Parabelflug

Schwerelosigkeit

Parabelflug

Er war der erste Tourist im Weltall: Dennis Tito. Für 20 Millionen Dollar verbrachte der amerikanische Multimillionärseinen Urlaub auf der Internationalen Raumstation. Bei knapper Urlaubskasse es gibt aber eine günstige Alternative: Parabelflüge.

Ein Flugzeug fällt vom Himmel

Die Fotomontage von Novespace zeigt den Airbus A300-"Zero-G" im Steilflug

Airbus auf parabelförmiger Bahn: Zunächst geht es steil bergauf...

Das Prinzip eines Parabelflugs ist einfach und spektakulär: Das speziell ausgerüstete Flugzeug fliegt zunächst ganz normal auf eine Höhe von etwa 7500 Metern. Dort startet es mit vollem Schub himmelwärts: In einem Anstellwinkel von 47 Grad gelangt es in 20 Sekunden auf eine Höhe von 8700 Metern.

Hier drosselt der Pilot die Triebwerke – der Jet steigt zunächst weiter und fällt dann frei auf einer parabelförmigen Bahn. Die Schwerelosigkeit dauert etwa 25 bis 30 Sekunden. Am Ende rast das Flugzeug mit seiner Nase im Winkel von 43 Grad erdwärts. Zum Abfangen der Maschine startet der Pilot voll durch.

In dieser Phase herrscht doppelte Schwerkraft: Die Insassen werden mit ihrem zweifachen Körpergewicht auf den Flugzeugboden gepresst. Diese Abfolge von doppelter Schwerkraft und Schwerelosigkeit wiederholt sich während des mehrstündigen Parabelfluges bis zu 30 Mal.

Schwerelosigkeit im Kompaktpaket: Cocktailparty inklusive

Oliver Knickel dreht erste Pirouetten in Schwerelosigkeit

Viel Übung gehört vor einem Weltraum-Einsatz dazu

Parabelflüge starten vor allem zu Übungszwecken: Astronauten bereiten sich in den Phasen der Schwerelosigkeit auf ihren Einsatz im Weltall vor. Mit an Bord sind oft auch Wissenschaftler, die verschiedene Experimente in der Schwerelosigkeit durchführen. Auch Privatpersonen können inzwischen Parabelflüge buchen. Die Voraussetzungen sind ein erfolgreicher Gesundheits-Check und ein gut gefüllter Geldbeutel, denn billig sind die mehrstündigen Flüge nicht.

Das Yuri Gagarin Cosmonaut Training Center "Star City" bei Moskau bietet seit einigen Jahren Parabelflüge in einer Iljuschin 76 MDK als Abenteuerreise an. Inzwischen sind solche Flüge auch in den USA und seit 2013 in Frankreich möglich.

Das Erlebnis Schwerelosigkeit ist in Russland als Gesamtpaket zu buchen. Nach der Ankunft in Moskau haben die Gäste erst einmal Zeit, die russische Hauptstadt zu erkunden. Am zweiten Tag verlassen sie Moskau in Richtung "Star City". Es folgt eine Besichtigung des Yuri Gagarin Training Centers.

Anschließend müssen sich die Teilnehmenden einem gründlichen Gesundheits-Check unterziehen: So ein Flug erfordert schließlich einiges an Fitness und körperlicher Belastbarkeit. Jeder Mitfliegende erhält einen Fluganzug, den er oder sie anschließend behalten darf.

Beim Mittagessen stellt sich ein Kosmonaut den Fragen der Gäste. Und dann geht es los: Das Parabelflugzeug hebt ab, auf in die Schwerelosigkeit. Wer nach dem Rauf und Runter noch lächeln kann, lässt sich nach der Landung vor dem Flugzeug fotografieren. Am Ende des Tages stehen eine Cocktailparty und ein gemeinsames Abendessen mit den gastgebenden Kosmonauten auf dem Programm.

Die Kosten des Abenteuers belaufen sich auf mehrere Tausend Dollar. Im Internet kursieren allerdings auch weitaus billigere Angebote von Privatfliegern. Ein Sicherheitsrisiko könnte hierbei die eventuell fehlende Erfahrung der Piloten mit den speziellen Anforderungen eines Parabelflugs darstellen.

"Dahin, wo noch nie ein Student war ..."

Mit etwas Glück können Studenten kostenlos an einem Parabelflug teilnehmen. Seit 1994 schreibt die European Space Agency (ESA) in unregelmäßigen Abständen einen Wettbewerb aus. "Geht dahin, wo noch nie ein Student war", warb die erste Kampagne. Mittlerweile waren schon viele Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler dort, wo noch viele andere hin wollen: in der Schwerelosigkeit.

Um einen der begehrten Plätze zu erhalten, müssen sich die Studierenden schon ein wenig anstrengen. Zur Bewerbung gehört die Präsentation eines Experiments, an dem die Gruppe während des Flugs forschen will. In den vergangenen Jahren untersuchten die angehenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler etwa den Einfluss der Schwerelosigkeit auf Magneten und entwickelten eine Weltraumdusche. Andere Gruppen beschäftigten sich mit dem Blutdruck des schwerelosen Menschen.

Spitzname "Kotzbomber"

Ob Tourist oder Nachwuchswissenschaftlerin – ohne körperliche Probleme kommt kaum einer der Teilnehmenden eines Parabelflug davon. Kein Wunder, denn das Rauf und Runter im Minutentakt führt schnell zu Übelkeit und Erbrechen. Die Parabelflugzeuge haben deshalb auch den Spitznamen "Kotzbomber". Vorbeugend erhalten alle Teilnehmenden vor dem Flug ein magenberuhigendes Medikament. Trotzdem darf auch die Papiertüte nicht fehlen.

Im Inneren der Maschine ist für Sicherheit gesorgt. Das Flugzeug ist ausgepolstert, es gibt keine scharfen Ecken und Kanten. Zudem kündigt der Pilot den allmählichen Übergang von der Schwerelosigkeit zur Schwerkraft an. Die Teilnehmer stürzen also nicht plötzlich auf den Boden herab. Zusätzlich stehen Flugbegleiter helfend zur Seite. Die NASA wirbt damit, dass auf ihren mehr als 120.000 bisher durchgeführten Parabelflügen kein Unfall geschehen ist.

Autorin: Julia Ucsnay

Stand: 01.07.2016, 16:00

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