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Herztransplantation

Derzeit warten in Deutschland mehrere hundert Patienten auf ein Spenderherz. Sie alle sind todkrank, denn auf die Warteliste kommt in der Regel nur, wer nur noch eine Lebenserwartung von wenigen Monaten hat. Viele Patienten überleben die langen Wartezeiten von sechs bis zwölf Monaten nicht mehr.

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All jene, die keine weiteren Organerkrankungen haben, können vorübergehend mit einem Kunstherz versorgt werden. Dabei wird das kranke Herz vollständig entfernt und durch eine Herzpumpe ersetzt, die von einer außerhalb des Körpers liegenden Stromquelle versorgt wird. Mit einem solchen Kunstherz lassen sich Wartezeiten von bis zu anderthalb Jahren überbrücken. Für einen längeren Dauereinsatz sind diese Geräte jedoch ungeeignet.

Die Zeit des Wartens stellt für Patienten und Angehörige eine enorme psychische Belastung dar. Besonders dann, wenn kurzfristig anberaumte Operationen im letzten Moment doch noch einmal abgesagt werden müssen, weil das Spenderorgan nicht die notwendigen Voraussetzungen erfüllt.

Das 1997 in Kraft getretene Transplantationsgesetz regelt die Grundvoraussetzungen für die Organspende. Hat der Verstorbene zu Lebzeiten seinen Willen zur Spende erklärt und in einem Dokument zum Ausdruck gebracht, kann die Organspende zügig eingeleitet werden. Da es jedoch viel zu wenig Organspender gibt, stammen die meisten Spenderherzen von Verstorbenen, bei denen die Angehörigen im Sinne des Toten entschieden haben.

Voraussetzung einer Organspende ist allerdings, dass zwei unabhängige Ärzteteams den unwiderruflichen Hirntod des Spenders, das Ausbleiben der Spontanatmung sowie den Verlust der Hirnstammtätigkeit bescheinigt haben. Danach beginnen die medizinischen Untersuchungen und die Auswahl eines geeigneten Empfängers.

Wichtig ist, dass Spender und Empfänger in Größe und Gewicht etwa gleich veranlagt sind, um später ein Ungleichgewicht zwischen der Pumpleistung des Herzspenders und des Empfängers zu vermeiden. Vor der Entnahme finden klinische Untersuchungen des Spenderherzens statt. Ferner erfolgen immunologische Tests, um das Risiko einer akuten Abstoßungsreaktion beurteilen zu können.

Das gereinigte Spenderherz wird in den Brustkorb des kranken Patienten implantiert. (Rechte: dpa)

Die Herztransplantation zählt in den Herzzentren inzwischen zur Routine

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Die Operation

Nach der Entnahme wird das Spenderherz in einer vier Grad Celsius kalten Speziallösung konserviert und kann nun auf dem schnellsten Weg zum Empfänger transportiert werden. Um lange Wege zu vermeiden, wird zunächst in der Region des Spenders nach einem geeigneten Empfänger gesucht. Das Spenderherz wird erst entnommen, wenn sichergestellt ist, dass die Transplantation innerhalb von etwa vier Stunden abgeschlossen werden kann.

Die eigentliche Operation unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ist zwar ein großer Eingriff, zählt inzwischen jedoch in den Herzzentren zur Routine. Mit der Entnahme des kranken Herzens wird erst begonnen, wenn das Spenderherz im Operationssaal eingetroffen ist. Die Herz-Lungen-Maschine übernimmt dann die Blutversorgung der übrigen Organe. Die großen Adern, die zur Lunge und in den Körperkreislauf führen, werden so durchtrennt, dass ein kleiner Rest vom linken und rechten Vorhof stehen bleibt. An diese Gewebereste wird das Spenderherz angenäht. In zirka einer Stunde kann das neue Herz an den Blutkreislauf angeschlossen werden und die Pumpleistung dann wieder aufnehmen.

Ist der Patient "nur" herzkrank und sind andere Organe wie Leber, Niere, Lunge und Gehirn gesund, hat er eine sehr gute Prognose, den Eingriff zu überleben. Da jedoch viele Herzpatienten zusätzliche Erkrankungen mitbringen, versterben etwa zehn Prozent während oder kurz nach dem Eingriff. Etwa 85 Prozent überleben die ersten zwölf Monate, 70 Prozent leben noch nach fünf Jahren und immerhin 50 Prozent leben länger als zehn Jahre.

Die Nachsorge

Die intensive Phase der Nachsorge erstreckt sich auf etwa vier bis sechs Wochen und ist der kritische Teil der Behandlung. Jede Organtransplantation macht es erforderlich, den Patienten lebenslang medikamentös vor einer Organabstoßung zu schützen. Nur in seltenen Fällen bleiben Patienten von dieser normalen Immunabwehr verschont. Um irreparable Schäden am Spenderherz zu vermeiden, ist in den ersten Wochen nach der Operation eine sehr engmaschige Überwachung erforderlich.

Die Abstoßungskrisen verlaufen etappenweise. Treten sie in den ersten drei Monaten alle zwei, drei Wochen auf, so stabilisiert sich der Zustand nach einiger Zeit. EKG, Blut- und Röntgenuntersuchungen liefern keine endgültigen Informationen über den Schweregrad der Abstoßungsreaktion. Den gibt es nur durch eine Biopsie. Dabei werden dem Herzmuskel an mehreren Stellen kleine Gewebeproben entnommen und im Labor untersucht.

Diese Proben geben eindeutige Hinweise auf den Schwergrad der Abstoßungsreaktion. Je nachdem, wie diese Untersuchungen ausfallen, muss dann bei einer mittleren bis schweren Abstoßung eine Cortisonbehandlung erfolgen. Da die körpereigene Immunabwehr durch die vielen Medikamente stark reduziert ist und die Patienten leicht zum Beispiel eine Lungenentzündung bekommen, müssen Ärzte, Pflegepersonal und Besucher in den ersten Wochen sterile Schutzkleidung tragen.

Erst allmählich beginnt wieder die Gewöhnung an die Keime in der Umgebung. Parallel dazu erhalten die Patienten eine körperliche sowie psychologische Betreuung, um sie auf das Leben mit einem neuen Herzen vorzubereiten.

Der südafrikanische Chirurg Christiaan Barnard (Mitte) mit seinem zweiten Herztransplantations-Patienten Philip Blaiberg (links). Rechts eine Krankenschwester. In seinen Händen hält Barnard einen Beutel mit dem kranken Herzen, das er Blaiberg entnommen hatte. (Rechte: dpa)

Christiaan Barnard (Mitte) zusammen mit Philip Blaiberg (links)

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Wie alles begann

Der 3. Dezember 1967 ist in der Geschichte der Medizin ein herausragendes Datum. Es war der ganz große Tag des südafrikanischen Transplantationschirurgen Christiaan Barnard. An der Spitze eines 31-köpfigen Teams war es Barnard in einer fünfstündigen Operation gelungen, dem damals 55-jährigen Louis Washkansky das Herz einer 25-jährigen Frau zu verpflanzen, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen war.

Louis Washkansky überlebt den Eingriff nur 18 Tage und verstarb nicht, wie Christiaan Barnard zunächst vermutet hatte, an einer Organabstoßung, sondern an einer zu spät erkannten Lungenentzündung. Wenige Tage später - am 2. Januar 1968 - transplantierte Christiaan Barnard ein zweites Herz. Diesmal lebte der Patient Philip Blaiberg 19 Monate und starb dann an den Folgen einer akuten Organabstoßung. Christiaan Barnard, der zwischen 1967 und 1973 noch neun weitere Herzen verpflanzte, stand immer wieder im Rampenlicht der weltweiten Medien.

Aus rassistischen Gründen wurde verschwiegen, dass er einen begnadeten Operateur in seinem Team hatte: Hamilton Naki, über den Barnard später nach dem Ende der Apartheid-Politik immerhin öffentlich sagte, Naki sei von ihnen beiden der bessere Chirurg gewesen.

Das Beispiel aus Kapstadt machte bald Schule. Zwei Jahre nach der ersten Transplantation waren weltweit bereits an die 100 Herzen verpflanzt worden. Dabei hatte es Anfang der 1970er Jahre noch danach ausgesehen, dass die Transplantationschirurgie in einer Sackgasse gelandet war, da sich die Organabstoßung zunächst als medizinisch unlösbares Problem darstellte. Als jedoch in den 1970er Jahren neue Medikamente auf den Markt kamen und die Überlebensraten sich deutlich verbesserten, war der Durchbruch geschafft.

Christiaan Barnard, der 1983 wegen rheumatischer Beschwerden seinen Beruf aufgeben musste, starb am 2. September 2001 im Alter von 78 Jahren auf Zypern an den Folgen eines Asthma-Anfalls.

Ulrich Neumann, Stand vom 18.04.2012

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