Eulenarten in Deutschland

Eulen

Eulenarten in Deutschland

Insgesamt brüten in Deutschland zehn der 13 in Europa vorkommenden Eulenarten. Die Unterscheidung zwischen Eulen, die ohrartige Federbüschel aufweisen, und Käuzen, die keine haben, macht wissenschaftlich keinen Sinn und stellt lediglich eine Sprachkonvention dar. Man unterscheidet nur umgangssprachlich zwischen Eulen und Käuzen. Eulen gibt es schon sehr lange: In den USA fand man 58 Millionen Jahre alte Fossilien. Weltweit gibt es 180 Eulenarten, manche sprechen sogar von mehr als 200 Arten.

Waldkauz, Waldohreule und Schleiereule

Ein Waldkauz sitzt bei Tag auf einem Ast

Häufigste Eulenart in Deutschland: der Waldkauz

Der bekannteste Eulenlaut in unseren Breiten ist der Ruf des männlichen Waldkauzes. Sein tremolierendes huuuuuuu-huhuhuhuhuuu ist Soundtrack zahlreicher Horrorfilme und Krimis, schallt weithin und kann in den recht unterschiedlichen Lebensräumen des Kauzes vernommen werden: vom tiefen Wald bis hinein in die Stadt. Mit wohl mehr als 50.000 Brutpaaren ist der Waldkauz die mit Abstand häufigste Eulenart in Deutschland. Das Weibchen antwortet auf den Gesang des Männchens mit einem zweisilbigen Ruf, der wie kuwitt klingt.

Die zweithäufigste Eule in Deutschland ist die Waldohreule. Darum wird auch ihr dumpfes, abgehacktes und weit tragendes hu-hu-hu-hu oft vernommen. In der offenen Landschaft, vor allem auf dem Land, kann man die zischenden oder schnarchenden Schreie der Schleiereule hören: schschscht oder schriiiiiii. Diese recht unheimlichen Geräusche, die ganz anders als die der anderen Eulen klingen, haben - zusammen mit ihrem weißen Äußeren - wohl zu mancher Legende über Gespenster auf Türmen und Kirchhöfen beigetragen.

Steinkauz und Raufußkauz

Alle anderen Eulenarten sind bei uns schon deutlich seltener zu finden - mit etwa 10.000 bis hinab zu nur einigen wenigen Brutpaaren. Der Steinkauz, ebenfalls ein Bewohner der offenen Landschaft und ein Charaktervogel der Streuobstwiesen, ruft in Abständen von wenigen Sekunden zweisilbig etwa guujü.

Der Raufußkauz brütet vor allem in höher gelegenen Wäldern der Alpen und Mittelgebirge. Für ihn ist eine Rufreihe aus sechs bis acht tiefen schnell aufeinanderfolgenden Tönen charakteristisch, etwa huhuhuhuhuhuhu.

Sperlingskauz

Die kleinste Eule ist der Sperlingskauz. "Wie ein plumper Spatz" wirkt der sitzende Vogel und hat einen traurigen, anrührenden Gesichtsausdruck. Er ist nicht viel größer als eine Faust. Der Sperlingskauz ist sehr selten zu sehen und nur aufgrund seines Rufes auffindbar. Man findet ihn in Deutschland vor allem im Schwarzwald, im Bayerischen Wald, im Harz und anderen Mittelgebirgen. Aber auch im Tiefland, zum Beispiel der Lüneburger Heide, kommt er vor. Sein Bestand war sehr zurückgegangen, hat sich in den vergangenen Jahren aber etwas erholt.

Der Kauz bevorzugt aufgelockerte, nicht zu dunkle Wälder mit Lichtungen. Als Nistplatz wählt er am liebsten die Baumhöhlen von Spechten, die auch zu seinen Lieblingsspeisen gehören. Trotz oft geringen Größenunterschieds erlegt er Singdrosseln und sogar Buntspechte. Je nach Art benötigen Eulen 15 bis 50 Prozent des Körpergewichts als tägliche Futtermenge. Das sind beim kleinen Sperlingskauz 30 Gramm. Der Sperlingskauz ist dämmerungsaktiv am Morgen und am Abend, jedoch maximal bis zu 30 Minuten. Dann zieht er sich wieder zurück, um vor allem den Klauen größerer Eulen zu entwischen. Er ruht schließlich in seinem kugelig geplusterten Gefieder auf einem Ast, bis er wieder seinen rasanten, geradlinigen Flug, der für Eulen eher untypisch ist, vollführt. Er wirkt wie ein kleiner Draufgänger, wenn er Sturzflüge und Verfolgungsjagden auf Vögel vollzieht.

Der Uhu - die größte Eule

Die größte Eule ist der Uhu. Sein Name ist von seinem Ruf herzuleiten. Mit seinem markanten Gesicht und dem dicken runden Kopf mit den großen orangegelben Augen sieht er etwas grimmig aus. Seine Größe von bis zu 70 Zentimetern und einer Flügelspannweite von 160 Zentimetern ist enorm. Damit kann er bis zu 50 Kilometer pro Stunde fliegen. Sehr auffällig sind auch die langen "Federohren", die normalerweise schräg zur Seite oder nach hinten stehen. In Deutschland war er fast ausgestorben, ist nun aber wieder heimisch. Zum Brüten bevorzugt er nischenreiches, felsiges Gelände oder Steinbrüche. Überlebenswichtig ist für ihn dabei, dass er dort ungestört ist - vor allem während der langen Brutzeit. Denn immer häufiger werden junge Uhus von Klettersportlern gestört und stürzen aufgeschreckt in den Tod.

Ein Uhu mit etwas grimmigem Aussehen blickt mit seinen orangegelben Augen in die Kamera

Der Uhu hat ein etwas grimmiges Aussehen

Der Uhu hat den abwechslungsreichsten Speiseplan aller Eulenarten. Von kleinen Insekten bis zu Füchsen frisst er alles: Fische, andere Eulen und Greifvögel, Kaninchen, Amphibien, Graureiher. Seine Flexibilität kommt ihm zugute: Der Uhu findet heute auch Ratten auf Müllhalden und Reiher auf Stauseen. Außerdem ist der Uhu ein "Sonnenanbeter" und eine "Wasserratte". Beim Sonnenbaden breitet er sich flach auf dem Boden aus. Baden bevorzugt er bis zur völligen Durchnässung. Tagsüber sitzt der Uhu reglos in Baumkronen oder Felsnischen. Das Männchen ruft seinen Namen uhu oder uho, das Weibchen antwortet eine Oktave höher. In der Balz kann sich dieser Gesang zu einer erregten Rufreihe steigern, die wie ein "Hohngelächter" klingt: uhu uhu uhohohohohohoho.

Die Raritäten: Sumpfohreule, Habichtskauz und Zwergohreule

Sumpfohreule, Habichtskauz und Zwergohreule kommen bei uns in nur ganz geringer Zahl vor: An den Küsten kann man mit etwas Glück die Rufreihen der Sumpfohreule hören, die aus vielen fast gleichklingenden Elementen besteht, etwa u-u-u-u-u-u-u. Der Habichtskauz brütet in Deutschland nur im Bayerischen Wald. Sein Gesang ist sehr variationsreich, besteht meistens aus unterschiedlichen kurzen dumpfen hu-Elementen.

Der Gesang der kleinen Zwergohreule klingt zweisilbig djuu-djuu oder djuu-djüü. Sie ist vor allem im Mittelmeerraum beheimatet und kommt in Deutschland nur im Südwesten vor. Schneeeule, Sperbereule und Bartkauz, die auch zu den 13 europäischen Eulenarten gehören, kommen in unseren Breiten nicht vor.

Autor/in: Andreas Kohler

Stand: 20.10.2014, 13:00

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