Der Stern von Bethlehem - ein ungelöstes Rätsel

Kometen

Der Stern von Bethlehem - ein ungelöstes Rätsel

"Als aber Jesus zu Bethlehem in Judäa geboren war, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: Wo ist der neue König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland aufgehen gesehen und sind gekommen, ihm zu huldigen." (Matthäus 2, 1-2) Seit die Weihnachtsgeschichte erzählt wird, gibt es Theorien darüber, was der Stern von Bethlehem war: eine Supernova, ein Komet oder eine außergewöhnliche Planetenkonjunktion?

Die Supernova-Theorie

Ein heller Stern am Nachthimmel.

Was war der Stern von Bethlehem?

Unter einer Supernova versteht die Astronomie einen Stern, der am Ende seiner Entwicklung durch eine gewaltige Explosion einen großen Teil seiner Masse verliert oder ganz zerstört wird. Eine Supernova leuchtet sehr viel heller als die Sterne in ihrer Umgebung.

Für eine Supernova spricht, dass das "helle Leuchten" plötzlich am Himmel zu sehen war und dass sein Leuchten alle anderen Sterne am Himmel überstrahlt hätte.

Illustration eines explodierenden Sterns.

Eine Supernova setzt riesige Mengen Licht frei

Gegen die Supernova-Theorie spricht, dass eine solch gewaltige Himmelserscheinung von den Sternenforschern des Altertums nicht unbemerkt geblieben wäre. Denn die sonst so zuverlässigen chinesischen Astronomen verzeichneten für den angenommenen Zeitraum der Geburt Jesus (zwischen 7 und 4 vor Christus) keine Supernova. Hinzukommt, dass die Explosion eines Sterns Überreste im Weltall hinterlässt. Diese lassen Rückschlüsse über den Zeitpunkt der Sternenexplosion zu. Von den bisher entdeckten Supernova-Resten fallen aber keine in das Zeitfenster, das für die Geburt von Jesus in Frage kommt.

Die Theorie der Planetenkonjunktion

Gemälde von 1825: Heilige drei Könige blicken zur Krippe.

Folgten die Weisen einer Planetenkonjunktion?

Im Jahr 7 vor Christus kam es zu einer außerordentlichen Begegnung von Jupiter und Saturn am Himmel: die beiden Planeten kamen sich sehr nahe (Konjunktion) und das innerhalb eines Jahres sogar dreimal. Die These über die dreifache Planentenkonjunktion von Jupiter und Saturn gehört zu den bekanntesten Theorien über den Stern von Bethlehem. Dreifachkonjunktionen von Planeten sind selten. Die letzte in unserer Zeit fand 1980/1981 statt (die 13. nach der "Weihnachtskonjunktion"). Eine nächste Dreierkonjunktion hat man für 2238 errechnet.

Entscheidend für die Theorie einer Planetenkonjunktion ist nicht nur ihre Beobachtung, sondern ihre astrologische Deutung. Für die Weisen aus Mesopotamien waren die Planeten nicht nur Himmelskörper. Alles, was sich am Himmel abspielte, entsprach Ereignissen auf der Erde. So stand der Planet Jupiter, "der Königsstern", für den höchsten babylonischen Gott "Marduk". Saturn entsprach dem Gott "Kajmanu"(Kaimun), einem Wandelstern, der mit dem König Israels in Verbindung gebracht wurde. Die dreifache Planetenkonjunktion fand im Sternbild Fische statt. Dieses Sternbild stand in Babylon auch für das Land Palästina. Die Konjunktion von Saturn und Jupiter konnte infolge der astrologischen Deutung nur einen Höhepunkt "im Himmel wie auf Erden" bedeuten: Ein neuer König musste in Palästina geboren worden sein.

Gegen die Theorie der Planetenkonjunktion im Jahr 7 vor Christus spricht allerdings, dass wir es hier mit zwei Planeten zu tun haben, die zu keinem Zeitpunkt so nahe beieinander gestanden haben, dass sie wie ein einziger heller Stern leuchteten. Das Matthäus-Evangelium erwähnt aber nur einen hellen Stern.

Die Kometentheorie

Nachtlandschaft: zwischen zwei Bäumen ist ein heller Komet zu am Himmel zu sehen.

War der Weihnachtsstern ein Komet?

Die meisten Menschen bringen den Stern von Bethlehem in Verbindung mit einem Kometen. Die Darstellungen des Weihnachtssterns in der Kunstgeschichte als Schweifkomet unter anderem vom italienischen Renaissance-Maler Giotto haben diesen Eindruck entstehen lassen. Kometen sind Himmelskörper aus Gestein und Eis, deren Kern meist 10 bis 100 Kilometer groß ist. Sie jagen auf berechenbaren Bahnen durch das Weltall und können regelmäßig wiederkehren - wie beispielsweise der Halleysche Komet. Chinesische Aufzeichnungen belegen für das Jahr 5 vor Christus das Erscheinen eines Kometen, der auch im Vorderen Orient zu sehen gewesen ist.

Gegen die Theorie, dass der Stern von Bethlehem ein Komet war, spricht allerdings, dass Kometen in der Astrologie des Altertums als Unheilsbringer angesehen wurden. Das Erscheinen eines Kometen wurde damals immer in Verbindung gebracht mit Seuchen, Hungersnöten, Erdbeben oder Dürren - auf keinen Fall mit der Geburt eines Königs.

Weiterführende Infos

Autor/in: Cordula Weinzierl

Stand: 10.12.2014, 12:00