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Rat & Tat - Was tun bei Haarausfall?

Da unsere Haare allesamt unterschiedlichen Wachstumsphasen unterliegen, bleibt uns der gleichzeitige Verlust aller Haupthaare glücklicherweise erspart. Es ist also normal, wenn wir beim Haarewaschen oder Haarebürsten Haare lassen. Kritisch wird es erst, wenn am Tag mehr als 100 Haare ausfallen. In Deutschland sind rund acht Millionen Menschen von Haarausfall betroffen, dass sind zehn Prozent der deutschen Bevölkerung. Doch Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall und kann verschiedene Ursachen haben.

Symbolfoto: Über einem Mann mit Glatze wird eine Gießkanne ausgeschüttet. (Rechte: Mauritius)

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Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie)

Mit 95 Prozent aller Haarausfälle ist der erblich bedingte Haarausfall der verbreitetste Haarverlust. In Mitteleuropa sind mehr als die Hälfte der über 50-jährigen Männer betroffen, bei jedem dritten Mann unter 30 lassen sich erste Anzeichen des Haarausfalls erkennen. Etwa jede zehnte Frau ist vom erblich bedingten Haarausfall betroffen, und nach den Wechseljahren fallen sogar jeder fünften Frau Haare aus. Dabei zeichnet sich der Haarverlust bei den Geschlechtern unterschiedlich ab. Bei Frauen lichtet sich das Haar zuerst im Bereich des Mittelscheitels, von dort aus werden die lichten Stellen größer. Doch dabei bleibt es; während sich bei Frauen das Kopfhaar ausdünnt, bekommen sie nur in den allerseltensten Fällen auch eine Vollglatze. Anders beim Mann.

Ein Mann schaut sich mit einem Handspiegel seinen Haarasufall an. (Rechte:  ZB/dpa)

Haarausfall ist meist erblich bedingt

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Bei Männern prägen sich zunächst die Geheimratsecken deutlich aus. Gleichzeitig bildet sich am Hinterkopf eine kahle Stelle aus, die sich gemeinsam mit den Geheimratsecken im Lauf der Zeit zu einer Glatze ausweitet. Ausgelöst wird der erblich bedingte Haarverlust durch ein Abbauprodukt des männlichen Geschlechtshormons Testosteron, namens Dehydrotestosteron (DHT). Die Haarwurzelzellen reagieren überempfindlich auf DHT und treten vermehrt und zu schnell in die Haarwachstumspause ein und beginnen zu schrumpfen. So bildet die Haarwurzel nach und nach statt normaler Haare nur noch Haarflaum aus, der schließlich ganz ausfällt, wenn die Haarwurzel abstirbt.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

Im Gegensatz zum erblich bedingten Haarausfall ist der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata) krankheitsbedingt. Innerhalb nur weniger Tage entstehen runde, kahle Stellen auf dem Kopf. Oftmals wächst das Haar von alleine wieder nach, doch manchmal ist ein Totalverlust der Haare unvermeidbar. Die Ursachen der Alopecia areata liegt größtenteils im Dunkeln, doch scheint eine immunologische Störung den Haarausfall auszulösen. Dabei werden die Kopfhaare vom eigenen Immunsystem als Fremdkörper angesehen und abgestoßen. Zu Beginn entsteht eine Entzündungsreaktion, die sich irritierend auf die Haarwachstumsphasen auswirkt und schließlich den Haarausfall bewirkt. Im schlimmsten Fall kommt es zum Verlust aller Kopfhaare (Alopecia totalis) oder sogar zum vollständigen Verlust der gesamten Körperbehaarung (Alopecia universalis).

Großaufnahme auf den Kopf eines ergrauten Mannes. Am Ansatz ist eine Lücke zu erkennen. (Rechte: Mauritius)

Am Haaransatz fallen die Haare seltener aus

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Diffuser Haarausfall (diffuse Alopezie)

Auch der diffuse Haarausfall, bei dem das Haar insgesamt ausdünnt, ist krankheitsbedingt. Oft erweist sich diffuser Haarausfall als eine vorübergehende Erscheinung. Die Ursachen sind dabei äußerst vielfältig: Schwangerschaft, Schildrösenfunktionsstörungen und die Wechseljahre können ebenso Auslöser für diffusen Haarausfall sein wie Infektionskrankheiten, falsche und extreme Diäten oder medikamentöse Unverträglichkeiten.

Haarausfall – Ein Fall für den Dermatologen

Haarausfall kann erblich bedingt, aber auch eine Krankheit sein. Manchmal ist Haarausfall auch ein Symptom, das auf eine bestehende Erkrankung hinweist, die in erster Linie gar nichts mit der Haarpracht zu tun hat, sondern sich nur negativ auf sie auswirkt. Daher ist es ratsam, bei registriertem Haarausfall zunächst einen Hautarzt aufzusuchen. Viele Dermatologen bieten Haarsprechstunden an. Der Arzt erstellt dem Patienten dann ein so genanntes Trichogramm, er entnimmt einige der Haupthaare, oft wird die Kopfhaut zudem fotografiert um den Zustand des Haarverlusts protokollieren und später vergleichen zu können. Stellt sich heraus, dass dauerhafter und nicht-krankheitsbedingter Haarausfall vorliegt, können Medikamente verabreicht werden, die den Haarausfall unterbinden und sogar den Haarwuchs neu anregen.

Haarwuchsmittel

Was ist dran am Thema Haarwuchsmittel? Gibt es tatsächlich Mittelchen und Tinkturen, die die erhoffte Sprießkraft des sich lichtenden Haupthaares wieder beflügelt, oder handelt es sich hier generell um wüsten Schacher mit gutgläubigen Patienten? Das Erfreuliche gleich vorneweg: Tatsächlich gibt es seit einiger Zeit erwiesenermaßen wirksame, wissenschaftlich getestete Präparate, die ein erneutes Haarwachstum nicht nur versprechen, sondern tatsächlich auch bewirken.

Therapiemöglichkeiten

Einmal ausgefallene Haare kommen zwar nicht wieder, aber mit Medikamenten lässt sich teilweise der Ist-Zustand erhalten und ein Erfolg in der Stimulation der Haardicke beziehungsweise Haardichte verzeichnen. Eine medikamentöse Behandlung sollte so früh wie möglich erfolgen. Setzt man die Mittel ab, schreitet auch der Haarausfall wieder voran. Um den Körper so wenig wie möglich zu belasten, startet man mit Haartinkturen, die direkt auf die Kopfhaut aufgetragen werden. Erste Ergebnisse sind nach drei bis sechs Monaten zu sehen. Erst wenn Haartinkturen nicht zum Erfolg führen, werden Tabletten eingesetzt. Die verfügbaren Präparate sind meist verschreibungspflichtig. Da sie Hormone enthalten, sind nicht alle für Männer und Frauen gleichermaßen geeignet. Konkret sind es drei Wirkstoffe, die sich in der Anwendung als wirksam erwiesen haben: Finasterid, Minoxidil und 17-Alpha-Estradiol. Allen dreien ist gemeinsam, dass sie der konsequenten Anwendung bedürfen.

Für Männer und Frauen

Der Wirkstoff 17-Alpha-Estradiol ist als rezeptfreie Haartinktur erhältlich. Dieses Östrogen verhindert die Umwandlung des Testosterons in seine aktive Form, das Dihydrotestosteron (DHT). Auslöser für die ererbte Empfindlichkeit ist DHT.

Der Wirkstoff Minoxidil ist ebenfalls als Haartinktur erhältlich. Warum er wirkt, ist bislang nicht bekannt. Vermutlich regt er die Durchblutung und damit auch das Haarwachstum an.

Für Männer

Finasterid - als Tablette erhältlich - verhindert die Umwandlung des Testosterons in DHT (wie 17-Alpha-Estradiol). Während der Finasteridanwendung wurde bei Testpersonen auch eine kleine Menge des Wirkstoffes in der Samenflüssigkeit gefunden. Das Risiko von Missbildungen bei einer Schwangerschaft könne nicht ganz ausgeschlossen werden, so die Beurteilung in Fachzeitschriften, darum ist das Medikament für Frauen nicht geeignet.

Gregor Delvaux de Fenffe, Melanie Jost, Stand vom 20.11.2008

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