prozent der riesigen Wassermassen befinden sich jedoch in den Ozeanen. Sie sind salzhaltig und für den Großteil der Lebewesen nicht nutzbar.

Von den verbleibenden 2,5 Prozent Süßwasser sind mehr als zwei Drittel in den Gletschermassen und im Permafrostboden gebunden. Somit sind nur noch 0,8 Prozent des gesamten Wassers auf der Erde für den Menschen frei nutzbar, das meiste davon in Form von Grundwasser. Der Rest verteilt sich auf Flüsse und Seen.

Doch auch diese vergleichsweise kleine Menge müsste eigentlich für alle Menschen auf der Erde ausreichen – trotz des stetigen Bevölkerungswachstums, da das frei verfügbare Wasser im Prinzip konstant bleibt. Das hat mit dem Wasserkreislauf zu tun, einem beständigen System aus Verdunstung und Kondensation.

Hochkulturen trotzen der Knappheit

Als die Menschen noch Jäger und Sammler waren, spielte der Wasserverbrauch keine große Rolle für sie. Erst mit der Sesshaftwerdung mussten Verfahren entwickelt werden, um die Wasserversorgung für den Feldbau, das Vieh und die Bevölkerung sicher zu stellen. Die frühen Hochkulturen der Ägypter und Sumerer siedelten sich sogar in eher wasserarmen Gegenden an.

Gemälde eines großen Fabrikareals mit rauchenden Schornsteinen.

Mit der Industrialisierung stieg auch der Wasserbedarf

Sie entwickelten jedoch ausgeklügelte Systeme, um das Wasser der Flüsse Nil, Euphrat und Tigris dauerhaft nutzen zu können. Zu diesem Zeitpunkt war die Zahl der Menschen noch so niedrig, dass alle ausreichend mit Wasser versorgt werden konnten. Das sollte sich auch in den nächsten Jahrtausenden nicht ändern.

Die wichtigste Zäsur in der Wasserversorgung markierte erst die beginnende Industrialisierung im 18. Jahrhundert. Neben der Landwirtschaft gab es mit der Industrie nun einen weiteren Wirtschaftssektor mit immens hohem Wasserverbrauch. Durch die stark verbesserten Gesundheits- und Hygienebedingungen stieg zudem die Bevölkerungszahl – und damit auch der Wasserverbrauch – stark an.

Wie wir Wasser nutzen

Intensive Bewässerung von Feldern in Arizona (USA).

Die Landwirtschaft verbraucht am meisten Wasser

Heute fällt der Löwenanteil des weltweiten Wasserbedarfs nach wie vor der Landwirtschaft zu. Die wachsende Erdbevölkerung muss ernährt werden. Nach der Landwirtschaft verbraucht die Industrie das meiste Wasser, gefolgt von der Energiewirtschaft. Der Verbrauch von Trink- und Sanitärwasser ist vergleichsweise gering und fällt Berechnungen zufolge auch in Zukunft nicht groß ins Gewicht.

In der Landwirtschaft dagegen ist mit einem deutlich steigenden Bedarf zu rechnen, vor allem wenn man bedenkt, dass der Wasserverbrauch etwa doppelt so schnell ansteigt wie die Weltbevölkerung. Vor allem in den bevölkerungsstarken Ländern wie China und Indien wird in Zukunft mit einem steigenden Wohlstand gerechnet – und steigender Wohlstand bedeutet zugleich einen steigenden Wasserverbrauch.

Zudem müssen in vielen trockenen Gegenden der Welt neue landwirtschaftliche Flächen erschlossen werden, die eine intensive Bewässerung benötigen. Werden hier weiter erhebliche Wassermengen verschwendet, wird es in Zukunft Konflikte um die Nutzung des kostbaren Nass geben.

Schwindendes Grundwasser

Beispiele für übermäßige Wasserverschwendung gibt es viele. Manche entstehen aus Gedankenlosigkeit, andere hingegen sind reiner Profitgier oder dem Mangel an ausreichenden Wasservorkommen geschuldet. So greifen viele Staaten der Erde ihre Grundwasserreserven der Zukunft an.

Außer in den großen asiatischen Staaten Indien, China und Pakistan geschieht dies auch im Südwesten der USA. In dieser niederschlagsarmen Region wird trotz Wassermangels intensiver Feldbau betrieben, der vor allem in regenarmen Jahren enorm viel Grundwasser benötigt.

Terrassenfelder im Jemen.

Der Kathanbau beherrscht die Felder im Jemen

Im stark wachsenden Mexiko-Stadt gibt es schon große Schwierigkeiten, alle Haushalte mit ausreichend Trinkwasser zu versorgen. Da die Brunnen vielerorts versiegt sind, müssen im Sommer ganze Stadtteile mit rationiertem Wasser aus Tankwagen beliefert werden.

Ein hausgemachtes Problem hat der Jemen. In diesem traditionell sehr wasserarmen Land, wird ein Großteil des kostbaren Nass für den Anbau der Kathpflanze verbraucht. Diese überall anzutreffende Alltagsdroge lähmt nicht nur die jemenitische Gesellschaft, sondern auch die dortige Landwirtschaft.

Gedankenlose Wasserverschwendung

Satellitenbild des Aralsees.

Der Aralsee ist kaum noch zu retten

Doch nicht nur das Grundwasser wird übermäßig stark verbraucht, auch das Wasser von Flüssen und Seen wird teilweise zu stark angezapft. Bestes Beispiel hierfür ist der Aralsee in Zentralasien. Der einstmals viertgrößte See der Erde ist heute nur noch ein Schatten seiner selbst.

Schon seit den 1930er Jahren wurden seinen beiden Zuflüssen große Wassermengen entnommen, um riesige Baumwollfelder in Usbekistan und Kasachstan zu bewässern. Die Folge: Der See ist dramatisch geschrumpft und die ehemals schwache Versalzung hat stark zugenommen. Zudem ist er durch jahrzehntelange Einleitung von Pestiziden extrem belastet. Laut Experten ist höchstens ein kleiner Teil des Aralsees noch zu retten.

Neben Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung spielt auch der Tourismus bei der Verschwendung von Wasser eine Rolle. Der gesamte Mittelmeerraum ist eigentlich zu trocken, um die Massen an Reisenden mit ausreichend Wasser – vor allem für ganzjährig bespielbare Golfanlagen – zu versorgen.

So wird beispielsweise Mallorca in besonders trockenen Sommern mit Wasser aus Tankschiffen vom Festland zusätzlich versorgt. Auch die vermeintlich wasserreiche Alpenregion ist vor Verschwendung nicht gefeit. Besonders die Schneekanonen für den Skitourismus greifen die Wasserreserven der Alpen übermäßig stark an.

Wege aus der Krise

Ein Regenwasserbecken an einem Hügel auf La Palma.

Regenwasserbecken werden zu wenig genutzt

Um in Zukunft große Konflikte um den begehrten Rohstoff zu vermeiden, müssen neue Strategien zur Wasserversorgung entwickelt werden. Eine Maßnahme könnte eine verbesserte Regenwasserspeicherung sein. Gerade in den Mittelmeerländern ist der traditionelle Umgang mit Zisternen, die jahrhundertelang Regenwasser auffingen, in Vergessenheit geraten.

In küstennahen Regionen könnten Meerwasser-Entsalzungsanlagen der Knappheit Abhilfe schaffen. Diese recht teuren Anlagen dürften in vielen Regionen der Dritten Welt jedoch nur mit massiven Finanzspritzen aus den Industrieländern zu installieren sein. Die Baleareninsel Mallorca greift indes seit 2010 schon auf Entsalzungsanlagen zurück, um die Engpässe in den Sommermonaten in den Griff zu bekommen.

Abwässer besser wiederverwerten

Ein durchaus realistisches Unterfangen für viele Länder könnte eine verbesserte Abwasseraufbereitung sein. Was in Deutschland bereits gut funktioniert, ist vor allem in den Schwellenländern und in der Dritten Welt längst nicht selbstverständlich. So werden in Indien die ungeklärten Haushalts- und Industriebwässer in großem Stil zur Bewässerung der Felder benutzt. Damit verseuchen sie sowohl die Feldfrüchte als auch das Grundwasser. Geklärtes Abwasser hingegen kann nicht nur zur Bewässerung, sondern auch als Trinkwasser genutzt werden.

Wenn alle Stricke reißen, gibt es noch das Szenario, Wasser in Pipelines aus regenreichen Regionen in trockene Gebiete zu transportieren. Ein Münchner Bauträger plant zum Beispiel mit Wissenschaftlern eine solche Leitung von Mitteleuropa nach Südeuropa und Nordafrika.

Und die Türkei und Israel haben lange darüber nachgedacht, Wasser aus den türkischen Flüssen in den Nahen Osten zu pumpen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan stoppte diese Überlegungen jedoch 2010 wegen politischer Spannungen zwischen den beiden Ländern. Noch sind derartige Pipelines eine Utopie, doch auch sie könnten in Zukunft einen wichtigen Beitrag zum globalen Wasseraustausch leisten.

Autor: Tobias Aufmkolk

Stand: 16.08.2016, 11:00

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