Das "virtuelle Wasser" oder "verstecktes Wasser"

Intensive Bewässerung von Feldern in Arizona (USA).

Wasserversorgung in Deutschland

Das "virtuelle Wasser" oder "verstecktes Wasser"

Das Statistische Bundesamt gibt einen durchschnittlichen Wasserverbrauch in Deutschland von rund 120 Litern an. Damit ist aber nur das sichtbare Wasser gemeint. Berechnet man den versteckten Wasserverbrauch mit ein, kommt ein Bundesbürger aber laut Angaben der gemeinnützigen Organisation Water Footprint Network auf knapp 4000 Liter am Tag.

Was ist "virtuelles Wasser"?

Porträtaufnahme von dem britischen Wissenschaftler John Anthony Allan

Der britische Wissenschaftler John Anthony Allan

Der Begriff "virtuelles Wasser" beschreibt, welche Menge Wasser zur Herstellung eines Produktes – egal ob industriell oder landwirtschaftlich – verbraucht wurde. Das Konzept des virtuellen Wassers entwickelte der britische Wissenschaftler John Anthony Allan in den 1990er Jahren.

Inzwischen hat seine Arbeit viel Beachtung in der Wirtschaft und in der Politik gefunden. 2008 wurde Allan dafür der renommierte Stockholmer Wasserpreis verliehen.

Wie viel Wasser verbraucht man für ein T-Shirt?

Ein Bespiel: Zur Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch werden etwa 16.000 Liter Wasser verbraucht. Berechnet werden neben dem Wasser zum Tränken der Tiere beispielweise auch das Wasser, das beim Anbau der Futtermittel für die Rinder verbraucht wird.

Ein weißes T-Shirt

Sehr wasserintensiv ist der Anbau von Baumwolle für Bekleidung

Neben Nahrungsmitteln ist vor allem die Baumwolle für Bekleidung im Anbau sehr wasserintensiv. Allein der Anbau der Menge, die für ein T-Shirt benötigt wird, verschlingt durchschnittlich 2700 Liter Wasser.

Damit ist das T-Shirt aber noch längst nicht fertig produziert. Es wird Wasser zur Reinigung der Baumwolle und der aus ihr entstehenden Stoffe, zur Fertigung der Farben für die Baumwolle und so weiter gebraucht. So kann der Verbrauch in einigen Fällen auch auf 15.000 Liter ansteigen.

Wird das virtuelle Wasser berechnet, verbraucht der Deutsche pro Tag knapp 4000 Liter Wasser, ein gewaltiger Unterschied zu den 121 Litern "sichtbares" Wasser.

Der Wasser-Fußabdruck

Ein Frau pflückt Kaffebohnen von den Büschen (Nicaragua).

Kaffeeernte in Nicaragua

Der Wasser-Fußabdruck ist die Weiterentwicklung des virtuellen Wasser-Konzeptes. Man geht davon aus, dass von den 4000 Litern virtuellen Wassers, das wir verbrauchen, über zwei Drittel importiert wurden. Der Wasser-Fußabdruck will eine Wasserbilanz zwischen den Ländern herstellen.

Die Idee, die dahinter steckt ist, dass Länder, die sowieso schon an Trockenheit leiden, weniger Wasser exportieren sollen. Aber es sind gerade diese Länder, die Kaffee, Reis oder Baumwolle wasserintensiv anbauen.

In den Entwicklungsländern wird viel Wasser für die Herstellung von Waren für den Export in die Industrieländer verbraucht, das den Menschen vor Ort und der heimischen Landwirtschaft dann fehlt.

Autorin: Ana Rios

Stand: 26.09.2016, 09:34

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