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Woher kam die Syphilis?

Lange Zeit waren Mediziner und Historiker überzeugt, dass die verheerende Geschlechtskrankheit Syphilis durch Seefahrer um Kolumbus aus der Neuen Welt nach Europa verschleppt wurde. Im Volksmund war sogar von einem Fluch die Rede: Die tödliche Krankheit galt als Rache für die Verbrechen der spanischen Eroberer an den Ureinwohnern Nordamerikas.

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Aufsehenerregende Entdeckung auf einem Klosterfriedhof

Über die Herkunft der Syphilis streiten sich bis heute die Wissenschaftler. Neuere Funde weisen darauf hin, dass es schon im Mittelalter und in der Antike Syphilis-Kranke in Europa gab. So sorgte ein Skelettfund auf einem britischen Klosterfriedhof für Aufregung: Die Knochen waren von Syphilis gezeichnet, der Tote war dort jedoch mindestens 150 Jahre vor Kolumbus Fahrt in die Neue Welt begraben worden. Auch an Skelettfunden aus Pompeji wurden deutliche Spuren der Krankheit entdeckt.

Ausgelöst wird Syphilis durch den Erreger Treponema pallidum. Mediziner unterscheiden zwischen der venerischen Form, die beim Geschlechtsverkehr übertragen wird, und der nichtvenerischen Form, die angeboren ist oder nach der Geburt im Kindesalter erworben wird. Letztere kann auch endemisch, das heißt örtlich begrenzt auftreten, und auch im Erwachsenenalter noch übertragen werden – allerdings nicht durch Geschlechtsverkehr.

Darstellung der Behandlung von Syphilis im Mittelalter (Rechte: akg-images)

Syphilisbehandlung im Mittelalter

Vergrößern

Syphilis schon vor 4000 Jahren

2003 entdeckten Göttinger Paläopathologen eine bisher unbekannte Form der Syphilis an 4000 Jahre alten Knochen in Santa Barbara, Kalifornien. Zerfressene und verdickte Schädeldach- oder Schienbeinknochen zeugten von der schrecklichen Krankheit. Mikroskopische Untersuchungen ergaben, dass es sich bei dieser um eine hoch ansteckenden Variante handeln könnte, aus der die heutige endemische Form, die venerische Form und eventuell verwandte Infektionskrankheiten hervorgegangen sind. Weiteres Fazit der Paläopathologen: Die Erreger der Syphilis trieben in der alten Welt schon lange ihr Unwesen, bevor spanische Seefahrer eine hochansteckende Form aus der Neuen Welt einschleppten. Von diesem Zeitpunkt an konnte sich die Syphilis in Europa explosionsartig ausbreiten und führte zu Siechtum und Tod. Erst mit der Einführung des Penicillins hat die noch im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit verbreitete Geschlechtskrankheit stark abgenommen.

Claudia Heidenfelder, Stand vom 09.05.2012
Sendung: Forscher fragen - Knochen antworten!, 10.05.2012

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